Emil Brannath

Architekt, * 20. März 1872 Mühlburg, † 10. Juni 1944 Karlsruhe, ev., ∞ 1897 Bertha, geb. Brannath, 2 Söhne.

Der Sohn eines Mühlburger Zimmermeisters erlernte zunächst das Zimmerhandwerk, bevor er in der Baugewerkeschule eine bautechnische Ausbildung begann. 1891 brach er diese ab, übersiedelte in die USA, wo sein älterer Bruder bereits lebte, und arbeitete dort bis 1894 als Zimmermann. Dann kehrte Brannath nach Baden zurück, leistete bei den Pionieren in Kehl seinen zweijährigen Militärdienst ab und beendete anschließend 1896/97 sein Studium an der Karlsruher Baugewerkeschule.

Noch 1897 trat er in das Architekturbüro von Eugen Bischoff ein, der im März des Jahres zu den Gründungsmitgliedern des Mieter- und Bauvereins gehört hatte und seit Dezember der bauleitende Architekt der Baugenossenschaft war. Dadurch kam auch Brannath mit der Körperschaft in Verbindung, für die er zunächst als Kontrolleur für technische Ausführung und Kostenaufwand wirkte. Als er 1903 zum verantwortlichen Architekten bestellt wurde, richtete er ein genossenschaftseigenes Planungs- und Baubüro ein, an dessen Spitze er bis zu seinem Ausscheiden im September 1936 stand.

Bis zum Ersten Weltkrieg Anfang August 1914, in dem Brannath als Pionier bei einer Minenwerfer-Kompagnie im Einsatz war und im Oktober 1917 mit der silbernen Verdienstmedaille am Bande der Militärischen Karl-Friedrich-Verdienstmedaille ausgezeichnet wurde, entstanden nach seinen Plänen in der West-, Südwest- und Oststadt zahlreiche Mietswohnhäuser wie in der Kornblumenstraße 3-7 (1904/05), der Weltzienstraße 40 (1905), der Roonstraße 25-27 (1906), der Gerwigstraße 19-23 (1910), der Weltzienstraße 9-11 (1911) und der Klauprechtstraße 46-48 (1913). Bei den meisten Häusern gestaltete er das Erdgeschoss in Bossen- oder Quadermauerwerk, wodurch es optisch zum Sockel der darüberliegenden Stockwerke wurde, die Brannath durch Aufgreifen verschiedener historischer Stilelemente und des Jugendstils individuell gestaltete.

Als die Baugenossenschaft nach rund sechsjähriger Pause 1920/21 die Bautätigkeit wieder aufnahm, präferierte Brannath infolge der katastrophalen Wohnungsnot eine monumentale Blockbebauung in funktional-schlichtem Stil, um das zur Verfügung stehende Baugelände optimal zu nutzen. Exemplarisch für diese Bestrebungen sind der Gottesauer Block (1930-1933) und der Wohnblock Alter Bahnhof, auch Meidinger Block (1933-1936) genannt.

Diese Wohnbaupolitik widersprach jedoch den Vorstellungen der Nationalsozialisten, die Kleinsiedlungen mit billigen Eigenheimen und Kleinsthäusern bevorzugten. Brannath war nicht bereit, von seinen langjährigen Vorstellungen und Prinzipien abzuweichen, weshalb er im September 1936 gemeinsam mit seinem Sohn, dem Architekten Karl Brannath, der ihn seit 1930 im Baubüro unterstützte, aus der Körperschaft ausschied.

Katja Förster 2020

Literatur

Festschrift zum 30jährigen Bestehen des Mieter- und Bauvereins Karlsruhe eGmbH in Karlsruhe 1897-1927, hrsg. vom geschäftsführenden Vorstand, Karlsruhe 1927; 60 Jahre Mieter- und Bauverein Karlsruhe. Mitteilungsblatt des Mieter- und Bauvereins Karlsruhe eGmbH, Sonderausgabe September 1967; 75 Jahre Mieter- und Bauverein Karlsruhe 1897-1972, Hamburg 1972; Susanne Richter/Paul Benz (Hrsg.): Spuren in der Stadt. Der Beitrag der Fachhochschule Karlsruhe – Hochschule für Technik zur Karlsruher Stadtentwicklung 1878-2003, Karlsruhe 2003, S. 90-93; Gerhard Kabierske: Der Gottesauer Block / Tag des offenen Denkmals, Karlsruhe 2002, https://web1.karlsruhe.de/db/kulturdenkmale/archiv/dt2002/gottesauer_block.htm (Zugriff am 11. Februar 2020).