Gartenstadt Karlsruhe, Blick in den Asternweg, 1978, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A35/61/2/11.

Gartenstadt Karlsruhe eG

Die 1902 in Berlin entstandene Deutsche Gartenstadtgesellschaft propagierte gerade für die geringverdienende Bevölkerung den genossenschaftlich organisierten Siedlungsbau mit kleinen Wohn- und Garteneinheiten im Umland der Großstädte als Alternative zur "Kasernierung" in Mietblöcken und zur Mietwucherei. Wohnungen mit Gartenanteil, Berechnungen der Miete nach dem Kostendeckungsprinzip und vererbliches Dauerwohnrecht waren nur einige Programmpunkte des neuen, aus England übernommenen Wohnungsbaukonzepts.

1905 gründete der damalige Generalsekretär der Deutschen Gartenstadtgesellschaft, der Kunstmaler Hans Kampffmeyer, mit einigen Gleichgesinnten in Karlsruhe eine Ortsgruppe der Gesellschaft. Nachdem die Gruppe über ein geeignetes Baugelände für die Siedlung bei Rüppurr verfügte, erfolgte am 13. März 1907 im Gasthaus "Zum Moninger" die Gründung der "Gartenstadt Karlsruhe eGmbH" (Eintrag ins Genossenschaftsregister 12. April 1907).

Den Bebauungsplan für die ersten acht Hektar des rund 70 Hektar umfassenden Geländes arbeitete der Durlacher Architekt Karl Kohler nach einem Vorentwurf von Kampffmeyer aus. Wenig später überarbeitete Friedrich Ostendorf nochmals den Plan und konzipierte dabei das Entree in die Gartenstadt neu. Der halbkreisförmige, von drei klassizistisch geprägten Wohn- und Ladenhäusern gefasste Platz, der sich zum alten Rüppurr hin weit öffnet, wurde bereits 1915 nach dem kurz zuvor im Ersten Weltkrieg gefallenen Architekten benannt. Seit 1929 akzentuiert eine von Max Laeuger entworfene Brunnenanlage die Mitte des Ostendorfplatzes. Die ersten, 1911/12 erbauten Einfamilien- und Zweifamilienhäuser und Reihenhäuser (Im Grün, Heckenweg, Blütenweg, Holderweg) wurden noch von externen Architektenbüros, darunter Pfeifer & Großmann und Hans Zippelius, entworfen. Alle weiteren Häuser plante dann das Baubüro der Gartenstadt selbst unter Leitung von Georg Botz und Jakob Weisbrod.

Der Erste Weltkrieg und die Inflation brachten den Siedlungsbau von 1916-1923 vollständig zum Erliegen. Nach der Errichtung von über 70 neuen Wohneinheiten in den Jahren 1924-1926 erstellte das Baubüro 1926/27 einen Bebauungsplan für das südwestliche Gelände bis zur neuen Diakonissenstraße. Seit 1929 erhielt jeder Neubau eine Terrasse zum Garten. Aus Kostengründen entstanden ab 1929/30 erstmals zweigeschossige Etagenhäuser. 1932 wurde die Baugenossenschaft vom Badischen Innenministerium als "gemeinnütziges Wohnungsunternehmen" anerkannt. Drei Jahre später, 1935, gingen die beiden 1919 gegründeten Genossenschaften, die "Gartenvorstadt Grünwinkel eGmbH" und die "Baugenossenschaft Bulach", in der "Gartenstadt Karlsruhe eGmbH" auf. Mit 687 Wohnungen in Rüppurr, 147 in Grünwinkel und 148 in Daxlanden sowie 46 Wohnungen in Bulach umfasste die Gartenstadt nun 1.028 Wohneinheiten.

Der Zweite Weltkrieg führte nicht nur zur Einstellung der Bautätigkeit, sondern von den insgesamt 1.167 Wohnungen wurden 91 vollständig zerstört und 355 leicht bis mittelschwer beschädigt. Bis 1953 waren sämtliche Kriegsschäden behoben. Hohe Grundstückspreise und Baukosten zwangen die Gartenstadt ab 1956 erstmals zum Bau von drei- und viergeschossigen Mehrfamilienhäusern. 1960 betrug der Gesamtbestand 1.544 Wohnungen. 1981 waren es 1.806 Wohneinheiten, die auf 891 Einfamilienhäuser und 915 Geschosswohnungen entfielen. Heute umfasst die Gartenstadt Karlsruhe eG in den Gebieten Bulach, Daxlanden, Grünwinkel und Rüppurr rund 2.000 Wohneinheiten. Hauptaugenmerk des Genossenschaftsverbands liegt derzeit auf einer zeitgemäßen Modernisierung des Wohnungsbestands.

Katja Förster 2015

Literatur

Georg Botz: Die Gartenstadt Karlsruhe 1907-1932, hrsg. von der Gartenstadt Karlsruhe e. G. m. b. H. anläßlich des 25jährigen Bestehens, Karlsruhe 1932; Festschrift zum 75jährigen Bestehen der Gartenstadt eG, hrsg. von der Gartenstadt Karlsruhe eG, Karlsruhe 1982; 100 Jahre Gartenstadt. 1907-2007, hrsg. von der Gartenstadt Karlsruhe eG, Karlsruhe 2007; Gartenstadt Karlsruhe eG, https://www.gartenstadt-karlsruhe.de (Zugriff am 5. Oktober 2015).