Staatliche Majolika-Manufaktur Karlsruhe im Ahaweg 6-8, 1977, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A34/128/3/25.

Staatliche Majolika Manufaktur Karlsruhe GmbH

Auf Anregung von Galeriedirektor und Akademieprofessor Hans Thoma, der Großherzog Friedrich I. von der Bedeutung einer Keramik-Werkstätte für die badische Kunst und Industrie überzeugte, kam es 1901 zur Gründung der Großherzoglichen Majolika-Manufaktur. In der Hoffstraße, in unmittelbarer Nähe zur Kunstakademie und Kunstgewerbeschule, wurde das neue Manufakturgebäude nach Plänen des Architekten Friedrich Ratzel errichtet, das zum 1. Oktober 1901 den Betrieb aufnahm. Leiter der Manufaktur wurde der Maler Wilhelm Süs, der 1898 die Kronberger Majolika-Werkstätte mit begründet hatte und deren Einrichtung von der Karlsruher Manufaktur übernommen wurde.

Der Absatz der von Thoma, Süs und Maximilian Würtenberger entworfenen Produkte war in den ersten Jahren so gering, dass der Verlag C. F. Müller die 1903 übernommene Generalvertretung 1907 aufkündigte. Erst nach der Gründung eines von dem Fabrikanten Eugen Geiger initiierten Fördervereins 1907 sowie der Übertragung der kaufmännischen Leitung auf August Fricke 1908, welcher Produktion und Vertrieb von Gebrauchskeramik entscheidend intensivierte, stieg der Absatz merklich an, so dass 1908/09 eine moderne Werksanlage im Hardtwald nach Plänen des Architekturbüros Pfeifer & Großmann erbaut wurde. Im bisherigen Gebäude in der Hoffstraße wurden ständige Ausstellungs- und Verkaufsräume eingerichtet.

Mit der neuen Fabrikanlage, die 1911 sowie 1912/13 erweitert wurde, waren die Arbeitsabläufe strikt rationalisiert worden. 1910 kam ein von Hans Großmann selbst geleitetes Zeichenbüro dazu, welches vor allem Planarbeiten für Baukeramik ausführte, die in den kommenden Jahren den wichtigsten Betriebszweig bildete. 1913 erweiterte die Majolika Manufaktur ihr Angebot noch um Grabmal- sowie Park- und Gartenkunst. Bereits im Jahr zuvor war der bis dahin als "nicht-gewerblich" geführte Betrieb, der inzwischen rund 130 Beschäftigte zählte, ins Handelsregister eingetragen worden. Unter Weiterführung von Namen und Marke wurde das immer noch defizitäre Unternehmen zum 1. Juli 1913 an den bisherigen Leiter August Fricke und zwei Boitzenburger Plattenfabrikanten verpachtet sowie zum 1. Juli 1914 an die Mettlacher Firma Villeroy & Boch, welche Fricke weiterhin als kaufmännischen Leiter der Manufaktur beschäftigte.

Der Erste Weltkrieg führte zu Produktionseinbrüchen besonders im baukeramischen Bereich; Klein- und Gebrauchskeramik wie einfaches Geschirr waren in dieser Zeit gefragt. Am 25. März 1919 ging die Manufaktur in den Besitz des badischen Staats über, der das Pachtverhältnis mit Villeroy & Boch zum 31. Dezember 1920 auflöste und den Betrieb an eine neu gegründete GmbH, bestehend aus Industriekonzernen und finanzkräftigen Privatleuten, verpachtete, die künftig als Großherzogliche Majolika-Manufaktur Karlsruhe Kunstkeramische Werkstätten GmbH firmierte. Das neue Unternehmen lief so gut an, dass es 1921 die Kunstkeramischen Werkstätten von Dr. Reimar Baer am Buchenweg und die Keramische Werkkunst Ettlingen als weitere Produktionsstätten ankaufte. 1922 wurde der Betrieb in eine Aktiengesellschaft umgewandelt mit 35 %iger Beteiligung des Landesfiskus, der vermutlich 1924 das gesamte Kapital aufkaufte, um die Gesellschaft vor dem Konkurs zu bewahren. Im Herbst 1944 wurde das Hauptgebäude bei einem Luftangriff stark beschädigt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Manufaktur in den Besitz des Landes Baden-Württemberg über, in dem sie – abgesehen von der Übernahme durch die Katz Werke AG Gernsbach von 1978-1983 – bis 1999 verblieb. Von 1999-2011 war die Landesbank Baden-Württemberg Eigentümerin der Majolika Karlsruhe Keramik Manufaktur. 2011 verkaufte sie diese zu einem symbolischen Preis an die Stadt, welche die Manufaktur in die neu gegründete Majolika-Stiftung für Kunst- und Kulturförderung Karlsruhe überführte. Bis 2015 haben vorwiegend Künstlerinnen und Künstler aus dem Karlsruher Raum Entwurfe für Majoliken geliefert. Angesichts der anhaltenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten stellt die Majolika zum Jahresende 2015 ihre Produktion ein.

Katja Förster 2015

Literatur

Monika Bachmayer/Peter Schmitt: Karlsruher Majolika 1901-2001. 100 Jahre Kunstkeramik des 20. Jahrhunderts, Karlsruhe 2001; Annelis Schwarzmann: Karlsruher Majolika. Die Großherzogliche Majolika-Manufaktur 1901-1927. Die Staatliche Majolika-Manufaktur 1927-1978, hrsg. vom Badischen Landesmuseum Karlsruhe, Karlsruhe 1979; Majolika Keramik Manufaktur Karlsruhe, http://www.majolika-karlsruhe.de (Zugriff am 13. August 2015).