Der Galatea-Brunnen im Sallenwäldchen, um 1896, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIIIc 257.
Teilansicht des Brunnens im Garten des Bundesgerichtshofs, 1961, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A8/62/7/37.

Galatea-Brunnen

Von 1872-1954 im Sallenwäldchen bei der Ettlinger Straße; seit 1954 im Garten des Bundesgerichtshofs.

Im Frühjahr 1871 wurden die Anlagen des Sallenwäldchens, eines seit den 1820er- Jahren beliebten Ausflugsziels der Karlsruher Bürger, nach Plänen des großherzoglichen Garteninspektors Karl Mayer neu gestaltet. Aus diesem Grund gab die Stadt bei der Zementwarenfabrik Dyckerhoff & Widmann, die sich auf eine neuartige Herstellung von Zementwaren spezialisiert hatte, einen monumentalen Zierbrunnen in Auftrag. Der Galatea-Brunnen war in Karlsruhe der erste Brunnen dieser Art, da erst mit der Inbetriebnahme des ersten städtischen Wasserwerks im März 1871 die Voraussetzungen für die Aufstellung eines Brunnens dieser Größe geschaffen waren.

Der Bildhauer Friedrich Moest, der für Dyckerhoff & Widmann zahlreiche Modelle für Gussformen der in einem Katalog des Unternehmens angebotenen Skulpturen lieferte, entwarf auch die 4,50 Meter hohe Figurengruppe, die sich auf einem felsartigen Sockel inmitten eines birnenförmigen Brunnenbeckens erhob. Dargestellt sind zwei Sagengestalten der griechischen Mythologie, der Kyklop Polyphem, der sich unsterblich in die Nereide Galatea verliebt hat und diese, auf seinem fischartigen Hinterleib sitzend, auf seiner rechten Schulter trägt. Galatea, die den Kyklop neckend verschmähte, greift mit der rechten Hand in seine Haare, während sie mit der linken eine mächtige Muschel, ihr Attribut, auf ihrem Haupt hält. Strahlenförmig fällt das Wasser aus der wellenförmig gestalteten Muschel in das in den Boden eingelassene Bassin.

Am 9. Mai 1872 wurde der Brunnen, der sich im nördlichen Bereich des Sallenwäldchens befand, offiziell in Betrieb genommen. Seine Herstellung in Zementguss machte ihn in beliebiger Auflage reproduzierbar. So war ein weiterer Abguss der Figurengruppe 1873 auf der Wiener Weltausstellung und 1891 auf der Elektrischen Ausstellung in Frankfurt a. M. zu sehen. 1954 musste der Galatea-Brunnen dem Neubau des Tullabads weichen und wurde noch im selben Jahr im Garten des Bundesgerichtshofs (ehemaliges Erbgroßherzogliches Palais) aufgestellt.

Katja Förster 2014

Literatur

Gerhard Kabierske: Galatea-Brunnen, in: Gerlinde Brandenburger, Manfred Großkinsky, Gerhard Kabierske, Ursula Merkel, Beatrice Vierneisel: Denkmäler, Brunnen und Freiplastiken in Karlsruhe 1715-1945, 2. Aufl. Karlsruhe 1989, S. 293-297 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 7).