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Eugen Bischoff

Architekt, Professor, * 29. März 1854 Stuttgart, † 26. Mai 1940 Stuttgart, ∞ Natalie Hertel, 2 Töchter.

Nach dem Studium der Architektur am Stuttgarter Polytechnikum legte der Sohn eines Notars 1875 die Staatsprüfung ab. 1877/78 bereiste Bischoff Italien, sicherlich auf Rat seines ehemaligen Lehrers Adolf Gnauth, der sich in den 1860er-Jahren eingehend mit der italienischen Renaissance befasst hatte. Nach seiner Rückkehr wurde Bischoff Assistent bei Gnauth, der 1877 Direktor der Nürnberger Kunstgewerbeschule geworden war. Von 1880 bis zu Gnauths Tod im November 1884 unterrichtete er an der Schule Momentzeichnen, Architektur- und Figurenzeichnen nach Gips. Von 1885 bis 1888 bereiste er mehrere europäische Länder und versuchte sich als Architekt in Stuttgart.

Zum 1. Oktober 1888 wurde Bischoff als Lehrer für Architektur an die Großherzoglich Badische Kunstgewerbeschule in Karlsruhe berufen und ihm zugleich der Titel eines Professors verliehen. Er übernahm die Kurse für architektonisches und kunstgewerbliches Entwerfen in Holz, Stein und Metall. Als die Lehranstalt auf der Weltausstellung in Chicago 1893 eine Schulausstellung mit rund 600 Schülerarbeiten präsentierte, wurde Bischoff als Lehrer der Anstalt ins Preisgericht für die Weltausstellung nach Chicago berufen.

Neben seiner Lehrtätigkeit begann er sich auch als Architekt in Karlsruhe zu etablieren. 1896 entwarf er für die Karlsruher Ortsgruppe des Schwarzwaldvereins den 26 Meter hohen Mahlbergturm, der noch heute in veränderter Form besteht. Seine umfangreichsten Bauprojekte erhielt er aber als Architekt des 1897 gegründeten Mieter- und Bauvereins. Bischoff war als Gründungsmitglied am 27. März 1897 zugleich in den Aufsichtsrat und am 7. Dezember des Jahres zum bauleitenden Architekten gewählt worden. Das erste Genossenschaftsprojekt nach seinen Plänen entstand von 1898 bis 1900 an der östlichen Peripherie der Stadt und umfasste zehn Gebäudeblöcke mit insgesamt 162 Wohnungen (Augartenstraße 93, Rankestraße 22-24, Scherrstraße 13-23, Sybelstraße 12-18, Gervinusstraße 1-10). Auch die 1902 übereck errichtete Wohnhausgruppe Boeckhstraße 19-21 / Klauprechtstraße 40-42 entstand nach seinen Plänen für den Mieter- und Bauverein. Das 1903 erbaute Doppelhaus in der Moltkestraße 39/41 dagegen entwarf er für sich und Stadtrat Heinrich Eitel.

Nachdem Emil Brannath 1903 leitender Architekt der gemeinnützigen Baugenossenschaft geworden war, lassen sich in Karlsruhe kaum mehr Bauprojekte Bischoffs nachweisen. 1906 erhielt er das Ritterkreuz 1. Klasse des Ordens vom Zähringer Löwen. Sein schlechter Gesundheitszustand zwang ihn zum 1. Januar 1914 seine Lehrtätigkeit aufzugeben. In Anerkennung seiner Verdienste wurde ihm der Titel eines Baurats verliehen.

Katja Förster 2020

Werk

Die Festdekoration in Wort und Bild, hrsg. von Eugen Bischoff, Franz Sales Meyer, Leipzig 1897.

Literatur

Bischoff, Eugen, Architekt, in: Nürnberger Künstlerlexikon. Bildende Künstler, Kunsthandwerker, Gelehrte, Sammler, Kulturschaffende und Mäzene vom 12. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, hrsg. von Manfred H. Grieb unter Mitarb. zahlr. Fachgelehrten, München 2007, Bd. 1, S. 141; Brigitte Baumstark: Die grossherzoglich badische Kunstgewerbeschule in Karlsruhe. 1878-1920, Diss. Univ. Karlsruhe, 1988; Festschrift zum 30jährigen Bestehen des Mieter- und Bauvereins Karlsruhe eGmbH in Karlsruhe 1897-1927, hrsg. vom geschäftsführenden Vorstand, Karlsruhe 1927; Eugen Bischoff: Karlsruher Genossenschaftsbauten, in: Deutsche Bauzeitung, 34. Jg., Nr. 21, Berlin, 14. März 1900, S. 129 f.