Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS III 1743.

Benjamin Willstätter

Stadt- und Bezirksrabbiner, Mitglied des Oberrats der Israeliten Badens, *17. Dezember 1813 Karlsruhe, † 18. Juli 1895 Karlsruhe, jüd., ∞ 1851 Auguste Ellstätter (Schwester des späteren Badischen Finanzministers Moritz Ellstätter), 3 Kinder.

Benjamin Willstätter wurde als Sohn eines Kaufmanns und dessen zweiter Ehefrau, einer Tochter des Bruchsaler Rabbiners Juda Oppenheim geboren. Nach dem Abitur am Gymnasium Karlsruhe studierte er 1832-1835 Theologie und Philosophie an der Universität Heidelberg. Nach dem Staatsexamen setzte er seine bereits zuvor begonnenen Talmudstudien bei Jakob Ettlinger sowie bei seinem Halbbruder Elias Willstätter und auch im Selbststudium fort. Die Rabbinatsprüfung legte er 1835 beim orthodoxen Mannheimer Stadtrabbiner Hirsch Traub ab. Er neigte gleichwohl stärker noch als sein Halbbruder der so genannten Reformbewegung im Judentum zu, die in den Städten allmählich zur Mehrheitsströmung wurde.

Benjamin Willstätter war nach seinen Examina längere Zeit stellungslos, half seinem Halbbruder bei dessen Tätigkeit als Rabbinatsverweser und führte 1839-1850 seine eigene Privatschule in Karlsruhe, zuletzt mit 31 Eleven, angestelltem Lehrer sowie Verwalter. Nach dem frühen Tod des Halbbruders 1842 bestimmte ihn die Jüdische Gemeinde trotz seines jungen Alters als Rabbinatsverweser und 1847 - erneut gegen den erbitterten Widerstand der orthodoxen Richtung - zum Rabbiner. Benjamin Willstätter wies als erster Rabbiner in Karlsruhe eine akademische Qualifikation über den damals noch dominierenden Besuch einer Talmudschule hinaus. In seiner langen Amtszeit spalteten sich 1869 die Juden in Karlsruhe in eine liberale und eine orthodoxe Gemeinde.

Nach dem Tod Naphtali Epsteins 1852 unterlag er seinem Karlsruher orthodoxen Widersacher, dem Stiftsrabbiner Joseph Altmann, bei der Berufung in den Oberrat der Israeliten Badens auch wegen des im Innenministerium zuständigen konservativen Ministerialrats und der starken Stellung der Orthodoxen in diesem Gremium. Nach Altmanns Tod 1874 hatten sich auch die politischen Umstände in Baden geändert und Willstätter folgte Altmann nun bis zur Pensionierung 1894 als Mitglied des Oberrats. Sein Nachfolger als Rabbiner wurde Dr. Adolf Schwarz.

Benjamnin Willstätter erhielt zahlreiche höchste staatliche Auszeichnungen wie 1875 das Ritterkreuz I. Klasse des Ordens vom Zähringer Löwen. Sein Grab befindet sich auf dem jüdischen Friedhof an der Kriegsstraße.

Jürgen Schuhladen-Krämer 2013

Quellen

StadtAK 8/StS 13/490 [Diary of Benjamin Willstaetter, engl. Übersetzung des Originalmanuskripts aus dem LBI, Manuskript im Jüdischen Museum Berlin - Willstätter-Sammlung]; StadtAK 7/Nl Appel 6, 7, 17. GLA 466/19391; Meier Appel: Trauerreden auf den verewigten Herrn Benjamin Willstätter, Oberrat a. D., geb. 17. Dezember 1813, gest. 18. Juli 1895, Karlsruhe 1895.

Werk

Überliefert sind eine große Zahl gedruckter Reden/Predigten, u. a.: Rede gehalten bei dem zur Feier des Verfassungsfestes am 22. August 1843 in der Synagoge zu Karlsruhe stattgehabten Gottesdienste, Karlsruhe 1843; Antrittspredigt gehalten in der Synagoge zu Karlsruhe am 29. Oktober 1847 beim Sabbath-Vorabend-Gottesdienste, Karlsruhe 1847; Rede und Gebete, gesprochen bei der am 8. März 1847 in der Synagoge zu Karlsruhe stattgehabten Trauergottesdienste für die am 28. Februar d. J. bei dem Brande des Großherzoglichen Hoftheaters dahier Verunglückten, Karlsruhe 1847.

Literatur

Carsten Wilke/Michael Brocke (Hrsg.): Biographisches Handbuch der Rabbiner, Teil 1. Die Rabbiner der Emanzipationszeit in den deutschen, böhmischen und großpolnischen Ländern 1781−1871, bearb. von Carsten Wilke, Bd. 2, München 2004.