Max Singer, 1972, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A23/74/3/25.

Max August Singer

Metallarbeiter, technischer Angestellter, Gemeinderat (1951-1980), * 8. April 1917 Karlsruhe, † 6. August 1998 Freudenstadt, kath., ∞ 1945 Marga Schotte, 1 Tochter.

Max Singer kam aus einer Arbeiterfamilie, ging als Elfjähriger zu den Kinderfreunden Deutschlands, den Falken, sozialisierte sich dort bei Spielen und in Zeltlagern sozialdemokratisch. Nach dem Schulabschluss und dem Lehrbeginn als Maschinenschlosser beim Reichsbahnausbesserungswerk in der Südstadt trat er 1932 der Jugendorganisation Sozialistische Arbeiterjugend (SAJ) bei. 1932 war er zugleich jüngstes Mitglied der SPD-nahen Republikschutzorganisation Eiserne Front. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme kam es im Mai 1933 zu einer Hausdurchsuchung und einer kurzzeitigen Inhaftierung. Singer gehörte zum informellen Kreis von Mitgliedern der verbotenen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD). Beruflich arbeitete er bei Dornier in Friedrichshafen sowie bei Metz und Bachert in Karlsruhe, ehe er 1937 zum Reichsarbeitsdienst (RAD) musste, dem sich Wehrpflicht und Kriegsdienst anschlossen. 1941 wurde der Wehrmachtssoldat in Finnland wegen angeblicher Sabotage verhaftet, als „politisch unzuverlässig“ bestraft durch die Versetzung in ein Spezialkommando zur Entschärfung von Bomben.

1945 gehörte Singer zu den Wiederbegründern der SPD in Karlsruhe, der Jungsozialisten (Jusos) und der Falken im Jahr 1946. 1945 kurzzeitig beim Bezirksverwaltungsamt zur Unterstützung NS-Verfolgter tätig, arbeitete er 1946/47 als hauptamtlicher Jugendsekretär der SPD, war Mitorganisator des Ersten Internationalen Jugendlagers 1947 in Stuttgart und Schulungsleiter der Landesschule der Jusos in Musberg bei Stuttgart. In den 1950er-Jahren gehörte Singer dem Landesvorstand der SPD wie dem Bundesvorstand der Jusos an. Obwohl er bis 1965 bei mehreren Landtags- und Bundestagswahlen kandidierte, hatte Singer seinen Arbeitsschwerpunkt in Karlsruhe. So war er 1946 an der Bildung des Jugendrings und 1951 des Stadtjugendausschusses beteiligt. 1951 bis 1980 gehörte er ununterbrochen dem Gemeinderat an, war in zahlreichen Ausschüssen vertreten und 1972 bis 1975 Fraktionsvorsitzender der SPD. Sein politisches Wirken bleibt mit der Jugendarbeit, auch mit internationalem Austausch und Völkerverständigung verbunden. Im Stadtjugendausschuss arbeitete er 1965 bis 1970 als ehrenamtlicher Vorsitzender. Singer gehörte auch zu den Initiatoren des ersten Jugendzentrums, des Anne-Frank-Hauses und war maßgeblich beteiligt an der Errichtung der Jugendbildungs- und Freizeitstätte Baerenthal.

1969 erhielt er allerdings zunächst keine erforderliche Zweidrittelmehrheit für die Wiederwahl als Stadtjugendausschussvorsitzender, weil ihm mangelnder Einsatz für die Schaffung weitere Jugendhäuser, wie dies bis 1965 von seinem Vorgänger Walther Wäldele gefordert worden war, vorgehalten wurde. Sein Amt behielt er noch bis zur Fertigstellung Baerenthals 1970.

Singer verstand es, Jugendliche zu motivieren und in Verantwortung mit einzubeziehen: Er genoss wegen seiner sachlichen und ausgleichenden sowie ergebnisorientierten politischen Arbeit auch bei den politischen Gegnern im Gemeinderat hohes Ansehen. 1976 erhielt er das Bundesverdienstkreuz und die Ehrenmedaille der Stadt Karlsruhe.

Jürgen Schuhladen-Krämer 2021

Quellen

StadtAK 1/H-Reg 11920, 8/ZGS.

Literatur

Im Mittelpunkt der Mensch. Parlamentsreden Karlsruher SPD-Abgeordneter, hrsg. vom SPD-Kreisverband durch Manfred Koch, Karlsruhe 2001, S. 35-42; Katja Förster: Die Geschichte der Jugendarbeit in Karlsruhe, Karlsruhe 2011, passim (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 32).