Thomas Cathiau, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS III 194.

Joseph Thomas Cathiau

Architekt, Gewerbeschuldirektor, * 18. Mai 1832 Mainz, † 29. Januar 1921 Lahr, kath., ∞ 2. 1865 Pauline Kohler, 2 Töchter.

Nach dem Besuch des Gymnasiums in Mainz studierte Thomas Cathiau 1851-1853 an der Ingenieurschule des Karlsruher Polytechnikums und 1853-1854 an der Großherzoglichen Ludwigs-Universität Gießen, an der er 1854 promoviert wurde. 1857-1860 hielt er sich zu Studienzwecken und praktischer Betätigung in Italien und Frankreich auf. 1861-1872 war er als Hochbauassistent bei der Badischen Eisenbahnverwaltung tätig, zunächst in Basel und Waldshut, ab 1863 bei der Direktion in Karlsruhe. Seiner Entlassung zuvorkommend, schied er 1872 freiwillig aus dem Staatsdienst aus und machte sich als Architekt in seinem neu erbauten Haus in der Ettlinger Landstraße 3 selbständig. Cathiau schaffte es allerdings nicht, als Architekt neben Josef Durm und Heinrich Lang, die das Karlsruher Baugeschehen dominierten, Fuß zu fassen. Nach der Planung zweier Kreispflegeanstalten in Ottersweier und Freiburg i. Br., des Kornhauses in Waldshut und einiger Fabrik- und Wohngebäude gab er im September 1879 sein Büro wieder auf. Cathiau trat nun als Lehrer und Leiter der Karlsruher Gewerbeschule bis zu seinem Ruhestand 1905 in den badischen Schuldienst ein. Nach seiner Pensionierung zog er nach Überlingen am Bodensee, wo er bis wenige Wochen vor seinem Tod lebte.

Cathiau organisierte die Karlsruher Gewerbeschule von Grund auf neu, erweiterte das Lehrangebot kontinuierlich um neue Fachabteilungen und Ateliers, so dass die Schülerzahl während seiner über 25-jährigen Dienstzeit von anfänglich 90 auf über 700 Schüler anstieg. Ab 1876 trat er als Autor zahlreicher stadtbezogener Publikationen hervor. Cathiau war langjähriger Schriftführer des Männerhilfsvereins, Vorstand des Männergesangsvereins Liederhalle und während der 1870er-Jahre maßgebliches Mitglied zahlreicher Festausschüsse. 1887-1889 leitete er ehrenamtlich das Stadtarchiv.

Cathiau wurde 1871 mit dem Ritterkreuz 2. Klasse mit Eichenlaub des Ordens vom Zähringer Löwen und 1902 mit dem Ritterkreuz 2. Klasse des Königlich Schwedischen Wasaordens ausgezeichnet.

Katja Förster 2015

Quellen

GLA 236/17583; 236/12061; 466-22/9459.

Werk

Die freiwillige Feuerwehr der Residenzstadt Karlsruhe. In Beziehung auf Entwickelung und gegenwärtigen Stand des Feuerschutzes in derselben, sowie im Großherzogthum Baden und im Deutschen Reiche, Karlsruhe 1876; Die großherzogl. badische Haupt- und Residenzstadt Karlsruhe. Ein Führer durch Stadt und Umgebung, Karlsruhe [ca. 1882]; Der Karlsruher Männerhilfsverein und sein Wirken während des Feldzuges 1870/71. Mit Rückblick auf die ersten 25 Jahre seines Bestehens. Erinnerungsbilder, nach eigenen Erlebnissen und aktenmäßigen Aufzeichnungen dargestellt, Karlsruhe 1896; Einhundertundfünfzig Spaziergänge und Ausflüge in die Umgebung der Landeshauptstadt Karlsruhe mit einer Karte des Gebietes für die 3 ersten Abteilungen, 6. umgearbeitete und durch geschichtliche Zusätze bei der Residenz und den Orten der Umgebung vermehrte Aufl., Karlsruhe 1899; Chronik der Gewerbeschule der grossh. bad. Landeshauptstadt Karlsruhe von ihrer Gründung bis zum Jahre 1902, Karlsruhe 1902.

Literatur

Friedrich von Weech: Karlsruhe. Geschichte der Stadt und ihrer Verwaltung, 3 Bde., Karlsruhe 1895-1904, Bd. 3,1 (1852-1874) und Bd. 3,2 (1875-1900), Karlsruhe 1904, http://digital.blb-karlsruhe.de/blbihd/Drucke/content/titleinfo/264911 (Zugriff am 22. Dezember 2015).