Marie Genter, um 1900, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS III 426.
Marie Genter im Bühnenkostüm, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS III 422.

Maria (Marie) Elise Adelheid Genter

Schauspielerin, * 21. März 1873 Karlsruhe, † 13. Dezember 1973 Kulmbach, ev., ∞ 1930 Wilhelm Bauer, kinderlos.

Als einzige Schülerin des renommierten Schauspielers Rudolf Lange startete Maria Genter ihre Bühnenlaufbahn an den Stadttheatern von Dortmund und Essen. 1895 holte sie der damalige Generalintendant des Großherzoglichen Hoftheaters, Albert Bürklin, nach Karlsruhe. Ihre erste Rolle in der badischen Residenz war die der Marianne in Goethes Schauspiel Die Geschwister.

In den folgenden Jahrzehnten verkörperte Genter unzählige Charaktere aus dem klassischen und zeitgenössischen Repertoire, denen sie auf ihre natürliche und humorvolle Art Ausdruck verlieh. Ihre bekanntesten Darstellungen hatte Genter im Volksstück, im bürgerlichen Drama, in der Posse und im Schwank. 1924 wurde ihr der Titel Staatsschauspielerin verliehen. Neben ihrer Bühnenarbeit hielt Genter Vorträge und rezitierte Gedichte, wahlweise in badischer Mundart, was sie, liebevoll s' Mariele genannt, auch in theaterfernen Kreisen populär machte. Ihre letzte Rolle hatte Genter als Waschfrau Emma Linke in Jochen Huths Der goldene Kranz.

Nachdem sie 1935 ihr 40. Bühnenjubiläum gefeiert hatte, trat sie 1937 in den Ruhestand und zog mit ihrem Mann, dem ehemaligen Kustos der Badischen Landesbibliothek, Dr. Wilhelm Bauer, nach München. Eine Ernennung zum Ehrenmitglied des Badischen Staatstheaters blieb ihr dadurch verwehrt. Das Nachholen dieser Ehrung zu ihrem 95. Geburtstag erschien dem damaligen Generalintendanten Hans-Georg Rudolph wegen der jahrelangen Verspätung als taktlos. Einige Jahre vor ihrem Tod zog Genter in ein Altersheim in Kulmbach, wo sie als älteste Einwohnerin der Stadt im Alter von 100 Jahren starb.

René Gilbert 2015

Quelle

GLA 57a/2120.

Literatur

Lola Ervig: Karlsruhe hat sie nicht vergessen. "Mariele" Genter zum 85. Geburtstag, in: Badische Neueste Nachrichten vom 24. März 1958; Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnen Jahrbuch 1974, Hamburg 1974, S. 71; Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnen Jahrbuch 1975, Hamburg 1975, S. 72.