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[[Datei:Ort-0130 Schloss Mühlburg 8 PBS XVI 1040.jpg|alternativtext=Schloss Mühlburg, Rekonstruktionszeichnung von Otto Linde, 1917, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XVI 1040.|links|mini|Schloss Mühlburg, Rekonstruktionszeichnung von Otto Linde, 1917, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XVI 1040.]] |
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In der bisher vom Kloster <lex id="top-2452">Gottesaue</lex> bestimmten Region entstand im 13. Jahrhundert eine Burg, die den weltlichen Herrschaftsanspruch untermauern sollte. Neben der Burg bestanden eine Mühle, die für die Ortschaften der unteren Hardt das Bannrecht hatte, sowie eine Zollstation. Die Markgrafen von Baden machten <lex id="ort-0083">Mühlburg</lex> und seine Burg wie zuvor schon die 1196 erstmals erwähnte Stadt <lex id="ort-0034">Durlach</lex> zum Verwaltungssitz eines Amtes für die umliegenden Dörfer. Die Ämter übten eine Kontrollfunktion über die Bürgermeister aus und waren vor allem für die Steuererhebung zuständig. |
In der bisher vom Kloster <lex id="top-2452">Gottesaue</lex> bestimmten Region entstand im 13. Jahrhundert eine Burg, die den weltlichen Herrschaftsanspruch untermauern sollte. Neben der Burg bestanden eine Mühle, die für die Ortschaften der unteren Hardt das Bannrecht hatte, sowie eine Zollstation. Die Markgrafen von Baden machten <lex id="ort-0083">Mühlburg</lex> und seine Burg wie zuvor schon die 1196 erstmals erwähnte Stadt <lex id="ort-0034">Durlach</lex> zum Verwaltungssitz eines Amtes für die umliegenden Dörfer. Die Ämter übten eine Kontrollfunktion über die Bürgermeister aus und waren vor allem für die Steuererhebung zuständig. |
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Im heutigen Stadtbild erinnert nichts mehr an das einstige Schloss und die dazugehörige Mühle, die Urzellen und Namensgeber der Siedlung Mühlburg. Ursprünglich eine einfache mittelalterliche Burganlage mit einem Wassergraben wurde der Herrschaftssitz badischer Markgrafen mehrfach durch Kriegseinwirkung zerstört, zuletzt 1689 wie auch die Mühle durch französische Truppen im <lex id="ereig-0070">Pfälzischen Erbfolgekrieg</lex>, nachdem es nach dem <lex id="ereig-0067">Dreißigjährigen Krieg</lex> als Renaissanceschloss "prächtig" wiederaufgebaut worden war. Sein Aussehen kurz vor der Zerstörung hat uns der Kartograph Samson Schmalkalder in einer Skizze hinterlassen. Noch vor dem <lex id="ereig-0068">Ersten Weltkrieg</lex> nahm der Denkmalpfleger Otto Linde Ausgrabungen in diesem Bereich vor und rekonstruierte die Schlossanlagen im damaligen Stadtbild und die früheren Standorte eines Taubenturms, der Zollstation und der Mühle, die auch auf einer Panoramakarte des 16. Jahrhunderts eingezeichnet sind. Danach stand das Schloss in einem Bereich, der heute von der südlichen <lex id="top-1103">Hardtstraße</lex>, der <lex id="top-1653">Lameystraße</lex> und der B 36 begrenzt wird (ehemals Gewann Schlossbuckel), und die Schlossmühle befand sich südwestlich davon am damaligen Verlauf der <lex id="top-0027">Alb</lex>. |
Im heutigen Stadtbild erinnert nichts mehr an das einstige Schloss und die dazugehörige Mühle, die Urzellen und Namensgeber der Siedlung Mühlburg. Ursprünglich eine einfache mittelalterliche Burganlage mit einem Wassergraben, wurde der Herrschaftssitz badischer Markgrafen mehrfach durch Kriegseinwirkung zerstört, zuletzt 1689 wie auch die Mühle durch französische Truppen im <lex id="ereig-0070">Pfälzischen Erbfolgekrieg</lex>, nachdem es nach dem <lex id="ereig-0067">Dreißigjährigen Krieg</lex> als Renaissanceschloss "prächtig" wiederaufgebaut worden war. Sein Aussehen kurz vor der Zerstörung hat uns der Kartograph Samson Schmalkalder in einer Skizze hinterlassen. Noch vor dem <lex id="ereig-0068">Ersten Weltkrieg</lex> nahm der Denkmalpfleger Otto Linde Ausgrabungen in diesem Bereich vor und rekonstruierte die Schlossanlagen im damaligen Stadtbild und die früheren Standorte eines Taubenturms, der Zollstation und der Mühle, die auch auf einer Panoramakarte des 16. Jahrhunderts eingezeichnet sind. Danach stand das Schloss in einem Bereich, der heute von der südlichen <lex id="top-1103">Hardtstraße</lex>, der <lex id="top-1653">Lameystraße</lex> und der B 36 begrenzt wird (ehemals Gewann Schlossbuckel), und die Schlossmühle befand sich südwestlich davon am damaligen Verlauf der <lex id="top-0027">Alb</lex>. |
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Unter Zuhilfenahme der Skizze Schmalkalders entwarf Linde 1917 eine Rekonstruktionszeichnung des Schlosses, die die Modellbauwerkstatt des früheren <lex id="ins-1095">Stadtrats</lex> <lex id="bio-0526">Heinz Vogel</lex> in den 1990er |
