Hans Gude, um 1870, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS III 513.

Hans Fredrik Gude

Maler, * 13. März 1825 Christiania/heute Oslo, † 17. August 1903 Berlin, ev., ∞ 1850 Betsy Charlotte Juliane Anker (1830-1912), 7 Kinder.

Hans Gude war der Sohn eines Richters und studierte von 1838-1841 an der Königlichen Zeichenschule in Christiania. Auf Anraten des norwegischen Dichters und Kunstkritikers Johan Sebastian Welhaven setzte er seine Ausbildung als Privatschüler in Düsseldorf bei Andreas Achenbach fort, nachdem er von der Kunstakademie Düsseldorf zunächst abgelehnt worden war. 1842 erhielt Gude doch Aufnahme in die Akademie, wo er bis 1844 bei Johann Wilhelm Schirmer lernte und anschließend bis 1847 als Hilfslehrer in dessen Privatatelier unterrichtete. Eine Studienreise führte ihn 1847-1850 in seine Heimatstadt. 1852 kehrte Gude nach Düsseldorf zurück und wurde 1854 Nachfolger Schirmers als Professor für Landschaftsmalerei. Schirmer war als Direktor an die neu gegründete Großherzogliche Badische Kunstschule in Karlsruhe gegangen. 1862-1864 lebte Gude in Betws-y-Coed in Wales und kam 1864 nach Karlsruhe, um die Nachfolge des verstorbenen Schirmer als Leiter der Klasse für Landschaftsmalerei anzutreten.

Als Lehrer in Karlsruhe legte Gude besonderen Wert auf die Förderung der Stärken jedes einzelnen Schülers und das genaue Studium der Natur. Während seiner Karlsruher Wirkungszeit entwickelte sich die Fächerstadt zu einem Sammelpunkt junger norwegischer Landschaftsmaler wie Christian Krogh, Frits Thaulow, Otto Sinding oder auch Gudes Sohn Nils. Zu seinen deutschen Malschülern zählten Friedrich Kallmorgen, Ferdinand Keller und Carl Coven Schirm. 1866-1868 und 1869/70 leitete Gude als Direktor die Karlsruher Akademie. Während seiner Amtszeit setzte er die Regelung durch, den Direktorenposten abzuschaffen und künftig im einjährigen Turnus einen Vorsitzenden aus dem Lehrerkollegium zu bestimmen. Obwohl Gude in der Fächerstadt rege soziale Kontakte pflegte, darunter zu Eduard Devrient, Joseph Victor von Scheffel oder Julius Jolly, und sich im Badischen wohl fühlte, folgte er 1880 dem Ruf seines Freundes Anton von Werner, den er noch aus Karlsruher Tagen kannte, an die Preußische Akademie der Künste in Berlin. Dort übernahm er bis 1901 die Leitung des Meisterateliers für Landschaftsmalerei. Zu seinen Schülern gehörten unter anderen Walter Leistikow, Wilhelm Jakob Hertling, Richard Hünten und Hugo Schnars-Alquist.

Gude gilt als der berühmteste norwegische Maler seiner Zeit. Immer wieder kehrte er im Sommer in seine Heimat zurück, um sich Anregungen für seine Werke zu holen, die er in einer Reihe überlieferter Skizzenbücher festhielt. Zahlreiche seiner Gemälde, die der norwegischen Nationalromantik zugeordnet werden, zeigen vor Wolken verhangener imposanter Fjord- bzw. Felslandschaft die harten Lebensumstände der Küstenbewohner. Wiederkehrende Motive sind dabei Segelschiffe und Fischerboote auf blauem Meer sowie Kinder und Frauen mit Fischkörben. Studienreisen führten Gude auch ins schottische Hochland und in den süddeutschen Raum, wo ihn besonders Seelandschaften um den Bodensee und Chiemsee interessierten. Zu seinen Auszeichnungen und Ehrungen zählen die Goldmedaillen der Preußischen Akademie der Künste (1852, 1860), die Ernennung zum Mitglied des Senats der Preußischen Akademie der Künste 1880 sowie die Verleihung des Sankt-Olav-Ordens 1894.

René Gilbert 2015

Quellen

GLA 69 Verlag CFM/ 640, N Beringer/835; StadtAK 8/ZGS, Persönlichkeiten.

Werk

Brautfahrt auf dem Hardangerfjord (mit Adolph Tidemand), Öl auf Leinwand 1848 (Nationalgalerie Oslo); Hochgebirge, Öl auf Leinwand 1857 (Nationalgalerie Oslo); Ruhe am Bach, Öl auf Leinwand 1860 (Nationalgalerie Oslo); Norwegische Küste mit heimkehrenden Fischern, Öl auf Leinwand 1870 (Nationalgalerie Berlin); Schottische Küstenlandschaft, Öl auf Leinwand 1879 (Staatliche Kunsthalle Karlsruhe); Sturmbewegte See an der norwegischen Küste, Öl auf Leinwand 1870 (Museum der bildenden Künste Leipzig), Oban Bay, Schottland, Öl auf Leinwand 1890 (Nationalgalerie Oslo); Sognefjord mit Wikingerschiffen, Öl auf Leinwand 1893 (Nationalgalerie Berlin).

Literatur

Hans Gude: Karlsruher Künstlererinnerungen, Karlsruhe 1920; August Beringer: Badische Malerei 1770-1920, 2., erweit. Aufl., Karlsruhe 1922, S. 79 f., S. 248; Ulrich Thieme (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Bd. 15, Leipzig 1922, S. 189 f.; Leo Mülfarth: Kleines Lexikon Karlsruher Maler, Karlsruhe 1987, S. 49 f.; Frode Ernst Haverkamp: Hans Gude, in: Allgemeines Künstlerlexikon. Die bildenden Künstler aller Zeiten und Völker, Bd. 64, hrsg. von Andreas Beyer, München 2009, S. 295-297.