Alker-Block, Ebertstraße 4-6, 1935, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVe 74.
Blick in die Ebertstraße, Kreuzung mit der Beiertheimer Allee im Vordergrund und Kirche St. Michael im Hintergrund, 25. April 1973, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A25/107/1/44.

Ebertstraße

Die Ebertstraße beginnt am Bahnhofplatz und führt über den Barbarossaplatz nach Westen zur Brauerstraße, wo sie in die Hermann-Veit-Straße übergeht. Sie bildet zugleich die Stadtteilgrenze zwischen der Südweststadt und Beiertheim-Bulach. Von Norden münden die Klosestraße, die Kurfürstenstraße, die Karolingerstraße, die Hirschstraße und die Welfenstraße in ihr. Von Süden kommen die Kronprinzenstraße und die Wartburgstraße hinzu. Gekreuzt wird sie von der Schwarzwaldstraße, der Beiertheimer Allee, der Karlstraße und der Gebhardstraße.

1911 wurde die Straße mit dem Namen Reichsstraße zunächst bis zur Karlstraße angelegt und 1928, nach Verlängerung zum Barbarossaplatz, nach dem ersten Reichspräsidenten der Weimarer Republik, Friedrich Ebert (1871-1925), benannt. Ab 1933 hieß sie noch einmal Reichsstraße, bevor sie 1946 erneut in Ebertstraße umbenannt wurde. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die heutige Wilhelm-Baur-Straße beim Kühlen Krug Ebertstraße genannt. Dies geschah im Zusammenhang mit dem schon im Generalbebauungsplan von 1926 vorgesehenen Bau einer durchgehenden Straßenverbindung vom Hauptbahnhof zum Entenfang, wo im Mühlburger Feld in den 1950er-Jahren tatsächlich ein Stück dieser Straße gebaut und ebenfalls Ebertstraße genannt wurde. Dieses Stück wurde jedoch 1980 zurückgebaut und bildet heute nur noch eine Straßenbahntrasse. Die Neubenennung der Wilhelm-Baur-Straße geschah 1978.

In der historischen Bebauung sind kriegsbedingte Verluste gering, trotz der Nähe zum Hauptbahnhof, der häufig Ziel von strategischen Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg war. Von dort bis zum Barbarossaplatz herrscht eine zumeist geschlossene, fünfgeschossige Bauweise mit Wohn- und Geschäftshäusern vor, die entsprechend der zeitlichen Entwicklung der Straße aus den 1920er- bis 1960er-Jahren stammt. Dahinter folgen Wohnblocks in offener Zeilen- bzw. Riegelbauweise, wie sie dem städtebaulichen Leitbild der 1960er-Jahre mit viel Licht, Luft und Platz für den Straßenverkehr entsprechen.

Der baugeschichtlich prominenteste Einzelbau ist der, einen ganzen Häuserblock zwischen Ebert-, Klose-, Schnetzler- und Schwarzwaldstraße einnehmende Wohnkomplex, 1929 von Hermann Reinhard Alker im damals hochmodernen Bauhausstil mit Flachdächern errichtet (Nrn. 2, 4, 6). Jenseits des Grünstreifens steht ein weiterer Bau aus jener Zeit (Nrn. 14, 16). Auf der Südseite der Straße, zwischen der Schwarzwaldstraße und der Beiertheimer Allee, befindet sich seit 1915 der Albtalbahnhof der Albtalbahn. Dem modernen, zweiteiligen Flachdachgebäude von 1960 wurde 1988 eine zweibogige Halle aufgesetzt. Die Fußgängerunterführung unter der Straße stammt von 1975. An der Kreuzung mit der Karlstraße stehen zwei markante Bauten der 1960er-Jahre einander diagonal gegenüber: an der Nordostecke das Haus Fidelitas, 1968 erbaut von Loesch & Gulden (Nr. 16a), und an der Südwestecke das 1961 eröffnete Greif-Haus des gleichnamigen Hotels (Nr. 17). Westlich des Barbarossaplatzes bildet ein sechsgeschossiges Punkthaus (Nr. 36) den Auftakt eines Komplexes aus ebenfalls sechsgeschossigen Zeilenhäusern, die durch eine eingeschossige Ladenzone parallel zur Straße verbunden sind (Nrn. 40-52). Auf der anderen Straßenseite ragt als wuchtiger Campanile aus Beton der Glockenturm von St. Michael, 1965 erbaut von Werner Groh, empor (Gebhardstraße 44). Der Kirche folgt ein abermals sechsgeschossiges Riegelhaus (Nrn. 31-41). Nach dem Beiertheimer Friedhof und einer geschwungenen Fußgängerbrücke steht mit quer hervortretenden Treppenhäusern das letzte Riegelhaus von derselben Höhe am Ende der Ebertstraße bei der Brauerstraße (Nrn. 43-51).

Roland Feitenhansl 2015

Literatur

Susanne Asche/Ernst Otto Bräunche/Jochen Karl Mehldau: Straßennamen in Karlsruhe, Karlsruhe 1994, S. 210 (= Karlsruher Beiträge Nr. 7); Susanne Asche/Ernst Otto Bräunche/Manfred Koch/Heinz Schmitt/Christina Wagner: Karlsruhe - Die Stadtgeschichte, Karlsruhe 1998 https://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/literatur/stadtarchiv/HF_sections/content/ZZmoP1XI2Dw44t/Karlsruhe%20Die%20Stadtgeschichte.pdf (Zugriff am 23. Dezember 2020); Harald Ringler: Der Stadtplaner Carl Peter Pflästerer, Blick in die Geschichte Nr. 62 vom 19. März 2004, http://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/blick_geschichte/blick_nr62/pflaesterer (Zugriff am 29. Dezember 2015).