Markthalle, Kriegsstraße 7, Ansicht von der Oberpostdirektion, 1946, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVa 1554.

Markthalle

Die vom Leiter des städtischen Hochbauamts Friedrich Beichel entworfene Markthalle wurde 1933/34 auf einem Teil des alten Bahnhofsgeländes an der Kriegsstraße errichtet. Die Neugestaltung des Marktplatzes in eine Verkehrsstraße Mitte der 1920er-Jahre hatte den dortigen, aus Groß- und Kleinhändlern bestehenden Wochenmarkt zum 1. Juni 1926 auf den Vorplatz des ehemaligen Empfangsgebäudes des alten Bahnhofs in der Kriegsstraße 7 verdrängt. Als Ende der 20er-Jahre auch noch der auf dem Ludwigsplatz stattfindende Wochenmarkt wegen des wachsenden innerstädtischen Verkehrsaufkommens verlegt werden musste, beschloss die Stadt, den seit mehr als drei Jahrzehnten zur Diskussion stehenden Bau einer ständigen Markthalle zu realisieren.

Im Herbst 1930 konnte sie das 75.980 Quadratmeter große ehemalige Bahnhofsareal zwischen der Kriegsstraße im Norden, der Rüppurrer Straße im Osten, der Baumeisterstraße im Süden und der Ettlinger Straße im Westen von der Deutschen Reichsbahn und dem badischen Staat erwerben. Der anfängliche Plan, eine circa 8.700 Quadratmeter große Halle mit Gleisanschluss und Ladestraßen zwischen dem alten Bahnhofsgebäude und der Baumeisterstraße zu errichten, musste aus Kostengründen um etwa die Hälfte reduziert und ohne Gleisanbindung ausgeführt werden. Der dreischiffige Hallenkomplex wurde stattdessen direkt an das ehemalige, von Friedrich Eisenlohr entworfene und von Leopold Heinrich erweiterte Empfangsgebäude angeschlossen sowie durch zwei neu angelegte Zufahrtsstraßen, der Meidingerstraße im Osten und der Blankenhornstraße im Westen, erschlossen. Kurz vor Baubeginn im Frühjahr 1933 entschied der Gemeinderat, die in Holz projektierte Hallenkonstruktion in Eisenbeton und ihre Umfassungsmauern in massivem Mauerwerk auszuführen. Lediglich die drei flach gewölbten Dächer, die in ihrem Scheitel jeweils ein 4 Meter breites und 70 Meter langes Oberlicht aufnahmen, wurden in Holz hergestellt.

Im Sommer 1934 war die Markthalle fertig gestellt. Vom 8. September - 1. Oktober 1934 diente sie zunächst noch als Veranstaltungsort der zweiten nationalsozialistischen Grenzland-Messe Karlsruhe, bevor sie dann am 21. Oktober 1934 offiziell eingeweiht und ihrem eigentlichen Zweck übergeben wurde. Bis zum Februar 1967 boten die ehemaligen Groß- und Kleinhändler des Markt-, Ludwigs- und Werderplatzes werktags hier ihre Waren zum Verkauf an. Mit der Eröffnung des neuen Großmarkts am Weinweg am 23. Februar 1967 verließen sämtliche Großhändler die Halle. Den Kleinhändlern war seitens der Stadt wegen des geplanten Neubaus des Badischen Staatstheaters zum 1. März 1967 gekündigt worden. Während der Bundesgartenschau (14. April - 23. Oktober 1967) diente die zum Abriss bestimmte Markthalle noch als Busbahnhof. Als sich der Theaterbau und damit auch der Abriss der Halle wegen der wirtschaftlich schlechten Lage verzögerten, kehrten zahlreiche Kleinhändler nach der Bundesgartenschau auf Vorschlag der Stadt mit ihren Verkaufsständen in den südlichen Teil der Halle zurück. Am 14. Februar 1970 wurde der dortige Kleinmarkt endgültig eingestellt und die Markhalle abgerissen.

Katja Förster 2013

Quellen

StadtAK 8/StS 13/163; Die Einweihung der neuen Karlsruher Markthalle, in: Badische Presse, Jg. 50, Nr. 391, 20./21. Oktober 1934.

Literatur

Katja Förster: Märkte und ihre Brunnen in Karlsruhe, in: Katja Förster/Markus Gruber/Matthias Maier: Märkte und ihre Brunnen, Karlsruhe 2011, S. 46-52, 55 f. (= Häuser- und Baugeschichte. Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe Bd. 11).