Großherzog Leopold von Baden, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS I 589.

Leopold von Baden

Großherzog, * 29. August 1790 Karlsruhe, † 24. April 1852 Karlsruhe, ev., ∞ 1819 Sophie von Schweden, 8 Kinder.

Leopold wohnte mit seiner Mutter Luise von Hochberg, der zweiten Frau von Großherzog Karl Friedrich, und seinen Geschwistern im Markgräflichen Palais am Rondellplatz. Für eine Erbfolge nicht vorgesehen, genoss er eine gründliche Ausbildung mit Studium in Heidelberg und ausgedehnten Reisen in die Schweiz, nach Frankreich, England und Italien. Sein besonderes Interesse galt den Kunstschätzen, und die Teilnahme an der künstlerischen Entwicklung begleitete sein ganzes Leben. Als Teilnehmer des Feldzuges gegen Napoleon wurde er 1814 Generalmajor.

Nach der Erbfolgeregelung von 1818 zugunsten der Nachkommen aus der zweiten Ehe von Karl Friedrich übernahm Leopold 1830 die Regierungsgeschäfte. Sein liberales Pressegesetz und die Gemeindeordnung von 1831 weckten bei der Bevölkerung Hoffnungen auf eine andauernde Reformpolitik. Auf Druck des Deutschen Bundes musste das Pressegesetz 1832 zurückgenommen und die Gemeindeordnung teilweise abgeschwächt werden. Der Geist der Restauration erstickte liberalen Reformwillen.

Leopold zeigte eine Vorliebe für Baden-Baden, wo er das Neue Schloss restaurieren ließ, kümmerte sich aber auch intensiv um das Kulturleben in Karlsruhe. 1836 beschloss er die Gemäldesammlung des großherzoglichen Hauses der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, für die bis 1846 die von Heinrich Hübsch geplante Kunsthalle erbaut wurde. Auch für den Wiederaufbau des Hoftheaters, 1847 durch Brand zerstört und bis 1853 neu erstellt, setzte er sich ein. Die industrielle Entwicklung und das Verkehrswesen schritten unter seiner Regierung mit dem Eisenbahnnetz und der wachsenden Rheinschifffahrt rasch voran. Industriebetriebe, zum Beispiel die Maschinenfabrik Kessler in Karlsruhe schufen neue Arbeitsplätze, aber auch wachsenden Einkommensunterschied zwischen einem wohlhabenderen Bürgertum und der Arbeiterschicht. Gefördert wurde der Handel durch den Beitritt in den Deutschen Zollverein 1835.

Dem bewaffneten Aufstand in Baden im Mai 1849 im Rahmen der Revolution von 1848/49 konnte Leopold nicht Herr werden. Er floh mit seiner Familie nach Koblenz und rief Preußen um Hilfe. Nach der Niederwerfung des Aufstands kehrte Leopold am 18. August 1849 nach Karlsruhe zurück, von der Bürgerwehr, die sich den Revolutionären nicht angeschlossen hatte, freudig begrüßt. Leopold konnte sich dem nun folgenden rigiden Vorgehen der Preußen gegen die Revolutionäre nicht widersetzen. Seine neue Regierung sagte entschieden allen liberalen Entwicklungen ab. In Karlsruhe erinnern an ihn die Leopoldstraße, die Leopoldschule und ein Großherzog-Leopold-Denkmal.

Leonhard Müller 2012

Literatur

Friedrich von Weech: Leopold, in: Allgemeine Deutsche Biografie (ADB), Bd. 18, Leipzig 1883, S. 370-376; Uwe A. Oster: Die Großherzöge von Baden 1806 -1918, Regensburg 2007.