Preußen-Denkmal, um 1907, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVb 352.

Preußen-Denkmal

Friedhof an der Kapellenstraße (heute Alter Friedhof), südwestlich der Gruftenhalle; seit dem Zweiten Weltkrieg ohne Fialaufsätze, seit 1953 ohne Figurengruppe, seit 1956 ohne Kreuz.

Bald nach der Niederschlagung der Aufständischen und Revolutionäre in Baden im Sommer 1849 durch zwei preußische Armeekorps äußerte König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen den Wunsch, zu Ehren der gefallenen preußischen Soldaten eine monumentale Gedenkstätte auf dem Friedhof der badischen Haupt- und Residenzstadt zu errichten. Weder Großherzog Leopold, der den Preußenkönig um die militärische Intervention gebeten hatte, noch die Stadtverwaltung, die mehrheitlich reaktionär eingestellt war, hatten gegen das Vorhaben etwas einzuwenden, zumal sich für Hof und Gemeinde keinerlei finanzielle Verpflichtungen ergaben.

Der König beauftragte den Karlsruher Architekten Friedrich Eisenlohr, nach dessen Plänen bereits die neogotische Friedhofskapelle (1837-1842) errichtet worden war, mit dem Entwurf des Denkmals, in den er gezielt seine eigenen Vorstellungen einfließen ließ. Ihm stand ein Monument in Form eines neogotischen Baldachins auf mehrstufigem Unterbau und Postament vor Augen, wie es zum Beispiel Karl Friedrich Schinkel 1815 für die Gedenkstätte von Prinz Leopold von Hessen-Homburg in Großgörschen konzipiert hatte. Am 23. Juli 1852, dem dritten Jahrestag der Kapitulation Rastatts, fand in Anwesenheit zahlreicher preußischer und badischer Militärs die feierliche Einweihung des Preußendenkmals statt. Das von vielen als Siegerdenkmal empfundene Bauwerk sorgte allerdings bald für einen Streit über die Unterhaltskosten.

Auf einem vierstufigen quadratischen Unterbau aus Sandstein erhebt sich die von Basis und Gesims gefasste Sockelzone, an deren vier Seiten die 137 Namen der gefallenen preußischen Soldaten in gotischer Schrift eingemeißelt waren. Im Zentrum des massiven, zur Mitte hin leicht ansteigenden Postaments stand ein monumentales Kreuz aus weißem Marmor, das im Schnittpunkt das Antlitz Christi zeigte. Dieses wurde von dem mächtigen sandsteinernen Baldachin überfangen, dessen vier Stützen nach außen als Strebepfeiler ausgebildet sind. Ihre Fialen mit den Krabben besetzten und von bronzenen Adlern bekrönten Spitzhelmen reichten weit über das flache Pyramidendach hinaus und fassten die auf der Dachspitze auf einem Sockel angebrachte überlebensgroße Statue des drachentötenden Erzengels Michael.

Die in Zink ausgeführte und anschließend bronzierte Erzengelskulptur des Berliner Bildhauers August Kiss hatte Friedrich Wilhelm IV. gestiftet. Auf seine Verfügung hin wurde sie erst am Tag der Einweihung auf dem Denkmal angebracht. Die Figur des Drachentöters, die den Sieg des Guten über das Böse symbolisiert, erfuhr durch vier Bibelzitate auf dem umlaufenden Fries eine inhaltliche Erweiterung. Größe und Ikonografie des Ehrenmals sollten vor allem den politischen Machtanspruch Preußens sowie sein christlich begründetes Recht des scharfen Durchgreifens während und nach der Revolution demonstrieren. Die vier Bronzeadler wurden im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen, die Figur des Erzengels 1953 und das Marmorkreuz 1965 entfernt. Die sandsteinerne Architektur des Monuments, die bereits 1859 erstmals renoviert werden musste, weist heute erhebliche Witterungsschäden auf.

Katja Förster 2013

Literatur

Ursula Merkel: Preußen-Denkmal, in: Gerlinde Brandenburger/Manfred Großkinsky/Gerhard Kabierske/Ursula Merkel/Beatrice Vierneisel: Denkmäler, Brunnen und Freiplastiken in Karlsruhe 1715-1945, 2. Aufl., Karlsruhe 1989, S. 241-250 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 7).