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[[Datei:Ins-0729 Sophien-Frauenverein Karls Ztg 1835 01 12.jpg|alternativtext=Bekanntmachung über die Errichtung eines "Industriekomtoirs" für den Verkauf von weiblichen Handarbeiten, Karlsruher Zeitung 12. Januar 1835.|links|mini|Bekanntmachung über die Errichtung eines "Industriekomtoirs" für den Verkauf von weiblichen Handarbeiten, Karlsruher Zeitung 12. Januar 1835.]] |
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Von November 1824 bis zum Februar 1829 bestand unter dem Protektorat der Markgräfin <lex id="bio-1239">Christiane Luise</lex> von Baden ein erster Karlsruher Frauenverein. Anlass für seine Gründung war die Hochwasserkatastrophe am Oberrhein und Mittleren Neckar Ende Oktober 1824, bei der viele Landbewohner ihr Hab und Gut verloren. Mit Blick auf den bevorstehenden Winter wollte der Verein aber weniger mit Geld als vielmehr mit warmer Kleidung und Weißzeug den betroffenen Familien helfen. Nach dem Karlsruher Vorbild entstanden kurz darauf auch in Konstanz, Lahr und Offenburg Frauenvereine. |
Von November 1824 bis zum Februar 1829 bestand unter dem Protektorat der Markgräfin <lex id="bio-1239">Christiane Luise</lex> von Baden ein erster Karlsruher Frauenverein. Anlass für seine Gründung war die Hochwasserkatastrophe am Oberrhein und Mittleren Neckar Ende Oktober 1824, bei der viele Landbewohner ihr Hab und Gut verloren. Mit Blick auf den bevorstehenden Winter wollte der Verein aber weniger mit Geld als vielmehr mit warmer Kleidung und Weißzeug den betroffenen Familien helfen. Nach dem Karlsruher Vorbild entstanden kurz darauf auch in Konstanz, Lahr und Offenburg Frauenvereine. |
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Aktuelle Version vom 10. August 2026, 15:52 Uhr
Sophien-Frauenverein
Von November 1824 bis zum Februar 1829 bestand unter dem Protektorat der Markgräfin Christiane Luise von Baden ein erster Karlsruher Frauenverein. Anlass für seine Gründung war die Hochwasserkatastrophe am Oberrhein und Mittleren Neckar Ende Oktober 1824, bei der viele Landbewohner ihr Hab und Gut verloren. Mit Blick auf den bevorstehenden Winter wollte der Verein aber weniger mit Geld als vielmehr mit warmer Kleidung und Weißzeug den betroffenen Familien helfen. Nach dem Karlsruher Vorbild entstanden kurz darauf auch in Konstanz, Lahr und Offenburg Frauenvereine.
Der Karlsruher Frauenverein richtete sich in der Christiane-Luise-Stiftung, einer von der Markgräfin nach dem Tod ihres Mannes Markgraf Friedrich in der Hospitalstraße (heute Markgrafenstraße) gegründeten Anstalt, in der Kinder und Arme mit Spinnen und Stricken Geld verdienen konnten, ein Magazin ein. Darin wurden die gespendeten Kleider, Schuhe, Bett- und Weißzeug etc. gesammelt und auch zweimal wöchentlich preiswertes Garn verkauft. Zwischen Ende Oktober 1824 und Mitte Februar 1825 waren in dem Magazin 5.430 Gegenstände für die Hochwasseropfer eingegangen. Bis zu seiner Auflösung nach dem Tod der Markgräfin am 19. Februar 1829 unterstützte der Verein regelmäßig auswärtige Unglücksopfer wie die Betroffenen des Triberger Stadtbrandes 1826 und die Geschädigten des verheerenden Unwetters in Königsbach-Stein 1827.
Erneut waren es Überschwemmungen am Oberrhein, die 1831 zur Neugründung des Karlsruher Frauenvereins, diesmal unter dem Protektorat von Großherzogin Sophie, führten. Im Juli des Jahres ließ der Verein den „durch Wasserschaden notleidenden“ Gemeinden Liedolsheim und Rußheim jeweils 75 Gulden zukommen. Ein Spendenaufruf im Oktober, der von 54 Beamten- und Unternehmerfrauen unterzeichnet wurde, zeigt aber, dass es auch diesem Verein zunächst hauptsächlich um die Versorgung von Notleidenden mit Kleidung ging. Bis März 1832 waren beim Karlsruher Frauenverein neben Kleidung und Stoffen auch 3.410 Gulden eingegangen, von denen 2.922 Gulden zum Kauf von Wolle, Baumwolle, Stoffen, Schuhen, Kleidung und Holz verwendet wurden und der Rest für „Macherlohn für Kleidungsstücke“ und Geldgeschenke. Die Zuwendungen kamen 243 Personen in Karlsruhe und 325 Familien in 21 Orten der näheren Umgebung wie Bruchsal, Durlach, Grötzingen, Hochstetten, Knielingen, Mühlburg, Rüppurr, Stupferich, Teutsch- und Welschneureut und Wettersbach zugute.
Zum 1. Oktober 1832 übernahm der Karlsruher Frauenverein die öffentliche Suppenanstalt in der Spitalstraße 26, in der während der Hunger- und Teuerungskrise 1846/47 monatlich bis zu 19.828 Portionen Suppen ausgegeben wurden. Anfang 1835 richtete der Verein ein „Industriekomtoir“ zum Verkauf weiblicher Handarbeiten ein. Er vergab nicht nur Aufträge für Handarbeiten an arbeits- und mittellose Frauen, sondern nahm auch Handarbeiten zum Verkauf in Kommission. 1839 eröffnete der Verein im Gewerbehaus noch eine Nähschule, die Sophienschule, in der konfirmierte Töchter mittelloser Eltern in Bügeln und weiblichen Handarbeiten unterrichtet wurden.
