Um 1890, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVb 304.

Malsch-Brunnen

Von 1875-1963 Karl-Friedrich-Straße, südöstliches Ende.

Erst mit der Inbetriebnahme des städtischen Wasserwerks im Rüppurrer Wald im März 1871 wurde die Aufstellung monumentaler Zierbrunnen möglich. Der Malsch-Brunnen, 1872 von der Stadt bei dem Architekten Heinrich Lang in Auftrag gegeben und im September 1874 bis auf die zwei Statuen von Bildhauer Friedrich Moest fertig gestellt, war in Karlsruhe der erste Brunnen dieser Art.

Der Konzeption der monumentalen Brunnenwand am südöstlichen Ende der Karl-Friedrich-Straße, die in ihrer Typologie auf römische Wandbrunnen des 16.-18. Jahrhunderts zurückgeht, war der Abriss des Ettlinger-Tor-Denkmals zu Jahresbeginn 1872 vorausgegangen. Durch den Abbruch hatte die von Friedrich Weinbrenner als Gesamtkunstwerk entwickelte „Via Triumphalis“ nicht nur ihre südliche architektonische Fassung eingebüßt, sondern seitdem verunstaltete auch eine unschöne Brandmauer die städtebaulich markante Stelle unweit des Bahnhofs.

Heinrich Lang rückte die Brunnenanlage an die östliche Grundstücksgrenze. Sie setzte dem ehemaligen Oberbürgermeister Jakob Malsch, in dessen Amtszeit der Bau des Wasserwerks trotz erheblicher Widerstände in Angriff genommen worden war, ein Denkmal. Die im Neorenaissancestil gestaltete Schauwand nahm in ihrer Mitte den eigentlichen Brunnen, einen Dreischalenbrunnen, auf. Von einer Rundnische portalartig hinterfangen erhob sich über ihm, in Analogie zu dem im Boden eingelassenen Bassin, ein weit auskragendes Gebälk, das von Inschrifttafel und Stadtwappen bekrönt wurde. Die seitlichen Wandteile zeigten zwei kleinere, fensterartig gestalteten Rundnischen, in denen auf rundem Postament links die lebensgroße Figur des Hylas und rechts die einer kokett posierenden Quellnymphe stand. Je zwei Pilaster, die oberhalb des Gebälks und der Balustrade von einer Delphingruppe bekrönt wurden, bildeten den seitlichen Abschluss der Wand.

Um die monumentale Brunnenwand in ihrer Gesamtheit erfassen zu können, schuf Lang einen ebenso breiten, um drei Stufen erhöhten Vorplatz, der von Kandelabern, Lorbeerbäumen und Sitzbänken flankiert zugleich zum Verweilen vor der Anlage einlud.

Finanziert wurde der Brunnen durch eine großzügige Stiftung des Kunstmalers und Mäzens Wilhelm Klose und durch die Stadt. Die Brunnenwand erreichte von Anfang an aufgrund ihrer zurückgesetzten Lage und ihres relativ geringen Bauvolumens nicht die städtebauliche Präsenz, nach der das Stadtbild am südöstlichen Ende der Karl-Friedrich-Straße eigentlich verlangte. 1963 fiel der Brunnen, der zwei Weltkriege unbeschadet überstanden hatte, dem Ausbau der Straßen am Ettlinger-Tor-Platz zum Opfer. Lediglich die Statue des Hylas (Stadtwerke Karlsruhe), einer der gusseisernen Löwenköpfe der Brunnenschalen (Stadtmuseum Karlsruhe) und die 1968 im Stadtgarten auf der Westseite des Lauterbergs aufgestellte Inschrifttafel sind heute noch nachweisbar.

Katja Förster 2014

Literatur

Gerhard Kabierske: Malsch-Brunnen, in: Gerlinde Brandenburger/Manfred Großkinsky/Gerhard Kabierske/Ursula Merkel/Beatrice Vierneisel: Denkmäler, Brunnen und Freiplastiken in Karlsruhe 1715-1945, 2. Aufl. Karlsruhe 1989, S. 307-313 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 7).