Markgraf Karl Wilhelm, Kopie eines Gemäldes von Johann Rudolf Huber von 1775, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oI 139.

Karl III. Wilhelm von Baden-Durlach

Markgraf, Stadtgründer, * 17. Januar 1679 Durlach, † 12. Mai 1738 Karlsruhe (Geburtstagsdatum nach Umstellung auf den gregorianischen Kalender 27. Januar, seit 1700 auf den 28. Januar verlegt, um den Geburtstag am Namenstag feiern zu können), ev., ∞ 1697 Magdalena Wilhelmine von Württemberg, 3 eheliche Kinder.

Als Sohn des Markgrafen Friedrich VII. Magnus von Baden-Durlach und Augusta von Schleswig Holstein-Gottorf konnte der Erbprinz in Utrecht, Genf und Lausanne studieren und unternahm Bildungsreisen nach England, Schweden und Italien. Nach Eintritt in den Militärdienst 1694 wurde Karl Wilhelm im Spanischen Erbfolgekrieg, an dem er 1702-1709 teilnahm, für seine Verdienste zum Generalfeldmarschallleutnant befördert. Der Tod des Vaters und die Übernahme der Regierung 1709 beendeten seine militärische Laufbahn.

Die im Krieg entstandenen Schäden in Durlach und an der noch unfertigen Karlsburg wurden langsam beseitigt, dennoch plante Karl Wilhelm nach dem Vorbild anderer absoluter Fürsten ein Schloss außerhalb der beengten Möglichkeiten seiner Residenz. Am 17. Juni 1715 fand im Hardtwald die Grundsteinlegung für den Bau des Schlossturms und damit die neue Residenz "Carolsruhe" statt. Gleichzeitig stiftete er den Hausorden Fidelitas. Ein Privilegienbrief von 1715, der 1722 erneuert wurde, sollte Bevölkerungsansiedlung wie Existenzgründung und Handel und Gewerbe fördern. Gewährt wurden zudem Gewissensfreiheit und Religionsausübung. Beim Tod von Karl Wilhelm zählte Karlsruhe circa 2.650 Einwohner. In der verarmten Markgrafschaft konnten Schloss und Häuser der neuen Residenz zunächst nur aus Holz gebaut werden, wobei die Straßenführung nach dem Plan von Karl Wilhelm fächerartig, vom 60 Meter hohen Schlossturm nach Süden ausgehend, auf die Lange Straße von Durlach nach Mühlburg mündete. Diese geometrische Planung führte schon früh zur Bezeichnung Fächerstadt.

Karl Wilhelm sorgte für eine verantwortungsbewusste Beamtenschaft, die bald die unabdingbare Stütze des Landes wurde, Korruption und Unterschlagung wurden hart bestraft. Weder Adel noch Landstände spielten eine Rolle. Die Wirtschaft wurde nach dem merkantilistischen Prinzip bei großer Sparsamkeit und hohen Steuern betrieben. Die Förderung des Kartoffel- und Tabakanbaus erweiterte die Landwirtschaft, neue Manufakturbetriebe arbeiteten mit unterschiedlichem Erfolg, das Straßennetz wurde verbessert. Einen Luxus leistete sich Karl Wilhelm mit seiner Vorliebe für die Botanik. Er sammelte eine Vielzahl exotischer Bäume und Blumensorten, insbesondere Tulpen, deren Bestand in Tulpenbüchern katalogisiert wurde und schickte seinen Hofgärtner Christian Thran auf eine Afrikareise. Von seiner Frau, die im Schloss Durlach blieb, getrennt lebend, sagte man Karl Wilhelm eine in der Zeit übliche Mätressenwirtschaft nach, die seinem Lebensstil von früh auf entsprach.

Der Tod ereilte ihn beim Gärtnern im Schlossgarten. In der Konkordienkirche wurde er beigesetzt. Nach deren Abriss 1807 wurde 1825 anstelle der provisorischen Holzpyramide über der Gruft des Stadtgründers eine Pyramide aus Stein errichtet. Zudem erinnern seit 1888 die Karl-Wilhelm-Straße und seit 1960 ein gleichnamiger Platz an den Stadtgründer.

Leonhard Müller 2012

Literatur

Arthur Kleinschmidt: Karl III. Wilhelm, in: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB), Bd. 15, Leipzig 1882, S. 237–241; Klaus Gerteis: Karl III. Wilhelm, in: Neue Deutsche Biographie (NDB), Bd. 11, Berlin 1977, S. 221; Heinrich Dietrich: Die Verwaltung und Wirtschaft Baden-Durlachs unter Karl-Wilhelm 1709-1738, Heidelberg 1911; Karl Wilhelm 1679 - 1738. Markgraf von Baden-Durlach. Katalog anlässlich der Ausstellung des Badischen Landesmuseums Karl Wilhelm 1679 - 1738, München 2015.