Carl Johannes Louis Langhein

Grafiker, Maler, * 29. Februar 1872 Hamburg, † vermutlich 26. oder 27. Juni 1941 Hadamar (Opfer der NS-Krankenmorde, bestattet in Otterndorf), ev., ∞ 1898 Anna Elisabeth Schmider, 2 Söhne, 1 Tochter.

In Wandsbek bei Hamburg durchlief Langhein nach dem Volksschulbesuch 1886-1890 eine Ausbildung zum Lithografen in einer renommierten Anstalt für Chromo- und Kreidelithografie. Nach kurzer Tätigkeit in Kaufbeuren begann er ein Studium an der Berliner Kunstschule, das er ab 1892 an der Badischen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe bei Robert Poetzelberger, Carlos Grethe und Graf Leopold von Kalckreuth fortsetzte. Kalckreuth machte ihn 1895 zu seinem Assistenten und zum Leiter der auf sein Betreiben eingerichteten Lithografiewerkstatt. 1897 wurde er mit der Führung der Kunstdruckerei des Künstlerbundes Karlsruhe (KKK) betraut. Neben der Leitung der Lithografiewerkstatt an der Akademie und der des KKK war Langhein zwischen 1900 und 1912 auch Dozent für Lithografie an der Kunstgewerbeschule, der Malerinnenschule und an der Technischen Hochschule (TH) Karlsruhe. 1906 wurde er zum Professor ernannt.

Ab 1896 reiste Langhein wiederholt zum Arbeiten in die norddeutsche Küstenregion bei Cuxhaven, die Carlos Grethe mit seinen Schülern für ihre Malstudien entdeckt hatte. Das östlich gelegene Otterndorf mit der weiten Marschlandschaft wurde dann für ihn und sein künstlerisches Schaffen entscheidend. Die vor Ort skizzierten stimmungsvollen Natureindrücke verarbeitete er im Atelier in Öl, Aquarell oder in der Lithografie weiter. 1906/07 ließ er sich in Otterndorf ein Atelierhaus bauen. 1911/12 entstand nahe dabei der stattliche Wohnsitz (Haus Hochkamp; heute Jugendherberge), in den er 1912 mit seiner Familie übersiedelte.

Während des Ersten Weltkriegs war Langhein bei der Marine und arbeitete nebenher als Marinemaler und Illustrator propagandistischer Publikationen. Danach verdiente er als Werbegrafiker und Designer den Lebensunterhalt. In den 1920er-Jahren erkrankte er wohl an Demenz und wurde ab etwa 1927 in einer Lüneburger Heilanstalt behandelt. Von der Landesheilanstalt Herborn wurde er 1941 in die Tötungsanstalt Hadamar verbracht und dort ermordet. Da Langhein in den 1890er-Jahren vermutlich für kurze Zeit in der Augustenburg in Grötzingen gewohnt hat, erinnert seit 1975 die dortige Carl-Langhein-Straße an den Künstler.

Katja Förster 2014

Literatur

Clemens Ottnad: Langhein, Carl Johannes Louis, Graphiker und Maler, in: Badische Biographien NF, Bd. 4, hrsg. von Fred Luwig Sepaintner, Stuttgart 2011, S. 242-245; Carl Langhein. Vorreiter der kunstpädagogischen Reformbewegung, in: Peter Bussler: 100 Jahre Cuxhavener Malerkolonie. 1895-1995. Duhnen, Altenwalde, Altenbruch. Karlsruher Künstler entdecken den Reiz der Küstenlandschaft, Cuxhaven 1995, S. 92-97.