St. Peter und Paul in Durlach, Südwestansicht, 1954, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XIVc 36.

St. Peter und Paul in Karlsruhe-Durlach

Mit der Einführung der Reformation 1556 durch Markgraf Karl II. von Baden-Durlach wurde die Stadt- und Pfarrkirche St. Stephanus in Durlach evangelisch. Nach der Vereinigung der beiden Markgrafschaften Baden-Durlach und Baden-Baden 1771 begann die Zahl der Katholiken in Durlach wieder anzusteigen. 1803 zählte die katholische Gemeinde bereits 300 Mitglieder, denen Großherzog Karl Friedrich 1809 die Schlosskapelle in der Karlsburg als Gotteshaus überließ.

1811 erhielt die Gemeinde einen eigenen Geistlichen und 1822 erhob Großherzog Ludwig diese zu einer eigenständigen Pfarrei. Mitte der 1890er-Jahre lebten etwa 2.600 Katholiken in Durlach, für welche die baufällige Kapelle schon längst zu klein geworden war. Zu Jahresbeginn 1895 wurde der Architekt Maximilian Meckel, seit 1892 Bauinspektor und 1894 Baudirektor des Erzbistums Freiburg, mit der Planung einer neuen Pfarrkirche betraut. Der im neogotischen Stil entworfene Sakralbau besteht aus einem dreischiffigen Langhaus, an das im Westen in Verlängerung des Mittelschiffs die polygonal gebrochene Chorapsis anschließt. Während das Mittelschiff flach gedeckt ist, weisen die Seitenschiffe Kreuzrippengewölbe und der Chor ein Sterngewölbe auf. Südlich des Chores schließt ein viergeschossiger Glockenturm mit halbhohem kupfernem Uhrengeschoss und hoch aufragendem oktogonalem Spitzhelm an, welcher wiederum von vier kleinen Spitzhelmen flankiert wird.

Nördlich des Chores ist die aus zwei Jocheinheiten bestehende Sakristei angeordnet. Des Weiteren findet sich an der Nord- und Südseite des Langhauses jeweils ein kapellenartiger Anbau. Die zwei Geschosse hohe Pfeilerbasilika (Arkaden, Obergaden) verfügt über drei Eingänge: ein Hauptportal an der Ostseite und zwei Seitenportale an der Süd- und Nordseite des Langhauses. Die Grundsteinlegung von St. Peter und Paul auf dem ehemaligen Platz der Stadtkelter fand am 24. Juli 1898, die Einweihung am 24. September 1900 statt. Die neogotische Ausstattung der Kirche hat sich weitgehend bis heute erhalten. Dazu gehören der Hochaltar im Chor, der Marien- und der Josefaltar in den Anbauten der Seitenschiffe, die Marien- und die Herz-Jesu-Statue (alles Arbeiten aus der Überlinger Werkstatt der Gebrüder Mezger) sowie die von verschiedenen Glasmalereiwerkstätten zwischen 1899 und 1921 ausgeführten Glasfenster.

Zum weiteren Inventar gehört die 1925 von Peter Valentin in weißem Marmor gefertigte Pietà für die Kriegergedächtniskapelle, der 1938 von Emil Sutor fertig gestellte Kreuzweg einschließlich der Statuen des Heiligen Konrad und der Heiligen Theresia sowie aus jüngerer Zeit der von dem Münchner Bildhauer Wilhelm Müller gefertigte Altartisch und Ambo (1984/85). Die 1902 von der Durlacher Firma H. Voit & Söhne angefertigte Orgel wurde 1965 durch ein von der Speyerer Orgelbauwerkstatt Wolfgang Scherpf erbautes Instrument ersetzt.

Drei der vier Glocken wurden im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen, die vierte verkauft. 1921 wurden vier neue Glocken angebracht, die im September 2000 durch acht neue Glocken ersetzt wurden.

Katja Förster 2013

Literatur

Peter Nicola: Durlach. Katholische Stadtkirche St. Peter und Paul, Regensburg 19962; 75 Jahre Sankt Peter und Paul. Festschrift anläßlich des 75. Jahrestags der Weihe des Gotteshauses unserer Pfarrgemeinde, hrsg. vom kath. Pfarramt St. Peter und Paul Karlsruhe-Durlach, Karlsruhe-Durlach 1975; http://www.crib.de/Durlachinform/Glocken/glocken.html (Zugriff am 12. April 2013; Jürgen Krüger: Kirchen in Karlsruhe und die Synagoge, hrsg. von Günter Frank u. a., Ubstadt-Weiher 2015, S. 212-215.