Malklasse von Caspar Ritter an der Malerinnenschule, dritte von rechts Dora Horn, 1898, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oIV 219.
Dora Horn 1907, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oIII 1495.

Dora Horn-Zippelius

Malerin, * 28. August 1876 Karlsruhe, †17. Februar 1967 Karlsruhe, ev., ∞ 1909 Johann (Hans) Adam Zippelius, 2 Kinder.

Die Tochter eines bekannten Karlsruher Rechtsanwalts erhielt bereits als junges Mädchen Zeichenunterricht. Horn-Zippelius besuchte die Viktoria-Schule in Karlsruhe und legte 1895 in Freiburg das Lehrerinnenexamen ab. Als 20-jährige verbrachte Horn-Zippelius ein halbes Jahr in Italien, bevor sie 1897 ein Studium an der Malerinnenschule Karlsruhe aufnahm. Es folgten Studienreisen nach Tirol, Italien und in die Schweiz.

1901 trat Horn-Zippelius der Karlsruher Ortsgruppe des Vereins zur Verbesserung der Frauenkleidung bei, für den sie im Vorstand und in der Presseabteilung arbeitete und zahlreiche Vorträge zur Rolle der Frau in der Gesellschaft hielt. 1904 wurde sie Mitglied im Karlsruher Künstlerbund. Einige ihrer Werke waren erstmals auf den Großen Kunstausstellungen in Dresden (1904) und Berlin (1905) zu sehen. 1906-1908 war sie außerdem als Schauspielerin an verschiedenen deutschen Bühnen aktiv. Seit 1912 arbeitete Horn-Zippelius sowohl im Vorstand des Karlsruher Malerinnen-Vereins, als auch im Vorstand des im selben Jahr gegründeten Bundes Badischer Künstlerinnen mit.

Angetan von der nationalsozialistischen Frauenpolitik wurde Horn-Zippelius 1931 Mitglied des Deutschen Frauenordens und dessen Nachfolgeorganisation, der NS-Frauenschaft. Für beide trat sie ab 1932 als Parteirednerin und Kreispropagandaleiterin aktiv auf. Zusätzlich nahm sie die Aufgaben einer Referentin für Presse und Propaganda in der Hauptabteilung III der Gauleitung Baden ein und wurde im Dezember 1932 Gaupropagandaleiterin der NS-Frauenschaft Baden. Zum 1. Januar 1933 trat Horn-Zippelius der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) bei. Weitere Stationen ihrer Parteilaufbahn waren die kommissarische Leitung der Kreisfrauenschaft in Ettlingen 1934 sowie die Ernennung zur Gauschulungsleiterin der NS-Frauenschaft Baden in Bruchsal im Herbst desselben Jahres. Die zunehmende Reduzierung der Frau auf ihre Mutterrolle lehnte sie ab und wurde vermutlich deshalb 1936 als Gauschulungsleiterin entlassen.

Als Mitglied der Reichskammer der Bildenden Künste 1934-1945 widmete sich Horn-Zippelius fortan wieder verstärkt der Malerei, die sie bis ins hohe Alter betrieb. Sie malte vor allem Landschaften, Porträts und Stillleben. Ein von der Spruchkammer Karlsruhe 1947 eingeleitetes Verfahren gegen Horn-Zippelius wurde im Rahmen der Weihnachtsamnestie im Februar 1948 eingestellt, da die Ermittlungen keine belastbaren Anklagepunkte ergaben.

René Gilbert 2015

Quellen

StadtAK 8/StS 09/230, 8/StS 13/495, 497, 8/StS 20/472-475; GLA 51/6/8925.

Werk

Die Eroberung einer Kreisfrauenschaft in den Kampfjahren 1932 auf ’33, in: NS-Frauenwarte, Jg. 1934/35, Heft 2, S. 37; Schmiedersche Fabrik bei Nacht, Farblithographie 1900 (Städtische Kunstsammlungen Karlsruhe); Selbstbildnis, Ölgemälde 1903/04 (Privatbesitz); Delphi, Ölgemälde 1907 (Privatbesitz); Mohnblumenfeld, Ölgemälde um 1910/11 (Privatbesitz), Bullenheim-Unterdorf, Ölgemälde 1919 (Privatbesitz).

Literatur

Gerlinde Brandenburger: Dora Horn-Zippelius, in: Badische Biographien NF, Bd. II, hrsg. von Bernd Ottnad, Stuttgart 1987, S.144 f.; Gerlinde Brandenburger-Eisele: Malerinnen in Karlsruhe 1715–1918, in: Karlsruher Frauen 1715–1945. Eine Stadtgeschichte, Karlsruhe 1992, S. 263 f. (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 15); Gerlinde Brandenburger-Eisele: Dora Horn-Zippelius, in: Leonhard Müller/Manfred Koch (Hrsg.): Blick in die Geschichte. Karlsruher stadthistorische Beiträge 1988-1993, Karlsruhe 1994, S. 243 f.; Anette Michel: „Alte Kämpferinnen“ – Dora Horn-Zippelius und Gertrud Gilg, Propaganda- und Gauschulungsleiterinnen der NS-Frauenschaft in Baden, in: Die Führer der Provinz: NS-Biographien aus Baden und Württemberg, hrsg. von Michael Kißener und Joachim Scholtyseck, Konstanz 1997, S. 225-265 (= Karlsruher Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus Bd. 2).