Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oIII 85.

Albert Julius Anton Bürklin

Politiker, Theaterintendant, * 20. Juni 1844 Heidelberg, † 23. Juli 1924 Heidelberg, ev., ∞ 1875 Luise Wolf, kinderlos.

Bürklin entstammte einer Familie, deren Mitglieder seit dem 16. Jahrhundert in Diensten der Markgrafschaft Baden-Durlach standen. Als Sohn des Eisenbahningenieurs und Schriftstellers Albert Bürklin verbrachte Bürklin seine Kindheit auf dem Landgut der Familie, besuchte bis 1863 das Lyzeum in Freiburg und studierte dann Jura in Freiburg, wo er der Burschenschaft Teutonia beitrat, und in Heidelberg. Nach Promotion und zweitem Staatsexamen trat er 1871 in den badischen Staatsdienst. Nach verschiedenen Stationen in Baden wurde er 1877, gefördert von Wilhelm Nokk, Oberschulrat in Karlsruhe. 1882 schied Bürklin aus dem Staatsdienst aus, um sich nach dem Tode des Schwiegervaters der Verwaltung und Weiterentwicklung des Weingutes Wolf in Wachenheim sowie verschiedenen Aufsichtsratsposten in Wirtschaftsunternehmen aber auch seiner politischen Tätigkeit und seinen künstlerischen Neigungen zu widmen.

Von 1875-1881 gehörte Bürklin als Abgeordneter der Nationalliberalen für den Wahlkreis Bonndorf-Jestetten der 2. Kammer der Badischen Ständeversammlung an. Hier wirkte er bis 1879 gemeinsam mit seinem Vater. 1884-1898 war er Reichstagsabgeordneter für den Wahlkreis Neustadt-Landau und 1906-1918 berief ihn der Großherzog in die 1. Kammer des Landtags. In den Parlamenten vertrat er seine Partei u. a. in den wichtigen Budgetkommissionen. Dem Reichstag saß er als 2. Vizepräsident von 1893-1895 vor. Dieses Amt legte Bürklin, ein Bismarck-Verehrer, 1895 nieder, nachdem das Haus eine Ehrung zum 80. Geburtstag von Otto von Bismarck abgelehnt hatte. Über die Tagespolitik hinausweisende Aktivitäten entfaltete Bürklin nicht, politisch vertrat er im Wesentlichen die Interessen des Bürgertums und auch des Weinbaus. Seine Begabung als Redner nutzte er sowohl im Parlament wie als Wahlkämpfer und bei nationalen Gedenktagen. In seiner Partei nahm der auch mit der liberalen Presse gut vernetzte Bürklin eine führende Rolle in zentralen Gremien des Kaiserreichs, Badens und der Pfalz ein.

In Karlsruhe hatte sich Bürklin 1880 in der Kriegsstraße von Josef Durm das Palais Bürklin bauen lassen, in dem er seit 1882 bis zu seinem Tod im Wechsel mit Wachenheim lebte. Es galt rasch dank seiner künstlerischen Ausstattung und der zahlreichen musikalischen Aufführungen über die Stadtgrenzen hinaus als kulturelles Zentrum. Als 1890 Gustav zu Putlitz als Intendant des Hoftheaters zurücktrat, übernahm Bürklin auf Drängen von Großherzog Friedrich I. und Minister Wilhelm Nokk bis 1904 die Leitung des Hauses. Unter seiner Leitung und gelegentlich auch mit Einsatz eigenen Geldes erlebte das Hoftheater mit Kapellmeister Felix Mottl und Dramaturg Eugen Kilian eine erneute Blütezeit, wenig experimentierfreudig im Schauspiel, fortschrittlich dagegen in der Oper. Nach seinem Rücktritt gehörte er 1911 zu den Gründern der Freiburger wissenschaftlichen Gesellschaft und amtierte 1916-1922 als Präsident der Goethegesellschaft.

1904 erhielt Bürklin die Ernennung zum Wirklichen Geheimen Rat und das Großkreuz des badischen Ordens vom Zähringer Löwen und er wurde Ehrenmitglied des Deutschen Bühnenvereins. 1911 ernannte ihn die Universität Freiburg zum Ehrendoktor und Ehrensenator. Als Familiengrabstätte ließ er 1911 in Karlsruhe das Bürklin-Mausoleum von Josef Durm auf dem Hauptfriedhof errichten.

Manfred Koch 2014

Quellen

GLA 47/2153; 56/234; BLB Karlsruhe, Nl.

Literatur

Albert Krieger: Geschichte der Familie Bürklin, München 1905; ders.: Dr. A. Bürklin. Zu seinem 80. Geburtstag, in: Die Pyramide, Beilage zu Nr. 24 des Karlsruher Tagblattes vom 15. Juni 1924; Karlsruher Chronik 1904, S. 50 f.; Wolfgang Leiser: Albert Julius Anton Bürklin, in: Badische Biographien NF, Bd. I, hrsg. von Bernd Ottnad, Stuttgart 1982, S. 87-88; Hansmartin Schwarzmaier: Von Richard Wagner zu Richard Strauss, in: Karlsruher Theatergeschichte, Karlsruhe 1982, S. 78-93.