Hermann Reinhard Alker in den 1920er-Jahren, Südwestdeutsches Archiv für Architektur und Ingenieurbau.

Hermann Reinhard Alker

Architekt, * 13. März 1885 Lambrecht/Lkr. Bad Dürkheim, † 26. Mai 1967 Karlsruhe, ev., ∞ 1935 Herta von Hollander, 1 Tochter.

Alker sollte das Büro des Vaters, eines Bahnmeisters, übernehmen, studierte dann aber 1904-1911 an der Technischen Hochschule (TH) Karlsruhe Architektur unter anderem bei Carl Schäfer, Josef Durm, Max Laeuger, Friedrich Ostendorf und Hermann Billing. Bei letzterem wurde er 1911 Assistent, übernahm 1914 dessen Lehrstuhlvertretung und leistete ab 1915 Kriegsdienst. 1919 legte er die Staatsprüfung zum Regierungsbaumeister ab, 1920 folgte die Promotion und 1921 die Habilitation. Nach verschiedenen Lehraufträgen ernannte ihn die TH Karlsruhe 1924 zum außerordentlichen Professor. Die Nationalsozialisten machten Alker 1935 zum Stadtrat in Durlach und verliehen ihm nach dem Bau der symbolträchtigen NS-Thingstätte in Heidelberg (1934-1936) den Kulturpreis des NS-Gaus Baden. 1937/38 wurde Alker Stadtbaurat mit besonderen Aufgaben in München, verlor diese Position aber nach Meinungsverschiedenheiten mit Adolf Hitler über stilistische Fragen. In Karlsruhe zurück erhielt er 1939 eine ordentliche Professur. 1941 gehörte er zu den Architekten, die zum Wettbewerb für die "Gauhauptstadt Straßburg" eingeladen wurden. Wegen seiner NS-Vergangenheit 1945 entlassen - jedoch 1950 nachträglich emeritiert - gründete Alker ein eigenes Architekturbüro in Karlsruhe und baute hier zahlreiche Wohngebäude.

Die frühe Architektur von Alker lehnte sich am Werk seines Lehrers Ostendorf an. Dazu gehörte bei Alker die solitäre Bauweise mit axial-symmetrisch zugeordneten Fassaden ebenso wie traditionsgebundene Elemente wie Sprossenfenster, Holzklappläden, Walm- und Mansard- sowie geschweifte Satteldächer. Später vertrat er eine gemäßigte Moderne mit einer gediegenen Funktionalität. Das Spektrum seines Werkes war breit. Alker baute unter anderem Wohnsiedlungen (Dornwaldsiedlung Durlach, 1923-1926), Wohnblöcke (Ebertstraße Karlsruhe, 1929/30), Hochschulstadien (Karlsruhe 1924-1934; Freiburg 1927/28) und Theater (Zittau, 1935/36) sowie neben der Heidelberger Thingstätte eine SS-Kaserne in Radolfzell und ein Schlageterdenkmal in Schönau/Schwarzwald aber auch Kirchen (Matthäuskirche in Karlsruhe, 1926/27).

Arthur Mehlstäubler 2012

Quelle

Werkarchiv im saai, KIT.

Werk

Die Portalfassade von St. Peter in Rom nach dem Michelangeloentwurf, im Zusammenhang mit der Gesamtarchitektur des Domes, 2 Bde., Diss., TH Karlsruhe 1923; Michelangelo und seine Kuppel von St. Peter in Rom, Karlsruhe 1968.

Literatur

Dorothea Roos: Der Karlsruher Architekt Hermann Reinhard Alker. Bauten und Projekte 1921 bis 1958, Tübingen 2011.