Unter Zuhilfenahme der Skizze Schmalkalders entwarf Linde 1917 eine Rekonstruktionszeichnung des Schlosses, die die Modellbauwerkstatt des früheren <lex id="ins-1095">Stadtrats</lex> <lex id="bio-0526">Heinz Vogel</lex> in den 1990er-Jahren zur Erstellung eines Modells des Herrschaftsgebäudes nutzte, das auch die nähere Umgebung mit der Mühle veranschaulicht. Bis 2019 war dieses Modell in der Dauerausstellung zur Stadtgeschichte des <lex id="ins-0838">Stadtmuseums</lex> im <lex id="ins-1241">Prinz-Max-Palais</lex> zu sehen. Danach hatte das Renaissanceschloss eine ähnliche Architektur wie der Prinzessinnenbau der <lex id="top-1466">Karlsburg</lex> in Durlach mit seinem Treppentürmchen und war von einem Wassergraben mit einer doppelten Burgmauer mit Wirtschaftsgebäuden und Wehrgängen umgeben. In die Anlage, die wohl auch mit einem Ziergarten mit Brunnen ausgestattet war, führte nach einer kleinen Vorburg ein Burgtor mit einer Zugbrücke. Nach der Zerstörung dieses Schlosses sollen seine Steine beim Aufbau des neuen <lex id="top-2450">Residenzschlosses</lex> von Karlsruhe verwendet worden sein. Von seiner prächtigen Innenausstattung sind lediglich einige Ofenkacheln mit Fürstenportraits der Renaissancezeit übriggeblieben. |
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Aktuelle Version vom 22. August 2025, 10:48 Uhr
Schloss Mühlburg
In der bisher vom Kloster Gottesaue bestimmten Region entstand im 13. Jahrhundert eine Burg, die den weltlichen Herrschaftsanspruch untermauern sollte. Neben der Burg bestanden eine Mühle, die für die Ortschaften der unteren Hardt das Bannrecht hatte, sowie eine Zollstation. Die Markgrafen von Baden machten Mühlburg und seine Burg wie zuvor schon die 1196 erstmals erwähnte Stadt Durlach zum Verwaltungssitz eines Amtes für die umliegenden Dörfer. Die Ämter übten eine Kontrollfunktion über die Bürgermeister aus und waren vor allem für die Steuererhebung zuständig.
Im heutigen Stadtbild erinnert nichts mehr an das einstige Schloss und die dazugehörige Mühle, die Urzellen und Namensgeber der Siedlung Mühlburg. Ursprünglich eine einfache mittelalterliche Burganlage mit einem Wassergraben, wurde der Herrschaftssitz badischer Markgrafen mehrfach durch Kriegseinwirkung zerstört, zuletzt 1689 wie auch die Mühle durch französische Truppen im Pfälzischen Erbfolgekrieg, nachdem es nach dem Dreißigjährigen Krieg als Renaissanceschloss "prächtig" wiederaufgebaut worden war. Sein Aussehen kurz vor der Zerstörung hat uns der Kartograph Samson Schmalkalder in einer Skizze hinterlassen. Noch vor dem Ersten Weltkrieg nahm der Denkmalpfleger Otto Linde Ausgrabungen in diesem Bereich vor und rekonstruierte die Schlossanlagen im damaligen Stadtbild und die früheren Standorte eines Taubenturms, der Zollstation und der Mühle, die auch auf einer Panoramakarte des 16. Jahrhunderts eingezeichnet sind. Danach stand das Schloss in einem Bereich, der heute von der südlichen Hardtstraße, der Lameystraße und der B 36 begrenzt wird (ehemals Gewann Schlossbuckel), und die Schlossmühle befand sich südwestlich davon am damaligen Verlauf der Alb.
Unter Zuhilfenahme der Skizze Schmalkalders entwarf Linde 1917 eine Rekonstruktionszeichnung des Schlosses, die die Modellbauwerkstatt des früheren Stadtrats Heinz Vogel in den 1990er-Jahren zur Erstellung eines Modells des Herrschaftsgebäudes nutzte, das auch die nähere Umgebung mit der Mühle veranschaulicht. Bis 2019 war dieses Modell in der Dauerausstellung zur Stadtgeschichte des Stadtmuseums im Prinz-Max-Palais zu sehen. Danach hatte das Renaissanceschloss eine ähnliche Architektur wie der Prinzessinnenbau der Karlsburg in Durlach mit seinem Treppentürmchen und war von einem Wassergraben mit einer doppelten Burgmauer mit Wirtschaftsgebäuden und Wehrgängen umgeben. In die Anlage, die wohl auch mit einem Ziergarten mit Brunnen ausgestattet war, führte nach einer kleinen Vorburg ein Burgtor mit einer Zugbrücke. Nach der Zerstörung dieses Schlosses sollen seine Steine beim Aufbau des neuen Residenzschlosses von Karlsruhe verwendet worden sein. Von seiner prächtigen Innenausstattung sind lediglich einige Ofenkacheln mit Fürstenportraits der Renaissancezeit übriggeblieben.
Literatur
Peter Pretsch: Eine Vision und ihre Geschichte. Führer durch die Ausstellung zum Werdegang der Stadt Karlsruhe, hrsg v. Stadtmuseum, Karlsruhe 1999, S. 20-21; Ernst Otto Bräunche (Hrsg.): Mühlburg. Streifzüge durch die Ortsgeschichte, Karlsruhe 1998 (mit weiteren Literatur- und Quellenangaben).