Menü
Suche

Andreas Georg Heimburger

Version vom 28. August 2025, 13:01 Uhr von Stadtarchiv3 (Diskussion | Beiträge) (→‎Andreas Georg Heimburger)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)


Andreas Georg Heimburger

Georg Heimburger, um 1880, Foto: Privat.
Georg Heimburger, um 1880, Foto: Privat.

Fabrikant, * 3. September 1821 Wittenweier/Gde. Schwanau/Ortenaukreis, † 1. Oktober 1895 Karlsruhe, ev., ∞ 1. 1846 Flora Salome Dreyspring, 2. 1852 Elise Stößer, 6 Kinder.

Georg Heimburger, Sohn des Landwirts Andreas Heimburger in Wittenweier bei Lahr, absolvierte nach dem Besuch der Volksschule von 1835 bis 1838 eine Lehre bei der Kartonagenfabrik C. F. Dreyspring in Lahr. Dieses Unternehmen war 1816 von dem Buchbinder Carl Friedrich Dreyspring gegründet worden, der die Kartonagenherstellung zuvor in Frankreich bei seiner Wanderschaft als Handwerksgeselle kennengelernt hatte. Nach bescheidenen Anfängen mit der Produktion von Behältnissen für den Apothekenbedarf entwickelte sich die Firma mit der Herstellung von Kartonagen aller Art für die Lebensmittel- und die Kosmetikindustrie bis zur Jahrhundertwende zu einem Unternehmen mit deutschlandweiter Bedeutung und hatte Vorbildfunktion auch für andere Unternehmen in der Stadt Lahr, die sich bald den Ruf als "Schächtelestadt" verdiente. Auch Georg Heimburger hatte daran Anteil. Nach seiner Lehre hatte er sich zunächst in Paris mit einer eigenen Manufaktur selbstständig gemacht. 1845 kehrte er nach Lahr zurück, heiratete die Tochter Dreysprings und wurde damit nach dessen Tod sein Nachfolger. Bereits wenige Monate nach der Hochzeit 1846 starb aber auch seine Frau. Er heiratete 1852 erneut und bekam mit seiner zweiten Ehefrau Elise Stößer (1834-1908), der Tochter eines wohlhabenden Lahrer Tuchhändlers, sechs Kinder.

Die Kartonagen- und Etuisfabrik Dreyspring entwickelte sich unter seiner Führung erfolgreich weiter. Mit der Aufnahme feiner Kartonagen wie Necessaires, Chocolaterien und Bonbonnieren erreichte das Lahrer Unternehmen schnell eine ansehnliche Größe. Es lieferte seine Produkte in die ganze Welt, so dass sich Heimburger auch als Wohltäter hervortun konnte. So errichtete er für seine Angestellten Reihenhäuser gegenüber dem Lahrer Stadtpark. Seiner Heimatgemeinde Wittenweier überließ er 1893 sein Elternhaus mit Garten zur Einrichtung eines Kindergartens, der noch heute besteht. Eine Gedenktafel am Gebäude weist auf den Stifter und seine Ehefrau hin. 1877 wurde er Präsident der Lahrer Handelskammer und von 1880 bis 1882 der Handelskammer für den Kreis Offenburg und den Amtsbezirk Ettenheim. Für seine Verdienste wurde ihm 1881 das Ritterkreuz erster Klasse verliehen. In dieser Zeit ließ er auch eine Quelle an der Burg Burghard in Lahr fassen, die er nach seiner 1862 geborenen Tochter Marie Elise "Marienquelle" nannte und die ebenfalls noch heute besteht.

Im Alter von 60 Jahren wollte Heimburger ein Leben als Privatier führen und verkaufte die Fabrik an seinen Prokuristen. Die badische Haupt- und Residenzstadt Karlsruhe bot dafür sicher mehr Möglichkeiten der Repräsentation als seine alte Heimat. Jedenfalls ließ er hier für sich und seine Familie ein Palais in der Bismarckstraße erbauen, das diesen Ansprüchen genügte und auch nach ihm benannt wurde. Dazu beauftragte er den Architekten Gustav Ziegler, der für seine anspruchsvollen Villenbauten im Karlsruher Westend bekannt geworden war. Die Inneneinrichtung sollte auch dem äußeren Erscheinungsbild des Hauses entsprechen, das im Stilgemisch des Historismus errichtet wurde. Dafür konnte Heimburger den gerade zum Direktor der Kunstgewerbeschule ernannten Künstler Hermann Götz gewinnen, der 1897 die 22-jährige Tochter Heimburgers Gertrud Elsbeth heiraten sollte, mit der er drei Kinder bekam.

Heimburger selbst geriet hier im Gegensatz zu seiner alten Heimat schnell in Vergessenheit, da er außer seinem Palais in der Bismarckstraße in der Fächerstadt wenig Spuren hinterlassen hat. Es finden sich in der damaligen Presse aber Notizen über seine ehrenamtliche Tätigkeit sowie seine nicht unerheblichen Spenden für gemeinnützige Vereine und Projekte. So wurde er im Januar 1887 zum Geschworenen am Landgericht bestellt, eine Funktion, die er schon einmal seit 1864 am Kreis- und Hofgericht in Offenburg innehatte. 1883 beteiligte er sich an einer Spendenaktion für die Geschädigten eines verheerenden Hochwassers am Oberrhein. 1884 spendete er für die Karlsruher Kleinkinderbewahranstalt für alleinerziehende Mütter, die ihren Lebensunterhalt verdienen mussten, den Elisabethenverein, der sich um arme und kranke Menschen kümmerte, und das heute noch bestehende Mädchenheim der Hardtstiftung. 1889 beteiligte er sich an einer Sammelaktion für das in Baden-Baden-Lichtental gegründete Lehrerinnenheim, das zur Erholung von kranken und älteren Lehrerinnen dienen sollte. Auch zur Errichtung eines Bismarckdenkmals in Karlsruhe spendete er 1890 einen Geldbetrag, das dann allerdings erst nach seinem Tod realisiert wurde. Aus seinem Nachlass wurden im Spätjahr 1895 noch größere Geldsummen an den Gustav-Adolf-Verein, der soziale Einrichtungen und den Kirchenbau der evangelischen Kirche unterstützte und in dem er Mitglied gewesen war, und an den Deutschen Schulverein, der in Südtirol das Schulwesen der deutschsprachigen Bevölkerung unterstützen sollte, übergeben.

Seine Witwe Elise und die Tochter Elsbeth, die am Badischen Konservatorium Klavier studierte, bewohnten das Palais zunächst weiterhin. Nachdem Hermann Götz Elsbeth 1897 geheiratet hatte, bewohnten er und seine Familie dann das Palais bis zum Tode des Künstlers im Jahre 1901. Seine Frau Elsbeth verkaufte es an Graf Solms und seine Gattin, die wiederum den Architekten Ziegler mit kleineren Umbauten für sie beauftragten, bevor sie das Palais 1902 bezogen und ihm damit den neuen Namen Haus Solms gaben.

Peter Pretsch 2025

Quellen

Homepage der Druckerei C. F. Dreyspring, https://www.dreyspring.net/historie-1/ (Zugriff am 24, Juli 2024); Stoesserscher Familienkalender. Als Manuscript für die Familie gedruckt, Lahr 1911.

Literatur

Peter Pretsch: Der Bauherr Georg Heimburger, in: ders.: Haus Solms. Wohnsitz, Museum, Gästehaus, hrsg. vom Stadtarchiv Karlsruhe durch Katrin Dort und Volker Steck, S. 11-14 (= Häuser- und Baugeschichte. Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe Bd. 17).