Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS III 658.

Jakob Hochstetter

Architekt, * 5. Februar 1812 Durlach, † 25. April 1880 Karlsruhe, ledig.

Jakob Hochstetter absolvierte das Pädagogium Durlach und besuchte dann ab 1831 die Bauschule Friedrich Weinbrenners bzw. das Polytechnikum Karlsruhe. Zu seinen Lehrern gehörten unter anderen die Weinbrennerschüler Heinrich Hübsch und Friedrich Eisenlohr. 1834 legte er das Staatsexamen ab und wurde als Baupraktikant in die staatliche Bauverwaltung aufgenommen. Noch bevor er von 1837-1841 die obligatorische Studienreise durch Italien und Griechenland unternahm, übernahm er im Auftrag Hübschs die Bauleitung der katholischen Pfarrkirche St. Cyriakus und Laurentius in Bulach.

Seit 1842 bis zu seinem Tod lehrte Jakob Hochstetter am Polytechnikum, seit 1845 als Professor. Er unterrichtete alle grafischen Fächer, hielt Vorlesungen des technischen Kurses sowie der Archäologie und nach Eisenlohrs Tod übernahm er dessen Kurse über die Höhere Baukunst. 1864 folgte er Friedrich Theodor Fischer als Vorstand der Baufachschule des Polytechnikums. 1862 wurde er zusätzlich Nachfolger Karl Joseph Berckmüllers als Militärbaumeister. In dieser Funktion hatte er hauptsächlich die von den Bezirksbaumeistern und Militärbauaufsehern entworfenen Pläne zu prüfen. 1863 wurde er als Baurat Mitglied der Baukommission und 1879 zum Oberbaurat befördert. Im selben Jahr erkrankte Hochstetter und starb noch, bevor seinem Gesuch um Versetzung in den Ruhestand stattgegeben wurde.

Hochstetters architektonisches Schaffen fiel verhältnismäßig bescheiden aus. Es verrät mit der renaissancistischen Formensprache und der Verwendung verschiedener Gesteinsarten (Sandstein, Backstein, Terrakotta) deutlich den Einfluss seines Lehrers Hübsch. Neben Villen in den 1840er-Jahren in Mannheim und Baden-Baden entwarf er das Amtsgefängnis Durlach (1843-1846, erweitert 1848/49) und die katholische Pfarrkirche St. Ulrich in Mörsch (1846-1849). Außerdem zeichnete er für den Umbau des Durlacher Rathauses (1845) verantwortlich. Weitere Projekte waren unter anderem die Artilleriekaserne Gottesaue (fertig gestellt 1869) sowie die Kasernenbauten in Durlach und Freiburg i. Br.

1871 verlieh ihm Großherzog Friedrich I. das Ritterkreuz I. Klasse mit Eichenlaub des Ordens vom Zähringer Löwen.

Katja Förster 2014

Quelle

GLA 206/869.

Literatur

Thomas Chatiau: Jakob Hochstetter, in: Badische Biographien, Bd. 4, hrsg. von Friedrich von Weech, Karlsruhe 1891, S. 187 f.; Jacob Hochstetter †, in: Deutsche Bauzeitung, 12. Mai 1880, S. 201; Ferdinand Werner: Mannheimer Villen. Bürgerliche Architektur und Wohnkultur in den Quadraten und der Oststadt, Worms 2009, bes. S. 61-67 (= Beiträge zur Mannheimer Architektur- und Baugeschichte Bd. 6, hrsg. vom Mannheimer Architektur- und Bauarchiv e. V. und dem Stadtarchiv Mannheim – Institut für Stadtgeschichte); http://www.bauforschung-bw.de/objekt/id/121316109016/ehem-amtsgefaengnis-in-76227-karlsruhe-durlach/ (Zugriff am 4. Dezember 2014).