Freiherr-von-Forstner-Kaserne als Postkartenmotiv, vermutlich um 1939, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVa 2591.

Freiherr-von-Forstner-Kaserne

Im Hardtwald, 1940-1945 Forstner-Straße 20 (heute Kanalweg).

Nach der Rheinlandbesetzung im März 1936 begann die Deutsche Wehrmacht in der vormals entmilitarisierten Zone mit Neuaufstellungen von Truppenverbänden, für die auch Kasernen-Neubauten notwendig wurden. Bis 1938 entstanden in Karlsruhe mit der Freiherr-von-Forstner-Kaserne im Hardtwald, der Mackensen-Kaserne in Rintheim und der Rheinkaserne (Pionier-Kaserne) in Knielingen drei neue Kasernements.

Die von 1936-1938 im Gebiet der heutigen Nordstadt erbaute Kaserne wurde für das 2. Bataillon des am 16. März 1936 wiedergegründeten Infanterie-Regiments 109 errichtet, welches nur behelfsmäßig in der Markgrafenkaserne in Durlach und in einer ehemaligen Fabrik in Grötzingen untergebracht war. Anfang April 1938 bezog das Bataillon die neue Kaserne, die ihren Namen am 7. Mai 1939 anlässlich der Loretto-Gedächtnisfeier der 109er erhielt, bei der das gesamte Regiment sowie der ehemalige Generalleutnant und letzte Kommandeur des 1. Badischen Leib-Grenadier-Regiments Nr. 109 Ernst Freiherr von Forstner anwesend waren. Im Zweiten Weltkrieg war das Regiment als Teil der 35. Infanterie-Division an den Verbrechen der Wehrmacht in Russland und Weißrussland beteiligt.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 diente die ehemalige Kasernenanlage, deren Umbenennung in "Schützenhaus-Kaserne" sich nicht durchsetzen konnte, zunächst den alliierten Streitkräften als Rückführungslager für so genannte "Displaced Persons". Bis zu 1.700 ehemalige Zwangsarbeiter und Zwangsverschleppte, vorrangig aus Polen, waren zeitweise in den Gebäuden untergebracht. Ende der 1940er Jahre bezog dann die US-Armee (US-Community und Stab 18th Engineer-Brigade) das Kasernenareal, das sie nach Sergeant Lester W. Smiley "Smiley Barracks" benannte. Im angrenzenden Hardtwald setzte die US-Armee den Bau einer Wohnsiedlung für ihre Angehörigen durch (Paul-Revere-Village).

Nach dem Abzug der US-Streitkräfte aus Karlsruhe 1995 baute die 1997 gegründete "MieterInneninitiative Karlsruhe Wohnungsgenossenschaft eG" (MiKa) bis 1999 vier ehemalige Kasernengebäude zu Mietwohnungen um. Bis 2002 folgte noch der Umbau des ehemaligen Stabs- und Verwaltungsgebäudes (heute Kanalweg 52) zu einem Kultur- und Gemeinschaftshaus. In letzterem befinden sich die von der US-Armee überlassene Amerikanische Bibliothek, das Kulturhaus Mikado, ein Restaurant sowie der Sitz der MiKa. Im südöstlichen Kasernengebäude (heute Kanalweg 40) eröffnete der Paritätische Wohlfahrtsverband 1999 ein multifunktionales Gesundheits- und Begegnungszentrum, während sich im südwestlichen Gebäude eine Außenstelle der Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen befindet.

Katja Förster 2015

Quellen

Der Führer, 2. und 3. April 1938, 8. Mai 1939.

Literatur

Karlsruhe als Garnison. Festschrift zum Garnisontag 1956 und zur 2. Wiedersehensfeier der 35. Infanterie-Division in Karlsruhe am 29./30. September 1956, hrsg. vom Ausschuss für die Vorbereitung des Garnisontages 1956, Karlsruhe 1956, S. 73-76; Garnisonstadt Karlsruhe. Militärische Liegenschaften einst und heute, zus. gestellt von Oberstleutnant Lüdke 1989, überarb. 1993 [masch. schriftl. Manuskript], S. 54 f.