Adolf Schwarz

Rabbiner, Pädagoge, * 17. Juli 1846 Adásztevel/Ungarn, † 13. Februar 1931 Wien, jüd., ∞ Risa Schwarz, 2 Kinder.

Sein Vater war Rabbiner im Westen Ungarns. Bei ihm erhielt er ersten Unterricht, besuchte das Gymnasium und studierte nach dem Abitur an der Universität Wien Philosophie. Daneben besuchte Adolf Schwarz dort das Bet Hamidrasch („Lehrhaus“) von Adolf Jellinek (1820-1893) und Isaak Hirsch Weiss (1815-1905), wo er mit deren historisch-kritischer Methode für das Verständnis des Judentums in Berührung kam. Ab 1867 besuchte er die Universität und das „Jüdisch-Theologische Seminar“ in Breslau, das erste Rabbiner-Seminar in Deutschland. Hier wurde er Schüler von Zacharias Frankel (1801-1878), der dieser Ausbildungsstätte seit ihrer Gründung 1854 vorstand und wie die Wiener Lehrer als wichtiger Vertreter der dritten Hauptrichtung des Judentums im 19. Jahrhundert galt, den so genannten Konservativen, neben Reformern und Neo-Orthodoxen. Nach der Promotion 1870 in Halle und der Beendigung seiner Studien in Breslau 1873 nahm er 1874 die Berufung als Nachfolger Benjamin Willstätters zum Rabbiner der (liberalen) Jüdischen Gemeinde in Karlsruhe an. Dies fiel zusammen mit der Einweihung der von Josef Durm neu errichteten Synagoge in der Kronenstraße. 1878 wurde er in die Religionskonferenz beim Oberrat der Israeliten Badens („Konferenzrabbiner“) berufen. Die Auseinandersetzungen in Karlsruhe zwischen der reformerischen („liberalen“) und der orthodoxen Austrittsgemeinde dauerten seit der Spaltung 1869 fort. Während seiner Karlsruher Zeit publizierte er zahlreiche Beiträge zur Tosefta (Kompendium mündlicher Überlieferung aus „rabbinischer Zeit“).
1893 verließ Schwarz Karlsruhe und trat die Stelle des Rektors der „Israelitisch-Theologischen Lehranstalt“ (ITL) in Wien an. Die in diesem Jahr gegründete Lehranstalt war für die Ausbildung von Rabbinern mit konservativer Ausrichtung bestimmt. In dieser Position stellte er wie sein Lehrer Frank das wissenschaftliche Studium des Talmuds in den Mittelpunkt und führte das international geachtete Institut bis zu seiner Pensionierung 1930. An seinem Lebensabend wandte er sich dem Zionismus zu.
Adolf Schwarz erhielt zahlreiche Ehrungen wie 1920 von der Universität Halle die Erneuerung seines Diploms und 1926 den Titel eines Hofrats. Sein Grab befindet sich auf dem Zentralfriedhof in Wien.

Jürgen Schuhladen-Krämer 2014

Quelle

Nachlass im Universitätsarchiv Wien.

Werk

Die oppositionelle Stellung F. H. Jacobi’s zu Kant, Fichte und Schelling und deren Einwirkung auf philosophierende Zeitgenossen, Diss. Halle 1870; Predigt bei der Einweihung der neuen Synagoge in Carlsruhe am 12. März 1875, Karlsruhe 1875; Der hermeneutische Kontext in der talmudischen Literatur, in: Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, 65 (1921).

Literatur

Neue Deutsche Biographie (NDB); Festschrift Adolf Schwarz zum siebzigsten Geburtstage, 15. Juli 1916, gewidmet von Freunden und Schülern, hrsg. von Samuel Krauss, Berlin 1917; Peter Landesmann: Rabbiner aus Wien. Ihre Ausbildung, ihre religiösen und nationalen Konflikte, Wien, Köln u. a. 1997; Michael Brocke und Julius Carlebach (Hrsg.): Biographisches Handbuch der Rabbiner, Teil 2, Die Rabbiner im Deutschen Reich 1871 - 1945, bearb. von Katrin Nele Jansen unter Mitwirkung von Jörg H. Fehrs und Valentina Wiedner, Bd. 2. München 2009.