Prinz Max von Baden auf der Zuschauertribüne im neuen KFV-Stadion beim Spiel KFV - Oxford-University-Association-Footballclub am 24. März 1907, Stadtarchiv Karlsruhe 8/SpoA 1298.
Publikumsbeifall für das dritte Tor des KFV gegen FC Phönix (4:2), 4. November 1928, Stadtarchiv Karlsruhe 8/SpoA 1361/81.

Fußball

Karlsruhe gilt wegen der frühen Erfolge Karlsruher Mannschaften vor dem Ersten Weltkrieg als eine Fußballhochburg in Deutschland. Der Fußballpionier Walther Bensemann gründete noch als Gymnasiast mit einigen Gleichgesinnten 1889 den Internationalen Football-Club Karlsruhe, der auf dem Engländerplatz spielte, dem Geburtsort des Karlsruher Fußballs. Dort fand am 28. November 1899 auch eines der von Bensemann organisierten Urländerspiele vor der Gründung des Deutschen Fußballbundes (DFB) gegen England statt, das 0:7 verloren wurde. Bensemann war auch maßgeblich an der Gründung des Karlsruher Fußballvereins (KFV) im Jahr 1891 beteiligt. Mit acht Süddeutschen Meisterschaften und einer Deutschen Meisterschaft im Jahr 1910 war der KFV nach der Jahrhundertwende eine der erfolgreichsten Mannschaften vor dem Ersten Weltkrieg.

Erster Deutscher Meister aus Karlsruhe war aber ein Jahr zuvor der 1894 gegründete FC Phönix Karlsruhe geworden. Karlsruhe ist damit bis heute die einzige deutsche Stadt, die in zwei aufeinander folgenden Jahren mit zwei verschiedenen Vereinen die Deutsche Fußballmeisterschaft errang. Die Stadt kann aber vor allem aufgrund der frühen Vereinsgründungen gemeinsam mit Berlin als Wiege des organisierten Fußballs in Deutschland bezeichnet werden. Die Karlsruher Vereine fanden wie die meisten anderen frühen Fußballvereinsgründungen in Deutschland ihre Spieler und Zuschauer zunächst eher im bürgerlichen Milieu.

Nicht überraschend kamen auch zahlreiche Nationalspieler im ersten Jahrzehnt der Geschichte der Länderspiele aus Karlsruhe, elf Nationalspieler des KFV und des FC Phönix absolvierten 91 Länderspiele. Zu den großen Fußballern in dieser Zeit gehörten nicht zuletzt die beiden einzigen deutschen Nationalspieler jüdischen Glaubens Gottfried Fuchs und Julius Hirsch, die gemeinsam mit Fritz Förderer den Innensturm des KFV bildeten.

Karlsruher Mannschaften trafen in dieser Zeit auf deutsche Spitzenmannschaften, die zum Teil heute noch in den drei Bundesligen spielen. Aber auch zahlreiche europäische Spitzenmannschaften kamen in das 1905 eingeweihte hochmoderne KFV-Stadion bei der Telegraphenkaserne im Nordwesten der Stadt.

An die Erfolge von KFV und FC Phönix knüpfte erst der Karlsruher Sport-Club Mühlburg-Phoenix (KSC) in den 1950er-Jahren an. Im Jahr 1952 aus der Fusion des FC Phönix mit dem VFB Mühlburg, der erfolgreichsten Karlsruher Mannschaft nach 1945, entstanden, holte der KSC 1955 und 1956 den Deutschen Pokal sowie 1956 die Deutsche Vizemeisterschaft nach Karlsruhe in das 1955 eingeweihte neue Wildparkstadion. In den 1990er-Jahren klopfte der KSC erneut an die Tür zur deutschen Spitzenklasse und sorgte auf europäischer Ebene für Furore, unter anderem mit dem legendären 7:0 gegen den FC Valencia im UEFA-CUP 1993/94.

Ernst Otto Bräunche 2012

Literatur

Ernst Otto Bräunche: Fußballhochburg Karlsruhe, in: Sport in Karlsruhe. Von den Anfängen bis heute, hrsg. vom Stadtarchiv Karlsruhe durch Ernst Otto Bräunche und Volker Steck, Karlsruhe 2006, S. 168-218 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 28).