Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS I 424.

Magdalene Wilhelmine von Baden-Durlach

Markgräfin, * 7. September/November 1677 Stuttgart, † 30. Oktober 1742 Durlach, ev., ∞ 27. Juni 1697 Karl III. Wilhelm von Baden-Durlach, 3 Kinder.

Mit einer Doppelhochzeit sollten die Häuser Baden-Durlach und Württemberg 1697 dynastisch verbunden werden. Magdalene Wilhelmine von Württemberg wurde mit Karl III. Wilhelm von Baden-Durlach und seine Schwester Johanna von Baden-Durlach mit Eberhard Ludwig von Württemberg verehelicht.

Magdalene Wilhelmine hielt sich während der ersten Ehejahre, in die auch die Geburten der drei Kinder (1701, 1703 und 1706) fielen, infolge des Spanischen Erbfolgekrieges mehrfach bei ihrer Mutter in Stuttgart und bei den Schwiegereltern in der Basler Residenz der Markgrafen auf, während der Ehemann im Feld stand. Da die Ehe aufgrund des ausschweifenden Lebenswandels von Karl Wilhelm zerrüttet war, blieb die Markgräfin nach der Gründung der neuen Residenz Karlsruhe mit ihrem Sohn Friedrich, der als einziger das Kindesalter überlebt hatte, in der Karlsburg in Durlach. Nur gelegentlich nahm sie später an Feierlichkeiten und Festen mit ihrem Hofstaat in Karlsruhe teil. Erst nachdem der Markgraf 1733 seine letzten Hofsängerinnen entlassen hatte, kam es wieder zu einer Annäherung der Eheleute. Magdalene Wilhelmine wohnte jedoch weiter in ihrer Residenz in Durlach.

Magdalene Wilhelmine war nicht nur geprägt von der streng religiösen Erziehung durch ihre Mutter, sondern auch durch einen regen gebildeten Geist. In Durlach erwarb sie sich Ansehen und Zuneigung der Einwohnerschaft durch ihre Wohltätigkeit für Arme und Kranke. Sie war aber vor allem ab 1732 die Erzieherin ihrer beiden Enkel und fürsorgliche Landesmutter. 1732 starb ihr Sohn und dessen Frau wurde im gleichen Jahr nach der Geburt des zweiten Sohnes zunehmend von einer Geisteskrankheit gezeichnet. So übernahm Magdalene Wilhelmine in Durlach die Erziehung des späteren Regenten Karl Friedrich und dessen Bruder. Nach dem Beginn des Polnischen Erbfolgekrieges 1733 blieb sie mit den Enkeln auf Geheiß Karl Wilhelms, der sich in seine Residenz Basel zurückzog, in Durlach. Sie trug klug und entschlossen dazu bei, bis zum Ende der Auseinandersetzungen am Oberrhein die Kriegslasten für Baden-Durlach zu lindern. Nach dem Tod Karl Wilhelms 1738 übernahm sie gemäß seinem Testament zusammen mit Markgraf Karl August Reinhard die vormundschaftliche Regierung der Markgrafschaft für den minderjährigen Erbprinzen.
Bestattet wurde sie in der markgräflichen Gruft in der Schlosskirche Pforzheim, wo auch das Herz ihres Mannes ruht.

Manfred Koch 2014

Literatur

Hans Leopold Zollner: Markgräfin Magdalene Wilhelmine: eine vielverkannte Frau aus dem Hause Württemberg, in: „Schwäbische Heimat“ 39 (1988), S. 343-345; Anette Borchardt-Wenzel: Die Frauen am badischen Hof – Gefährtinnen der Großherzöge zwischen Liebe, Pflicht und Intrigen, Gernsbach 2001, S. 22-24; diess.: Karl Wilhelm und sein Traum von Karlsruhe. Ein Badener im großem Welttheater, Gernsbach 2013, passim; Hans Merkle: Carl Wilhelm - Markgraf von Baden-Durlach und Gründer der Stadt Karlsruhe (1679-1738). Eine Biografie, Heidelberg u. a. 2012.