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Neureut-Heide

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Neureut-Heide

Der heutige Ortsteil Neureut-Heide wurde zu Beginn der 1920er-Jahre von einer Baugenossenschaft in Welschneureut gegründet, die sich nördlich des ehemaligen Karlsruher Exerzierplatzes, der wenig später zum Flugplatz für zivilen Luftverkehr ausgebaut werden sollte, noch auf der Gemarkung des Dorfes preiswertes Baugelände für ihre Mitglieder sichern konnte. Hier entstanden schon in der Zeit der Weimarer Republik die ersten Wohnhäuser, die sich in vereinfachter Form im Baustil an der Gartenstadt Rüppurr und an der nahen Hardtwaldsiedlung orientierten, die nur wenige Jahre zuvor entstanden waren. Einige dieser zweistöckigen Häuser mit Walmdach, Dachgauben und Fensterläden auf nahezu quadratischem Grundriss sind heute noch im Klammweg und südwestlich davon in den nach Heide- und Kräuterpflanzen benannten Straßen der Siedlung vorhanden. In den spärlichen Presseberichten aus der Entstehungszeit der Siedlung wird allerdings wenig auf deren Bebauung, sondern vielmehr auf den vorbildlichen Gartenbau auf den großen Grundstücken mit Spalierobst und Gemüseanbau eingegangen. Bis 1954 wurde der Ortsteil daher bezeichnenderweise Gartensiedlung genannt. Der Vorsitzende des im Jahr zuvor gegründeten Bürgervereins der Siedlung, Gewerbelehrer Amann, machte damals den Vorschlag, diese in “Heide” umzubenennen, zumal sie im Grunde genommen immer noch ein Niemandsland mit unbefestigten Wegen, schlechter bzw. kaum vorhandener Kanalisation und schlechter Verkehrsanbindung sei. Zudem solle man das bisher ungenutzte Gelände in Bauplätze umlegen, um für eine Vergrößerung der Siedlung zu sorgen und Baulücken zu schließen. Der Neureuter Bürgermeister Adolf Ehrmann versprach, zunächst den Klammweg befestigen zu lassen, damit dort ein Omnibusverkehr möglich wird. Die Bauplätze wurden nun in der Presse annonciert und die Siedlung wurde umbenannt und vergrößerte sich rasch auch mit höherwertigen Villenbauten einer im Wirtschaftswunder zunehmend finanzkräftigeren Klientel. Diese fühlte sich zuweilen durch die Aktivitäten der amerikanischen Streitkräfte auf dem nahen Flugplatzgelände gestört, wie sie in Leserbriefen zum Ausdruck brachte, vor allem durch einen Schießstand, der sich noch zu Beginn der 1960er-Jahre nahe des Alten Postwegs befand. Noch in der Zuständigkeit des Bürgermeisteramts Neureut wurden die Infrastruktur der Siedlung mit Maßnahmen im Straßenbau und in der Kanalisation verbessert. Der entscheidende Fortschritt und das Aufblühen der Siedlung wurden aber erst mit der 1975 erfolgten Eingemeindung von Neureut nach Karlsruhe realisiert, gegen die sich die Siedler ebenso wie die Dorfbewohner allerdings vehement ausgesprochen hatten. 1978 entstand nordöstlich des Klammwegs ein damals “Wildpark” genanntes neues Wohngebiet, das vorwiegend aus Reihenhauszeilen bestand. In den Folgejahren wurde dieses Wohngebiet immer weiter vergrößert und durch in der Bauqualität noch hochwertigere Einfamilienhäuser an neuen Erschließungsstraßen ergänzt. Schließlich entstand nördlich davon sogar ein kleines Nahversorgungs- und Gewerbezentrum in der Nähe der Linkenheimer Landstraße. Ein ursprünglich dem Kiesabbau dienender Baggersee wurde den Naturkräften überlassen, so dass sich daraus ein Biotop entwickelte, das heute als Heidesee unter Naturschutz steht. Die 1981 dort errichtete Eislaufhalle wurde anfangs vor allem von Jugendlichen stark frequentiert, ließ sich aber nach einem Vierteljahrhundert offenbar nicht mehr wirtschaftlich betreiben und schloss 2006. Nach ihrem Abriss im Jahre 2009 entstand dort eine große Wohnanlage mit Eigentumswohnungen, die als Wohnidylle am See vermarktet wurde. Mittlerweile endet hier mit der Haltestelle Neureut-Heide und einer Wendeschleife die Straßenbahnlinie 1, die seit 2006 auf der alten Trasse der bis 1913 hier verkehrenden Hardtbahn durch die Erzbergerstraße und den Weißdornweg verläuft, wo sich der ehemalige Gasthof Heidehof befindet, der seit Jahrzehnten unter wechselnden Pächtern und Wirtshausnamen betrieben wurde und heute nur noch einer weiteren Straßenbahnhaltestelle den Namen gibt. Westlich des Heidesees wird das dort freigebliebene Landschaftsschutzgebiet von Kindern und Erwachsenen gern genutzt, um Drachen steigen zu lassen. Nördlich und südlich des Sees sind jüngst Spielplätze neugestaltet worden und ein Mountainbike Trail ist entstanden. Für Ruhesuchende gibt es bei der Endhaltestelle der Straßenbahn ein weiteres Naturschutzgebiet, das sich auf dem Grünen Weg erkunden lässt, der über die Linkenheimer Landstraße bis in die Kirchfeldsiedlung führt. So ist aus dem ehemaligen Niemandsland ein attraktiver Wohnort mit über 2.500 Einwohnern geworden, der allerdings mittlerweile so eng mit den Neu- und Altbauten der angrenzenden Nordstadt verzahnt ist, dass er kaum noch von dieser unterschieden werden kann. Besondere Aktivitäten, Feste und Versammlungen des Bürgervereins werden auf dessen Homepage angekündigt. Dabei werden mittlerweile auch gern die kulturellen und gastronomischen Einrichtungen in der ehemaligen Freiherr-von-Forstner-Kaserne im Kanalweg in Anspruch genommen.

Peter Pretsch 2026

Quellen

Karlsruher Zeitungen, https://digital.blb-karlsruhe.de/topic/view/7756828, u. a. Badische Presse vom 19. April 1920, Der Führer vom 3. Oktober 1937, Badische Neueste Nachrichten (BNN) vom 9. März 1954 und vom 1. März 1961; Die besondere Lage der Heide, Artikel auf der Website des Bürgervereins Neureut-Heide, https://bv-heide.de/die-besondere-lage-der-heide (Zugriff am 29. April 2026).

Literatur

Hermann Ehmer: Geschichte von Neureut, Karlsruhe 1983.