Westansicht der alten Gartenhalle mit Schwarzwaldhalle im Hintergrund, 1977, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A33/2/6/8.

Gartenhalle

Der Architekt Erich Schelling, nach dessen Plänen 1953 die revolutionäre Schwarzwaldhalle errichtet worden war, entwarf auch die 1954/55 erbaute Gartenhalle. Schellings ursprüngliches Gesamtkonzept für das von der Stadt unter Oberbürgermeister Günther Klotz seit 1952 am Festplatz anvisierte Kultur- und Sportzentrum (heute Kongresszentrum) sah zunächst südöstlich der Schwarzwaldhalle deren dreifache Wiederholung in verkleinertem Maßstab vor. Den veränderten Bedürfnissen entsprechend entstand dann aber stattdessen mit der Gartenhalle eine zweite geräumige Mehrzweckhalle, zu der sich rund zehn Jahre später mit der ebenfalls von Schelling entworfenen Nancyhalle noch eine dritte Ausstellungshalle gesellen sollte.

Die Gartenhalle, die über ihr im Norden gelegenes Foyer mit der Schwarzwaldhalle verbunden war, erstreckte sich nach Südosten bis auf Höhe des Tullabads, wo sie im Winkel von 25 Grad nach Süden abknickte, so dass die rechteckige Halle im Süden trapezförmig endete. Die 2.830 Quadratmeter Ausstellungsfläche umfassende Halle wurde von einem Pultdach überspannt, das von circa 22 Meter weit gespannten Vollwandbindern getragen wurde. An der West- und Südseite war in circa drei Metern Höhe eine Empore angeordnet, die von Stadtgarten-Besuchern auch als Unterstand genutzt werden konnte. Die Gartenhalle wurde sowohl als alleiniger Veranstaltungsort für verschiedene Sportveranstaltungen (Freistil-Turnier, Deutsche Meisterschaft 1958), Fach- und Themenausstellungen (Von Adenauer zu Erhard – Stationen deutscher Geschichte, 1964; Auto- und Camping-Ausstellung, 1968) als auch im Verbund mit den benachbarten Hallenbauten und dem Festplatzgelände für umfassende Präsentationen (zum Beispiel Sparen, Bauen, Wohnen, 1957-1970; Offerta, 1971-2002; Fachmesse Optica 76, 1976; Freizeitausstellung hobby 78, 1978) und Bälle (zum Beispiel Karlsruher Bürgerball, 1978-2003) genutzt.

Ende 1989 wurde die Gartenhalle zugunsten eines größeren modernen Ausstellungshallenkomplexes abgerissen. Nach nur neunmonatiger Bauzeit wurde die neue, von Hildegund Brandenburg konzipierte Gartenhalle am 7. September 1990 eröffnet, in die der denkmalgeschützte, wie ein Minarett anmutende Schornstein des ehemaligen Heizwerks Mitte integriert ist. Der Haupteingang der Halle, deren Raumhöhe zwischen fünf und zehn Metern variiert, liegt an der Ettlinger Straße; ein zweiter kleinerer Eingang befindet sich am Festplatz. Die neue Gartenhalle bietet eine Ausstellungsfläche von circa 5.000 Quadratmetern und lässt sich auch in zwei Hallen von 2.900 und 1.700 Quadratmetern unterteilen. Seit der Eröffnung des neuen Messestandorts bei Rheinstetten 2003 ging ihre Auslastung deutlich zurück. Seitens der Stadt wird daher seit Längerem eine Umnutzung der Gartenhalle erörtert; dazu gehört auch ein 2013 durchgeführter Wettbewerb über eine mögliche Integration des Badischen Konservatoriums in den Hallenkomplex. Zurzeit wird die Gartenhalle als Ausweichfläche für die Stadthalle, deren Sanierung in Kürze ansteht, gehandelt.

Katja Förster 2015

Literatur

Erich Schelling. Architekt. 1904-1986, München 1994, S. 52 f., S. 68 f.; Karlsruher Messe- und Kongress GmbH, http://www.messe-karlsruhe.de (Zugriff am 13. April 2015); Karlsruhe: Hochbau. Gartenhalle. Anlass und Ziel des Wettbewerbs, http://www.karlsruhe.de/b3/bauen/hochbau/wettbewerbe/wettbewerbe_abgeschl/gartenhalle.de (Zugriff am 13. April 2015).