Otto Warth, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS III 1680.

Gottfried Otto Warth

Architekt, Hochschullehrer, * 21. November 1845 Limbach/Lkr. Bad Kreuznach, † 5. November 1918 Karlsruhe, ev., ∞ 1876 Luise Kern.

Nach dem Architekturstudium am Polytechnikum bzw. der Technischen Hochschule in Karlsruhe von 1863-1867 arbeitete Otto Warth zunächst beim Badischen Militärbaubüro unter der Leitung von Jakob Hochstetter. Von 1869-1875 war er Assistent, von 1875-1878 Hilfslehrer und von 1878-1911 ordentlicher Professor an der Technischen Hochschule Karlsruhe. Seit Beginn der 1870er-Jahre unternahm Warth ausgedehnte Reisen durch Italien. 1891 wurde er zum Baurat und Mitglied der Baudirektion und 1894 zum Oberbaurat ernannt.

Nach der Auflösung der Baudirektion Ende1902 war er bautechnischer Referent im Badischen Ministerium der Justiz, des Kultus und Unterrichts. 1908 zum Geheimen Oberbaurat ernannt, wurden ihm anlässlich seiner Pensionierung 1911 von Großherzog Friedrich II. das Kommandeurkreuz II. Klasse des Großherzoglich Badischen Ordens vom Zähringer Löwen und der Titel eines "Geheimen Rats" verliehen. Auch nach der Pensionierung blieb Warth Mitglied des Großen Rats der Technischen Hochschule.

Zu seinen ersten überlieferten Tätigkeiten als Architekt zählt die Mitarbeit an dem von Heinrich Lang entworfenen Malsch-Brunnen (1872-1875). Seit 1874 nahm er als freier Architekt an zahlreichen Wettbewerben in ganz Deutschland teil. Stilistisch orientierte er sich wie das Gros seiner damaligen Kollegen an der italienischen Renaissance, wie sie durch Gottfried Semper und Hermann Nicolai seit 1839 vor allem in Dresden rezipiert wurde. Die Realisierung seines frühen preisgekrönten Entwurfs zum Kollegiengebäude der Kaiser-Wilhelm-Universität Straßburg (1878-1884) brachte ihm internationale Anerkennung und die Ehrendoktorwürde dieser Universität. In Karlsruhe entwarf er unter anderen die ehemalige Markgrafenschule (1878/79; seit 1848 Hans-Toma-Schule), das Elektrotechnische Institut (1889; 1896/97) und das Chemische Laboratorium (1899-1904) der Technischen Hochschule sowie das Wohn- und Geschäftshaus Löwen Apotheke in Durlach (um 1895) und die Gewerbeschule Durlach (1899-1901).

Katja Förster 2014

Literatur

August Stürzenacker: Otto Warth †, in: Zentralblatt der Bauverwaltung, 38. Jg., Nr. 99/100, 7.12.1918, S. 495; Hans-Dieter Nägelke: Hochschulbau im Kaiserreich: Historistische Architektur im Prozeß bürgerlicher Konsensbildung, Diss. Univ. Kiel, 1997, Kiel 2000, bes. S. 375-380; Michael Ruhland: Otto Warth, in: Gerlinde Brandenburger/Manfred Großkinsky/Gerhard Kabierske/Ursula Merkel/Beatrice Vierneisel: Denkmäler, Brunnen und Freiplastiken in Karlsruhe 1715-1945, 2. Aufl. Karlsruhe 1989, S. 696 f. (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 7) https://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/literatur/stadtarchiv/HF_sections/content/ZZmmY1PdXpuoNV/Denkm%C3%A4ler%20Brunnen%20und%20Freiplastiken%20in%20Karlsruhe%201715-1945.pdf (Zugriff am 23. Dezember 2020).