Die Suppenanstalt, der Verkaufsladen und die Sophienschule waren ständige Einrichtungen, die sich in erster Linie an die Karlsruher Bevölkerung richteten. Sobald sich aber inner- oder außerhalb des Großherzogtums ein schweres Unglück ereignete, unterstützte der Verein auch diese Geschädigten mit großzügigen Geldbeträgen: 1834 spendete er 6.616 Gulden den hochwassergeschädigten Gemeinden des Unter- und Oberrheinkreises, 1842 1.000 Gulden den Opfern des Hamburger Stadtbrandes und 1851 das seit 1829 unberührte Restkapital des ersten Karlsruher Frauenvereins von 2.223 Gulden den überschwemmten Gemeinden am Oberrhein.
1835 umfasste der Frauenverein 121 Mitglieder, die sich bis Ende der 1840er-Jahre verdreifachten. Der anfangs 15-köpfige Ausschuss wurde auf zwölf Mitglieder einschließlich der Vizepräsidentin reduziert. Seit Dezember 1856 engagierte sich auch Großherzogin Luise für die Organisation. Als auf ihre Initiative am 6. Juni 1859 der interkonfessionell ausgerichtete Badische Frauenverein gegründet wurde, bestand der Karlsruher Frauenverein, der unmittelbar nach dem Tod von Großherzogin Sophie am 6. Juli 1865 in Sophien-Frauenverein umbenannt wurde, zunächst eigenständig neben dem Landesverband fort.
Als der Badische Frauenverein dann aber 1873 seine endgültige, in vier Abteilungen gegliederte Organisationsstruktur erhielt und in Karlsruhe einen analog aufgebauten Zweigverein gründete, wurde der Sophien-Frauenverein als „Abteilung IV“ in den Karlsruher Zweigverein integriert. Der Sophien-Frauenverein war auch weiterhin für die Suppenanstalt und den Frauenvereinsladen zuständig und wahrte hinsichtlich seiner Mitglieder, deren Beiträge und der Verwaltung seines Vermögens Selbstständigkeit.
Als zum 1. Januar 1880 auch der 1848 gegründete Elisabethenverein der „Abteilung IV“ des Karlsruher Zweigvereins, deren Zweck mit „Wohltätigkeit, Armenunterstützung und Hilfeleistung bei außerordentlichen Notständen“ umschrieben war, angeschlossen wurde, kam es zwischen dem Sophien-Frauenverein und dem Elisabethenverein zu der Übereinkunft, dass sich letzterer künftig um arme Kranke und um Wöchnerinnen kümmerte und der Sophien-Frauenverein um alle anderen hilfebedürftigen Armen. In den folgenden Jahren wurde die Abteilung IV weiter ausgebaut. 1881 kamen beispielsweise der Flickverein, die Flickschule und der Schutzverein für schulentlassene Töchter armer Familien dazu. 1897 umfasste die Abteilung IV insgesamt 13 Unterabteilungen, von denen der Sophien-Frauenverein und der Elisabethenverein je eine Unterabteilung waren.
1925 wurden die beiden Vereine zum Elisabethen- und Sophien-Frauenverein zusammengeschlossen. Dessen wichtigste Aufgabe war auch weiterhin die Unterstützung von Armen, Kranken, Klein- und Sozialrentnern mit Kleidung, Lebensmitteln und Geldbeträgen sowie Arbeits- und Verkaufsvermittlung. Im Karlsruher Adressbuch von 1935 wird der Verein zum letzten Mal erwähnt.
Quellen
Karlsruher Zeitungen, https://digital.blb-karlsruhe.de/zeitungen/topic/view/7756828 (Zugriff am 14. Mai 2026), v. a. Karlsruher Zeitung vom 10. und 28./29. November 1824, 8. und 19. Februar 1825, 17. Februar 1829, 22. Juli und 29.Oktober 1831, 7. März 1832, 9. Januar 1835, 13. August 1857, 6. August 1865.
Literatur
Sigrid Schambach: Eigenständigkeit und Abhängigkeit – Karlsruherinnen in einer Zeit des Übergangs (1806-1859), in: Susanne Asche/Barbara Guttmann/Olivia Hochstrasser/Sigrid Schambach/Lisa Sterr: Karlsruher Frauen 1715-1945. Eine Stadtgeschichte, Karlsruhe 1992, S. 102-159, S. 150-153, 206-213 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 15); Geschichte des Badischen Frauenvereins [1859-1906], zugleich Festschrift zur Feier der goldenen Hochzeit Ihrer Königlichen Hoheiten des Großherzogs Friedrich und der Großherzogin Luise am 20. September 1906, Karlsruhe 1906; Friedrich von Weech: Karlsruhe. Geschichte der Stadt Karlsruhe und ihrer Verwaltung, Bd. 2, 1830-1852, Karlsruhe 1898, S. 390-394, http://digital.blb-karlsruhe.de/blbihd/Drucke/content/titleinfo/264911 (Zugriff am 22. Juli 2015); Karlsruher Adressbücher 1831 ff., https://digital.blb-karlsruhe.de/Drucke/topic/view/485648 (Zugriffe am 14. Mai 2026).