Erweiterungsbau der Kunstgewerbeschule nach Plänen von Josef Durm (1898-1901), im Hintergrund der Altbau mit dem Kunstgewerbemuseum von 1888/89 (heute Staatliche Akademie der Bildenden Künste), um 1910, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVd 161.

Großherzoglich Badische Kunstgewerbeschule

Ab 1870 wurden an der Landesgewerbehalle in der Karl-Friedrich-Straße 19 (später Nr. 17) regelmäßige kunstgewerbliche Kurse angeboten, zunächst unter der Leitung des Lithografen Karl Ratzel, ab 1874 unter der des Architekten Gustav Kachel. Unterstützt wurden sie durch den Bildhauer Friedrich Moest, den Holzschnitzer Eduard Funke, den Leiter des Badischen Gewerbeamts und Spezialisten des galvanoplastischen Verfahrens Heinrich Meidinger und den Maler Franz Sales Meyer.

Die steigende Nachfrage an solchen Kursen, Ausstellungserfolge in den Jahren 1876 und 1877 sowie der Wunsch, Kachel, der einen Ruf an die Berliner Bauakademie erhalten hatte, in Karlsruhe zu halten, führten 1878 zur Gründung der Kunstgewerbeschule mit Kachel als Direktor. Dieser berief den Dekorationsmaler Hermann Götz, den Architekten Karl Hammer und den Bildhauer Adolf Heer an die Schule und erweiterte das Lehrprogramm, welches sich auf architektonische Formen- und Zeichenlehre, Dekorationsmalerei und Modellieren konzentrierte, um einen Fortbildungskurs sowie eine Abteilung für Zeichenlehrer. Unter Götz, der von 1882-1901 die Kunstgewerbeschule leitete, baute die Einrichtung ihr internationales Renommee weiter aus (Teilnahme an den Weltausstellungen in Chicago 1893, St. Louis 1904 und Brüssel 1910).

1884 erfolgte eine erste Reorganisation des Lehrbetriebs: Eine zweijährige Vorschule vermittelte den Schülern zunächst eine allgemeine kunsthandwerkliche Grundlage, bevor diese sich dann auf eine der vier angebotenen Fachrichtungen Dekoration, Kleinkunst (ab 1887 Ziselieren), Architektur und Modellieren spezialisierten. Die Abendschule für berufstätige Handwerker und Gesellen blieb in der bisherigen Form (Ornament-, Figurenzeichnen, Modellieren, Entwerfen) weiterbestehen. Die Umgestaltung verlangte nach weiteren Lehrkräften, zu denen der Zeichenlehrer Heinrich Eyth, die Kunstgewerbler Max Laeuger und Karl Gagel, der Bildhauer Fridolin Dietsche sowie die Maler Franz Hein und Carlos Grethe gehörten.

1889 bezog die Kunstgewerbeschule den von Josef Durm geplanten Neubau in der Westendstraße (heute Reinhold-Frank-Straße) 81, in dessen Lichthof 1890 das Kunstgewerbemuseum eröffnet wurde. Die malerischen Elemente an der Außenfassade sowie die Inneneinrichtung hatten die Schüler selbst unter Anleitung der Lehrer gefertigt. Zugunsten einer noch größeren Spezialisierung wurde 1892 die Vorschule wieder aufgehoben; bereits bei Ausbildungsbeginn mussten sich die Schüler auf ein Fach spezialisieren. Die Kurse für Architektur, Bildhauerei, Dekorationsmalerei und Ziselieren wurden 1895 um einen Fachkurs für Keramik (Leitung Carl Kornhas) sowie 1905 um einen für Glasmalerei (Leitung Karl Ule) erweitert. Der 1900 eingeführte Fachkurs für Lithografie fand wegen zu geringer Auslastung bis 1912 in der Lithografiewerkstatt der Badischen Akademie der Bildenden Künste (Leitung Carl Langhein) statt.

Schon 1893 hatte Götz wegen Raummangels nach einem Erweiterungsbau verlangt, der von 1898-1901 wiederum nach Plänen von Durm westlich des bestehenden Gebäudes entstand. Die sieben Medaillons an der Nordfassade zur Moltkestraße hin fertigte Kornhas an. Sämtliche Ateliers, Unterrichtsräume und Werkstätten wurden 1901 in den Neubau verlegt, lediglich die Direktionsräume, die Unterrichtssäle für die zum Winter 1901/02 neu eingerichtete Damenklasse und das Kunstgewerbemuseum, dessen Ausstellungsfläche nach der Räumung erheblich vergrößert wurde, verblieben im bisherigen Gebäude.

Von 1901 bis kurz vor dem Zusammenschluss mit der Badischen Akademie der Bildenden Künste zur Badischen Landeskunstschule am 1. Oktober 1920 war Architekt Karl Hoffacker Direktor der Kunstgewerbeschule. 1909/10 erhielt die Kunstgewerbeschule noch eine Fachklasse für Flachmusterzeichnen sowie 1911/12 eine allgemeine Abteilung, mit der das Prinzip von Vor- und Fachschule wiederhergestellt wurde. Ende 1919 wurde die Sammlung des Kunstgewerbemuseums in das neu gegründete Badische Landesmuseum überführt.

Katja Förster 2015

Literatur

Brigitte Baumstark: Die grossherzoglich badische Kunstgewerbeschule in Karlsruhe. 1878-1920, Diss. Univ. Karlsruhe, 1988; Ulrike Grammbitter: Josef Durm 1837-1919. Eine Einführung in das architektonische Werk, [Diss. Univ. Heidelberg, 1982], München 1984, S. 178-205; Josef Durm: Das Kunstgewerbemuseum und die neue Kunstgewerbeschule in Karlsruhe, in: Zeitschrift für Bauwesen, 51. Jg., Berlin 1901, Sp. 197-204.