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Der Eingang zur Hans-Thoma-Kapelle vor dem Zweiten Weltkrieg, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe.
Blick in die wiederaufgebaute Hans-Thoma-Kapelle, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe.

Hans-Thoma-Museum (Hans-Thoma-Kapelle)

1899 war Hans Thoma von Großherzog Friedrich I. von Baden zum Direktor der Karlsruher Gemäldegalerie und Professor für Malerei an der dortigen Kunstakademie berufen worden. 1904 regte der Großherzog die Errichtung eines Thoma-Museums an, für das der Künstler eigens einen elfteiligen Gemäldezyklus mit Szenen aus dem Leben Christi von der Geburt bis zur Auferstehung schuf.

Heinrich Amersbach, Oberbaurat am Großherzoglich Badischen Hofbauamt, wurde Anfang 1907 mit der Baukonzeption betraut. Dessen erster Entwurf vom März 1907 sah in axialer Verlängerung der Akademiestraße einen separaten einstöckigen Bau entlang des alten Westflügels der Kunsthalle im Botanischen Garten vor, der von Großherzog Friedrich I. noch vor seinem Tod Ende September 1907 verworfen wurde. Unter seinem Nachfolger Großherzog Friedrich II. wurde dann 1908/09 das Thoma-Museum als Bestandteil des neuen, von Amersbach geplanten Nordflügels der Kunsthalle verwirklicht, der parallel zum südlichen Haupttrakt von Heinrich Hübsch an den unter Josef Durm ausgeführten Ostflügel anschloss. Anlässlich des 70. Geburtstags von Thoma am 2. Oktober 1909 fand die Eröffnung des Thoma-Museums und des neuen Kunsthallenflügels durch Großherzog Friedrich II. statt.

Das Thoma-Museum umfasste die drei Seitenlichtsäle des Erdgeschosses und, da der monumentale Wandbilderzyklus nach Oberlicht verlangte, den zum Innenhof angebauten oktogonalen Hauptraum, der aufgrund des ikonografischen Programms schon bald als Thoma-Kapelle bezeichnet wurde. Die beiden äußeren Museumssäle umfassten elf Ölgemälde bzw. 39 Ölstudien und Zeichnungen, der dazwischenliegende große Mittelsaal, dessen Südwand den Kapellenzugang aufnahm, acht herausragende Ölgemälde, darunter Thomas Selbstbildnis mit Amor und Tod (1875) sowie das Bildnis Großherzog Friedrichs I. (1909). Vom Eingang, der von Zierkacheln und Majolikamalerei gerahmt und von zwei von Hans Drinneberg nach Entwürfen von Thoma ausgeführten Glasgemälden (im Zweiten Weltkrieg zerstört, um 1990 rekonstruiert) flankiert wurde, gelangte man in einen drei Stufen tiefer gelegenen Vorraum, dessen Ausstattung (goldfarbene Wände, türkisfarbene Majoliken mit christlichen Symbolen, die Ölgemälde Maria als Himmelskönigin (1909) und Der heilige Georg (1908)) auf den kapellenartigen Hauptraum einstimmen sollte, den Thoma selbst sein Testament nannte.

Der Hauptraum selbst war mit einer durchlaufenden, bis zur Decke reichenden Holzvertäfelung versehen, in die an fünf Seiten des Oktogons die elf monumentalen Wandbilder aus dem Leben Christi eingelassen waren, je drei an den Breit- und je eins an den Schmalseiten: Verkündigung an die Hirten, Anbetung des Kindes, Ritt der Drei Könige (= Weihnachtstriptychon) – Ruhe auf der Flucht – Versuchung Christi, Lehramt Christi, Christus am Ölberg – Kreuzigung – Hölle, Auferstehung, Gefilde der Seligen (= Ostertriptychon). Indem Thoma den Wandbildzyklus auf der Eingangsseite und den beiden angrenzenden Schrägen noch um zwölf Monatsbilder und acht Planetendarstellungen ergänzte, schuf er insgesamt das Schaubild eines immerwährenden Festkalenders.

Infolge von Neu- und Umbaumaßnahmen wurde die Thoma-Kapelle nach Entfernung ihrer Ausstattung in den 1980er-Jahren abgerissen und im Untergeschoss des Nordflügels mit veränderter Zugangssituation wiederaufgebaut.

Katja Förster 2015

Literatur

Hans Thoma: Festkalender, hrsg. von der Literarischen Vereinigung des Berliner Lehrervereins, Leipzig 1914; Klaus Gallwitz: Die Thoma-Kapelle der Karlsruher Kunsthalle, in: Beiträge zur Kunstgeschichte. Eine Festgabe für H. R. Rosemann zum 9. Oktober 1960, München und Berlin 1960, S. 301-322; Holger Jacob-Friesen: Die Hans-Thoma-Kapelle in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, http://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/kulturdenkmale/denkmaltag_archiv/2007/innenstadt/hansthoma.de (Zugriff am 31. März 2015).