Ettlinger Straße mit Blick nach Norden zum Ettlinger Tor, um 1910, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIIIb 305.
Ettlinger Straße/Ecke Augartenstraße, links die Albtal-Dampfbahn, um 1900, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIIIb 338.
Östliche Seite der Ettlinger Straße in Höhe des Vierordtbades, um 1920, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIIIb 38.
Ettlinger Straße 5, Männing-Wohnhaus, 1881, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVe 41.
Ettlinger Straße 15, Wohnhaus von Emil Utz, um 2017, Foto: Feitenhansl.
Ettlinger Straße 6, Direktorenhaus der Zooverwaltung, um 2017, Foto: Feitenhansl.
Das 1953 fertiggestellte Raiffeisenhaus, rechts davon historistisches Wohnhaus, Ettlinger Straße 59, um 2017, Foto: Feitenhansl.

Ettlinger Straße

Die Ettlinger Straße markiert die zentrale Nord-Süd-Achse Karlsruhes. Sie beginnt als Fortsetzung der Via Triumphalis am Ettlinger-Tor-Platz und endet südlich des Hauptbahnhofs, wo sie in die Ettlinger Allee übergeht.

In ihrem Verlauf nach Süden nimmt sie von Osten, der Seite zur Südstadt, die Finterstraße, die Baumeisterstraße, die Nowackanlage, die Schützenstraße, die Werderstraße, die Luisenstraße, die Augartenstraße, die Winterstraße, die Lauterbergstraße und die Rüppurrer Straße auf, von Westen, aus der Südweststadt, die Beiertheimer Allee, die Hermann-Billing-Straße, die Straße Am Stadtgarten und die Poststraße. Die strenge Nord-Süd-Ausrichtung wird ab der Luisenstraße zugunsten eines leichten Schwenks verlassen, lässt damit westlich dem Tiergarten Raum, um dann die Gleisanlagen des Hauptbahnhofs im rechten Winkel zu unterqueren. Danach wird die alte Ausrichtung wieder aufgegriffen.

1858 wurrde die neu angelegte Straße nach Karlsruhes südlicher Nachbarstadt Ettlinger Chaussee genannt. 1870 erhielt sie den Namen Ettlinger Landstraße, 1874 Ettlinger Straße. Zwischen 1942 und 1945 trug sie den Namen Fritz-Todt-Straße nach dem damaligen Generalinspekteur des Straßenwesens, Fritz Todt (1891-1942). Während dieser Zeit des Dritten Reichs gab es große Pläne zur städtebaulichen Aufwertung der Nord-Süd-Achse im Anschluss an das geplante Gauforum Ettlinger-Tor-Platz durch Carl Pflästerer (1888-1962). Als Teil der Kombilösung nimmt sie den Südabzweig der U-Strab auf, der auf der Höhe der Augartenstraße mit einer Rampe das Tageslicht erreicht.

Die Bebauung besteht aus bis zu achtgeschossigen Wohn- und Geschäftshäusern, die sich meist auf die östliche Seite konzentrieren, und den Bauten des Festplatzes auf der Westseite, an die sich nach Süden der Zoologische Garten anschließt. Kriegszerstörungen waren nur punktuell im Bereich der Schützenstraße und der Augartenstraße zu verzeichnen. Ihre Nachfolgebauten wurden in manchen Fällen durch zusätzliche Neubauten anstelle unzerstörter Altbauten ergänzt, was am Ende ein recht unhomogenes Bild ergibt.

Den optischen Auftakt bildet die Reichspostdirektion, 1934-38 mit einer Ecke zum Ettlinger-Tor-Platz erbaut von Hermann Billing (1867-1947, Ettlinger-Tor-Platz 3). Ihr gegenüber steht, zugunsten eines Grünstreifens von der Straße zurückgesetzt, der achtgeschossige Wohnblock der Volkswohnung von 1960 mit Ladenzeile und Restaurant (Nrn. 2, 2a-c). Nach dem Novotel (Festplatz 2) folgt das städtische Vierordtbad mit markantem Kuppelbau und Schornstein, 1873 erbaut von Josef Durm (1837-1919), 1900 ergänzt um die Schwimmhalle von Stadtbaurat Wilhelm Strieder (1848-1913, Nr. 4). Im 1865 angelegten Tiergarten (seit 1877 auch Stadtgarten) steht das 1955 von Erich Schelling (1904-1986) geplante und von Stadtoberbaurat Helmuth Stephan errichtete, damals hochmoderne Tullabad, 2015 zum Exotenhaus des Zoologischen Gartens umgebaut (Nr. 4b).

