Heinrich Hübsch, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oIII 1262.

Gottlieb Heinrich Christian Hübsch

Architekt, * 9. Februar 1795 Weinheim a. d. Bergstraße, † 3. April 1863 Karlsruhe, ev., seit 1850 kath., ∞ 1828 mit Elisabeth Ludovica Sophie (Luise) Heller, 1 Tochter.

Als ältestes von neun Geschwistern besuchte Heinrich Hübsch, Sohn des fürstlich thurn- und taxischen Postverwalters und Gutsbesitzers das Gymnasium in Darmstadt und studierte ab 1813 Philosophie und Mathematik in Heidelberg. 1815 wechselte er an die Bauschule Friedrich Weinbrenners nach Karlsruhe. 1817-1820 lebte er in Rom, von wo er Griechenland und Konstantinopel bereiste, um auch die dortige Baukunst zu studieren. 1820 zurück in Karlsruhe bestand er die Staatsprüfung als Architekt bei Weinbrenner. 1822 kehrte Hübsch, da ihm eine Stelle als Baupraktikant verwehrt wurde, zur Vollendung seiner architektonischen Studien nach Rom zurück. 1824-1827 unterrichtete er als Lehrer Baukunst am Städelschen Institut in Frankfurt und kam dann erneut nach Karlsruhe, wo er ab 1842 Leiter der badischen Baudirektion war. 1832-1853 übernahm er am Polytechnikum in Karlsruhe die Leitung der Bauschule.

Schon in Rom begann er sich - kritische gegenüber dem klassizistischen Architekturverständnis seines Lehrers Weinbrenner - die Frage zu stellen, "In welchem Style sollen wir bauen?". In seiner gleichnamigen Schrift von 1828 gibt er die Antwort: Statt der den Bedürfnissen der Zeit nicht mehr genügenden antiken Architektur, sei der "Rundbogenstil" des Mittelalters die zeitgemäße Alternative. Über den frühchristlichen und romanischen Sakralbau sowie den italienischen Palastbau hatte er zu einem spezifischen "Rundbogen-Styl" gefunden, der seit 1828 die eigene praktische Arbeit prägte. Wobei er mit neuen konstruktiven Lösungen und unverputztem Mauerwerk Wirtschaftlichkeit und Materialtreue anstrebte.

Vor seinem Amtsantritt in Karlsruhe hatte er sich mit dem Bau der evangelischen Hauptkirche in Wuppertal-Barmen (1825–1829) und des Waisenhauses in Frankfurt (1826–1829) einen Namen gemacht. Zu seinen Hauptwerken als Badischer Baumeister zählen unter anderem in Karlsruhe das Hauptgebäude der Universität (1832-1836), die Finanzkanzlei, heute Regierungspräsidium (1830-1833), die Kunsthalle (1837-1845), das Hoftheater (1847-1853), der Botanische Garten mit Orangerie (1852-1857), darüber hinaus in der Region die Trinkhalle in Baden-Baden (1839-1842), das Männerzuchthaus Bruchsal (1838-1848) und der Westbau des Speyerer Doms (1848-1853). Zudem plante er 30 Kirchen für beide Religionen in Baden, darunter St. Cyriakus in Karlsruhe-Bulach (1835-1837) und außerdem die Westfassade des Speyerer Doms (1854-1858). Eine klare, strenge Gliederung zeichnet Hübschs frühe Bauten aus, die Kunsthalle steht mit ihrem dekorativen Innenausbau am Übergang zu einer opulenteren und heiteren Architekturauffassung der späteren Bauten.

Vor allem seine Programmschrift von 1828 sowie der bis heute kontrovers diskutierte Wiederaufbau der Westfassade des Speyrer Doms machten den zu Lebzeiten führenden Architekten Badens auch international bekannt. Hübsch war Mitglied der Kunstakademien in München und Berlin und 1850 verlieh ihm die Universität Heidelberg den Titel eines Dr. ehrenhalber. In Karlsruhe erinnern an ihn das Heinrich-Hübsch-Denkmal von Karl Friedrich Moest im Garten der Kunsthalle, die Hübschstraße und die Heinrich-Hübsch-Schule.

Katja Förster 2014

Werk

Über griechische Architektur, Heidelberg 1822 (2. Aufl. mit Verteidigungsschrift gegen Aloys Hirt, Heidelberg 1824); In welchem Style sollen wir bauen?, Karlsruhe 1984 (Nachdruck von 1828); Die Architectur und ihr Verhältnis zur heutigen Malerei und Sculptur, Berlin 1985 (Nachdruck von 1847); Die altchristlichen Kirchen nach den Baudenkmalen und älteren Beschreibungen und dem Einfluss des altchristlichen Baustyls auf den Kirchenbau aller späteren Perioden, Carlsruhe 1858–63.

Literatur

Arthur Valdenaire: Heinrich Hübsch. Eine Studie zur Baukunst der Romantik, Karlsruhe 1926; Wulf Schirmer: Heinrich Hübsch 1795-1863. Der große badische Baumeister der Romantik, hrsg. vom Stadtarchiv Karlsruhe und Institut für Baugeschichte der Universität Karlsruhe, Karlsruhe 1983; Joachim Göricke: Die Kirchenbauten des Architekten Heinrich Hübsch. Diss. Universität Karlsruhe, 1974 (= Studien zur Bauforschung Nr. 8, hrsg. von der Koldewey-Gesellschaft); Silke Walther: „In welchem Style sollen wir bauen?“. Studien zu den Schriften und Bauten des Architekten Heinrich Hübsch (1795-1863). Diss. Universität Stuttgart, 2004 (http://elib.uni-stuttgart.de/opus/volltexte/2004/1936/); Katja Förster: Heinrich Hübsch, Karlsruhe 2014 (= Karlsruher Köpfe Band 3, hrsg. vom Stadtarchiv Karlsruhe).