Hugo Höcker, um 1914, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oIII 1024.

Hugo Höcker

Schauspieler, * 27. Februar 1864 Reichenberg (heute Liberec, Tschechien), † 5. September 1948 Wildbad im Schwarzwald, ev., ∞ 1. 1891 Wilhelmine Berens (1868-1938), 2. 1911 Emma Karolina Hammekker, 1 Sohn aus erster Ehe, 1 Tochter aus zweiter Ehe.

Hugo Höcker, der Sohn des Schauspielers Oskar Höcker, besuchte 1871-1882 das Gymnasium in Karlsruhe und gab 1886 sein Bühnendebüt in Gera. Nach einem Engagement in Hamburg 1888-1890 wurde er zum 1. Oktober 1890 vom damaligen Generalintendanten des Großherzoglichen Hoftheaters, Albert Bürklin, engagiert. Wenige Tage zuvor war Höcker bei zwei Gastspielauftritten in der Fächerstadt als Don Carlos und Romeo aufgetreten.

Höcker, der seitdem sein ganzes Berufsleben am Karlsruhern Theater verbachte, wurde zu Beginn vornehmlich für das Rollenfach des jugendlichen Liebhabers und Helden eingesetzt, später agierte er als Vertreter humoristischer Väter und spielte verschiedene Charakterrollen. Zu seinen bekanntesten Rollen gehörten der Wirt in Lessings Lustspiel "Minna von Barnhelm", der Protagonist Argan in Molières "Der eingebildete Kranke" sowie Polonius in Shakespeares "Hamlet". 1902 erhielt Höcker das Ritterkreuz des Ordens vom Zähringer Löwen Zweiter Klasse sowie die Großherzog Friedrich Medaille. 1924 wurde er zum Staatsschauspieler ernannt.

Am 1. Mai 1933 trat Höcker in die NSDAP ein. Nach eigener Aussage tat er dies, ohne ein Parteiamt oder eine Tätigkeit in der Partei ausgeübt zu haben, sondern lediglich um seine Bühnenlaufbahn nicht zu gefährden. Anlässlich des 50. Jubiläums seiner Zugehörigkeit zum Badischen Staatstheater veranstaltete dieses 1940 einen Ehrenabend mit der Aufführung des Lustspiels "Das lebenslängliche Kind" (Drei Männer im Schnee) von Erich Kästner, bei dem Höcker als Geheimrat Schlüter selbst mitwirkte. 1941 trat Höcker in den Ruhestand, war jedoch bis 1944 als Gastschauspieler tätig. In seinem Entnazifizierungsverfahren wurde Höcker im Juni 1946 als Mitläufer eingestuft und mit einem Spielverbot belegt.

Künstlerische Begabung war in der Familie Höcker vielfach vorhanden. Neben seinem Vater, dem Schauspieler, war Höckers Onkel Gustav (1832-1911) als Autor bekannt, sein Bruder Paul Oskar (1865-1944) schrieb Romane und Bühnenstücke, seine erste Frau war Mitglied des Hoftheaters 1890-1905 und feierte ihre größten Erfolge als Ensemblemitglied des Theaters am Kurfürstendamm in Berlin. Sein Sohn Oskar Höcker (1891-1959) wie auch seine Tochter Otti (*1913, † bei einem Luftangriff) ergriffen den Beruf des Vaters, wobei der Sohn häufiger Nebenrollen in Kinofilmen erhielt.

René Gilbert 2015

Quellen

GLA 57a/1041; Paul Oskar Höcker: Kinderzeit. Erinnerungen aus Karlsruhe, Karlsruhe 2014 (1. Aufl. Berlin 1919).

Literatur

Wilhelm Kosch (Begr.): Höcker, Hugo, in: Deutsches Theater-Lexikon, Bd. 1, Klagenfurt 1953, S. 808; Lola Ervig: "Der Natur den Spiegel vorzuhalten." Zum 100. Geburtstag des Staatsschauspielers Hugo Höcker, in: Badische Neueste Nachrichten vom 27. Februar 1964.