Hans Großmann

Architekt, * 20. Dezember 1879 Zürich, † 30. November 1949 Mülheim an der Ruhr.

Der aus einer Baumeisterfamilie stammende Hans Großmann studierte Architektur an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. 1903-1905 absolvierte er ein Praktikum im Architekturbüro von Hermann Billing in Karlsruhe und lernte dort Arthur Pfeifer kennen, mit dem er 1906 das Architekturbüro Pfeifer & Großmann gründete. Das Duo spezialisierte sich zunächst auf den Wohnungsbau, ging später jedoch auf die Entwicklung und Ausführung neuer Siedlungen bzw. Wohnhäuser in und um Karlsruhe sowie den Bau von Schulhäusern, Verwaltungs- und Fabrikgebäuden über. Zu ihren Projekten gehörten die Errichtung von Wohnanlagen in der Weststadt (ab 1906), die Mitwirkung bei der Gründung der Gartenstadt Karlsruhe GmbH (1907) und deren erster Bauphase (1911-1915) sowie der Bau der Lohfeld- und der Hardtwaldsiedlung in den 1920er-Jahren.

1903 unternahm Großmann eine sechsmonatige Studienreise nach Italien, die er für seinen dritten Platz bei einem Wettbewerb zum Bau einer Villa in Bad Honnef erhalten hatte. In den folgenden Jahren bereiste er Italien noch sechsmal, wobei besonders die Fresken Raffaels einen nachhaltigen Einfluss auf Großmanns Werk, namentlich die Monumentalbauten, ausübten. Als Leiter des Zeichenbüros und Vorstand der Abteilung Baukeramik sowie künstlerischer Kontrolleur der fertig gestellten Waren arbeitete er 1906-1914 zudem für die Karlsruher Majolika-Manufaktur. Ab 1922 war er Mitglied des Aufsichtsrats der Majolika.

1912 eröffnete Großmann mit Pfeifer ein zweites Büro in Mülheim an der Ruhr, nachdem sie 1910 den ersten Preis zum Bau des Rathauses Mülheim erhalten hatten. Ab 1920 arbeitete Großmann überwiegend in Mülheim, wo er unter anderem die Stadthalle, das Wohnheim Klara-Haus, die Wasserkraftwerke Raffelberg und Kahlenberg sowie das Hotel Duisburger Hof, den Wasserbahnhof und das Verwaltungsgebäude für die Rheinisch-Westfälische Wasserwerksgesellschaft baute.

Großmanns letztes in Karlsruhe realisiertes Projekt war der Bau der Karlsruher Filiale der Rheinischen Creditbank in der Kaiserstraße 90 (1922-1924) an der Stelle des 1918 abgebrannten Gebäudes der Museumsgesellschaft.

1926 erhielt Großmann die Ehrendoktorwürde der Technischen Hochschule (TH) Karlsruhe.

René Gilbert 2016

Literatur

Paul Joseph Cremers: Pfeifer & Großmann, Berlin/Leipzig/Wien 1928 (= Neue Werkkunst); Annelis Schwarzmann (Bearb.): Karlsruher Majolika – die Großherzogliche Majolika-Manufaktur 1901-1927; Die Staatliche Majolika-Manufaktur 1927-1978, hrsg. vom Badischen Landesmuseum Karlsruhe, Karlsruhe 1979, S. 349; Clemens Brünenberg: Das Architekturbüro Pfeifer & Grossmann, in: Dorothea Roos: Bauen in Baden. Architektur in Karlsruhe 1920-30, Ergebnisse eines baugeschichtlichen Seminars im Sommersemester 2005, Karlsruhe 2006, S. 21-28.