Gewerbeschule Durlach, um 1944, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 396/40.

Gewerbeschule Durlach

Das General-Reskript des Markgrafen Karl Friedrich von Baden-Durlach vom 6. November 1767 an das Oberamt Durlach, in dem er die Gründung einer Architektonischen Zeichenschule forderte, gilt als Gründungsurkunde des seit 1832 als Gewerbeschule Durlach firmierenden Lehrbetriebs. Bis zur Übernahme der Schulleitung durch den erst 26-jährigen Durlacher Werkmeister Christian Wilhelm Hengst war die Zeichenschule eine reine Bauhandwerkerschule. Unter Hengst verdoppelte sich rasch die Zahl der Lehrjungen, deren Unterricht inzwischen im Pädagogium stattfand. Von 1878-1901 war die Schule mit der Volksschule, dem Pädagogium und der Höheren Bürgerschule im Neubau der Schillerschule (heute Friedrich-Realschule) untergebracht. Nachdem der Verein zur Rettung sittlich verwahrloster Kinder im Juni 1900 den von ihm gepachteten domänenärarischen Bauhofgarten an die Stadtgemeinde abgetreten hatte, entstand darauf bis 1901 ein dreigeschossiger Neubau für die Gewerbeschule. Von 1905-1924 war ihr die kaufmännische Fortbildungsschule (heute Engelbert-Bohn-Schule) organisatorisch angeschlossen. Da das neue Schulhaus in der Schillerstraße (später Gymnasiumstraße) 1, an das ab 1907 das Gymnasium und ab 1910 ein weiterer Flügel angebaut worden war, im Ersten Weltkrieg als Lazarett und Quartier genutzt wurde, fand der Unterricht der Gewerbe- und Handelsschule zunächst in der benachbarten Rettungsanstalt und ab Februar 1916 in der Hindenburgschule (heute Pestalozzi-Schule) statt.

Zum Schuljahr 1926/27 erhielt die Gewerbeschule erstmals einen in acht Fachabteilungen gegliederten Lehrplan einschließlich einer Mädchenabteilung für Schneiderinnen, Weißnäherinnen und Modistinnen. Außerdem wurde für Schlosser und Schmiede erstmals ein Werkstattunterricht eingeführt. In fakultativen Abendkursen konnten sich zudem Gewerbetreibende auf die Gesellen- oder die Meisterprüfung vorbereiten sowie ihre Kenntnisse in Fachzeichnen und Technischem Rechnen vertiefen. Infolge der wirtschaftlichen Regression sank die Schülerzahl zwischen 1924/25 und 1929/30 von über 640 auf circa 530 Auszubildende.

Da die Gewerbeschule seit der Eingemeindung Durlachs 1938 zu den Karlsruher Schulen zählte, kam es nach dem Zweiten Weltkrieg bei der Wiederaufnahme des gewerblichen Unterrichts 1946 zu einer Neugliederung der Berufszweige unter den vier Gewerbeschulen. Bisherige Splitterberufe an der Durlacher Schule wurden an die innerstädtischen Gewerbeschulen abgegeben, während alle Karlsruher Lehrlinge des Nahrungsmittelgewerbes sowie des Gießereiwesens der Durlacher Gewerbeschule zugewiesen wurden. Von den ehemals acht Fachklassen bestanden 1954 nur noch vier Abteilungen: Die Fachgruppe für Nahrungsmittel mit 630, für Maschinenbau mit 560 und für Holz mit 80 Auszubildenden sowie eine allgemeine gewerbliche Abteilung mit 90 Lehrlingen. Für die theoretische und praktische Ausbildung von 1.360 Pflichtschülern war das immer noch mit den Handelsschülern genutzte Schulgebäude in der Gymnasiumstraße 1 trotz des 1955 wiederaufgebauten Dachgeschosses viel zu klein. Unterrichtsausfall und veraltete Lehrwerkstätten prägten das Schulbild der 1970er-Jahre.

Da die damalige Finanznot der Stadt einen Gewerbeschulneubau in weite Ferne rückte, andererseits ihr Vorschlag, die Schule in das geplante Berufsschulzentrum an der Fritz-Erler-Straße (Heinrich-Hübsch-Schule) zu verlegen, auf Ablehnung stieß, entschied man sich für einen Erweiterungsbau der Schule, der im Herbst 1977 bezogen wurde. Von 1983-1994 standen der Schule außerdem die Schulräume der ins Schulzentrum Südwest übergesiedelten Engelbert-Bohn-Schule Am Steinbruch 20, fünf Gehminuten von der Badener Straße entfernt, zur Verfügung.

1994 konnte die Schule endlich einen vom Stuttgarter Architekturbüro Mahler Gumpp Schuster geplanten Neubau mit Unterrichts- und Werkstatträumen für die Berufsfelder Ernährung, Metall- und Holztechnik in der Grötzinger Straße 83 beziehen und dadurch auch die letzte Außenstelle für Modellbau in der Grundschule Durlach-Aue aufgeben. Neben der Berufsschule mit den Schwerpunkten Nahrungsmittel und Modellbau bietet die Gewerbeschule eine berufsvorbereitende Schule sowie eine Abendschule mit Abschluss Fachhochschulreife an.

Katja Förster 2015

Literatur

GSD Gewerbeschule Durlach. 225jähriges Jubiläum. Der Neubau 1994, Karlsruhe 1994; Wolfgang Heinz: Geschichte der Gewerbeschule Durlach, in: Georg Rothe: Die Gewerbeschule des Großherzogtums Baden als frühes Modell einer Teilzeitschule im dual-alternierenden System. Einfluss der Polytechnischen Schule Karlsruhe auf die Entwicklung der badischen Gewerbeschule. Anstöße zur Beseitigung aktueller Defizite in der deutschen Berufsausbildung in Anlehnung an Empfehlungen der Europäischen Kommission. Mit vertiefenden und ergänzenden Beiträgen von Günter Besenfelder u. a., Karlsruhe 2011, S. 78-82 (= Materialen zur Berufs- und Arbeitspädagogik der Projektgruppe Vergleichende Berufspädagogik des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) Bd. 15); Gewerbeschule Durlach, http://www.gsd.ka.schule-bw.de (Zugriff am 26. August 2015).