Auf der anderen Seite finden sich flachgedeckte Nachkriegsbauten: das Verwaltungsgebäude des Mieter- und Bauvereins (Nr. 3a), und ein durchgehender, siebengeschossiger Block mit DGB-Haus, 1960 fertiggestellt (Nr. 3b). Hier durfte 1820 der Kunst- und Handelsgärtner Carl Männing dank einer Ausnahmegenehmigung das erste Wohnhaus jenseits des Ettlinger Tors bauen (1882 abgebrochen, Nr. 5). Am übernächsten Block mit Ecke zur Werderstraße sticht das 1880 von Baumeister Degler für den Furnierhändler Emil Utz im Stil der deutschen Renaissance erbaute Wohnhaus mit zweigeschossigem Runderker hervor (Nr. 15). In der Grünanlage südlich der Luisenstraße entstand 1964 das zwölfgeschossige Park-Hotel (bis in die 1980er-Jahre Ort vieler Tagungen, Kongresse, Bankette und Modenschauen), seit 2013 Leonardo Hotel Karlsruhe (Nr. 23). Etwas südlich davon abgesetzt wurde 1960 von Backhaus & Brosinsky an der Ecke zur Augartenstraße das Hochhaus der Mona Strumpf- und Wirkwaren GmbH, besser bekannt unter dem Namen Mona-Hochhaus, hochgezogen (Augartenstraße 1). Dazwischen kommt die U-Strab ans Tageslicht, und direkt im Anschluss ermöglicht eine bereits 1965 eröffnete Unterführung auch heute noch Fußgängern und Radfahrern die niveaufreie Kreuzung der Ettlinger Straße.

Auf der anderen Seite grüßt das Direktorenhaus der Zooverwaltung, 1905 von Stadtbaurat Strieder als Heimatstil-Villa mit Zierfachwerk erbaut (Nr. 6). An der spitzwinkligen Kreuzung mit der Straße Am Stadtgarten leitet der Raiffeisen-Brunnen, 1969 geschaffen von Emil Sutor, optisch zur viergeschossigen Randbebauung dieses Blocks über (Nrn. 12-22). Der Brunnen bezieht sich gleichfalls auf das 1953 fertiggestellte, sechsgeschossige Raiffeisenhaus, später Spar- und Kreditbank (2017 Fusion mit der Volksbank Karlsruhe), an der Ecke zur Lauterbergstraße gegenüber (Lauterbergstraße 1). Ihm folgt ein historistisches Wohnhaus mit Sandsteinfassade und Ziergiebeln, 1899 von Camill Frei errichtet (Nr. 59). Gegenüber der Einmündung der Poststraße folgt schließlich die zweigeschossige Villa Printz, 1891 im Neorenaissance-Stil mit Mansarddach von Hermann Walder (1847-1921) für die Hofkunstfärberei Eduard Printz errichtet (Nr. 67), bevor die Straße im langgezogenen Schlund einer der beiden letzten originalen Brücken von 1913 unter den Gleisanlagen des Hauptbahnhofs verschwindet.

Roland Feitenhansl 2017

Quelle

Datenbank der Kulturdenkmale, https://web1.karlsruhe.de/db/kulturdenkmale/index.php?stadtteil=S%C3%BCdstadt&vid=30 (Zugriff am 7. Mai 2020).

Literatur

Susanne Asche/Ernst Otto Bräunche/Jochen Karl Mehldau: Straßennamen in Karlsruhe, Karlsruhe 1994, S. 122 (= Karlsruher Beiträge Nr. 7); Erich Lacker: Zielort Karlsruhe. Die Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg, Karlsruhe, 2. Aufl., 2005 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 18); Isabelle Dupont: Carl Peter Pflästerer und die Stadtplanung Karlsruhes in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Karlsruhe 2012 (= Forschungen und Quellen zur Stadtgeschichte Bd. 12).