Hermann Götz, um 1880, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS III 489.

Hermann Götz

Künstler, Kunstgewerbler, * 28. September 1848 Donaueschingen, † 28. Juli 1901 Karlsruhe, kath., ∞ 1897 Gertrud (genannt Elsbeth) Heimburger, 3 Kinder.

Nach dem frühen Tod der Mutter wuchs Hermann Götz, Sohn eines Bezirksarztes, ab 1850 in Gegenbach auf. 1862 begann er eine Lehre in der Steindruckerei der Christian Friedrich Müllerschen Hofbuchdruckerei in Karlsruhe, wechselte 1864 in den Betrieb eines Dekorationsmalers und besuchte ab 1866 Adolf Schrödters Unterricht für Ornamentik und Freihandzeichnen an der Polytechnischen Schule und vermutlich auch dessen Komponierverein für kunstgewerbliche Entwürfe. 1868/69 leistete Götz sein Einjährig-Freiwilliges-Dienstjahr beim 1. Badischen Leibgrenadier-Regiment ab, mit dem er auch 1870/71 am Deutsch-Französischen Krieg teilnahm und mit der Silbernen Verdienstmedaille ausgezeichnet wurde.

1872-1875 besuchte Götz als Schüler von Ferdinand Keller die Großherzogliche Kunstschule. Parallel zu den Studienarbeiten fertigte er Gemälde mit Kriegsszenen von 1870/71 an, die ihn bekannt machten. Der Auftrag für einen Wandbilderzyklus in der Fürstlich Fürstenbergischen Reitbahn zu Donaueschingen ermöglichte ihm einen längeren Italienaufenthalt 1877/78. In Rom erreichte ihn der Ruf an die neu gegründete Großherzogliche Kunstgewerbeschule in Karlsruhe, an der er ab 1879 als Professor und von 1882 bis zu seinem Tode 1901 als Direktor wirkte.

Als Schuldirektor setzte sich Götz unermüdlich für die Förderung des badischen Kunstgewerbes ein: Er veranlasste 1884 die Reorganisation der Kunstgewerbeschule, 1885 die Gründung des badischen Kunstgewerbevereins sowie 1889/90 die Einrichtung eines Kunstgewerbemuseums im neu erbauten Schulgebäude, dessen Sammlungsbestand durch sein Engagement so rasch anwuchs, dass Schule und Museum 1898-1901 erheblich erweitert wurden. Als Vorsitzender des badischen Kunstgewerbevereins (1885-1901) organisierte er nicht nur bedeutende Fachausstellungen, wie 1887 die Goldschmiede-, 1892 die Fächer- und 1901 die Glasmalerei-Ausstellung, sondern zeichnete auch für die badischen Landesabteilungen auf nationalen (München 1888) und internationalen Ausstellungen (Chicago 1893, Paris 1900) verantwortlich.

Neben den administrativen Aufgaben setzte Götz seine künstlerische und kunstgewerbliche Arbeit ununterbrochen fort. Für das badische Fürstenhaus entwarf er alle wichtigen Präsente, Ehrenpreise und Festgaben, für das Land und die badischen Städte und Gemeinden Festgaben für Regierungsjubiläen und andere fürstliche Anlässe. Hunderte von Adressen, darunter Ehrenbürgerbriefe und -urkunden, stammten aus seiner Hand. Ebenso konzipierte er bei besonderen Empfängen und Feierlichkeiten in der Residenz die Ehrenpforten, Festdekorationen und Festzüge. Das 1896 in der Moltkestraße aufgestellte Leibgrenadierdenkmal (1870/71) und das im selben Jahr enthüllte Christian-Hengst-Denkmal in Durlach gehen auf Entwürfe von ihm zurück. Zu seinen letzten Arbeiten zählt die Konzeption des Trausaals im Karlsruher Rathaus, der vor seiner Nutzung auf der Pariser Weltausstellung 1900 gezeigt und mit einer Goldmedaille prämiert wurde.

Katja Förster 2016

Literatur

Kunstschöpfungen von Hermann Götz. Ausgeführte Arbeiten und Entwürfe von Prunkgefäßen, Pokalen und Tafelaufsätzen, Adressen nebst Adressenmappen, Ehrenurkunden, Ehren- und Festgaben, Uhren, Fächern usw. sowie Skizzen, Handzeichnungen, Aquarelle und Gemälde von Friesen, Gobelins, Wand-, Altar- und Schlachtenbildern, Akten, Tierstudien und kunstgewerblichen Gegenständen aller Art, Dresden 1903, http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/goetz1903/0003/scroll?sid=c41d77cfe9b996d711a1eadc90301d94 (Zugriff am 12. März 2016); Chronik der Haupt- und Residenzstadt Karlsruhe für das Jahr 1901, 17. Jg., Karlsruhe 1902, S. 24-26, S. 70 f., S. 91-93, http://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/literatur/chronik/HF_sections/content/ZZmmyjkt1iFNTl/10_Dq1_Karl_Chronik_1902.pdf (Zugriff am 6. Juni 2016).