Otto Schließler, Foto aus: Fritz Wilkendorf: Otto Schließler, der Bildnisplastiker, in: Ekkhart – Jahrbuch für das Badner Land, Freiburg 1957, S. 16.

Otto Schließler

Bildhauer, * 18. Oktober 1885 Forbach/Lkr. Rastatt, † 4. Januar 1964 Baden-Baden, ∞ 1920 Gertrud Körner, 4 Söhne.

Otto Schließler war ein Sohn aus der zweiten Ehe eines erfolgreichen Bauunternehmers und hatte 16 Geschwister oder Halbgeschwister. Eine Erkrankung an Knochentuberkulose, die zahlreiche Operationen erforderte, machte seine Kindheit entbehrungsreich. Nach vollständiger Genesung begann der schon früh zeichnerisch Begabte 1899 eine Lehre in der Keramik-Werkstatt der Firma Nerbel in Mosbach, wo die Familie zu dieser Zeit lebte. 1902/03 besuchte der gelernte Töpfer die Kunstgewerbeschule in Karlsruhe, wo er Unterricht im Malen und Modellieren erhielt und die Entscheidung traf, nicht Maler, sondern Bildhauer zu werden. Der Unfalltod des Vaters auf einer Baustelle 1903 zwang Schließler 1903/04 an der Renovierung der Schlösser in Bruchsal, Mannheim und Rastatt sowie auf Baustellen in München und Dresden zu arbeiten. 1904 kehrte er als Student der Bildhauerklasse von Hermann Volz an die Akademie der bildenden Künste nach Karlsruhe zurück. Volz förderte seinen talentierten Schüler und nahm ihn 1907-1912 als seinen Meisterschüler an. Parallel unterrichtete Schließler bis 1914 als Fachlehrer für Bildhauerei an der Kunstgewerbeschule. Vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs hatten Schließler Studienreisen nach Florenz und Rom geführt. Als Kriegsfreiwilliger des bayerischen Schneeschuhbataillons Nr. 2 nahm er an Kämpfen in den Karpaten teil.

Schon 1913 fanden die ersten Kunstwerke Schließlers bei wichtigen Ausstellungen im süddeutschen Raum Aufnahme und Anerkennung. Nach dem Krieg richtete er 1919 in einem Seitenbau des Schlosses in Schwetzingen, wohin seine Mutter verzogen war, seine Bildhauerwerkstatt ein. Ohne Zugeständnisse an den Zeitgeist entstanden hier zahlreiche Büsten, Statuetten und Großplastiken bekannter zeitgenössischer Personen, Mädchengestalten in verschiedenen Posen sowie Knaben- und Männerakte. Nach mehreren Auszeichnungen in den 1920er-Jahren war Schließler mit seinen Kunstwerken nun regelmäßig bei namhaften Kunstausstellungen in Deutschland vertreten.

Nach zwei erfolglosen Bewerbungen an der Badischen Landeskunstschule wurde Schließler, der selbst kein Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) war, im Oktober 1933 als Lehrer einer zweiten Meisterwerkstätte berufen. Diese leitete er bis zu ihrer Auflösung im Sommer 1944, erhielt aber erst 1942 die vakante Professur für Bildhauerei. Nach der Wiedereröffnung der Akademie 1947 kehrte Schließler aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr auf seinen Lehrstuhl zurück. Aufgrund der Zerstörung seines Ateliers und seiner Wohnung in Karlsruhe im Zweiten Weltkrieg lebte er ab 1949 in seinem Landhaus auf dem Kohlhof in Heidelberg.

1974 wurde in Grötzingen die Otto-Schließler-Straße benannt.

René Gilbert 2015

Quellen

StadtAK 8/ZGS Persönlichkeiten; HStAS EA 3/150, Bü 3284.

Werk

Schreitendes Mädchen, Bronze 1930; Mädchentorso, Muschelkalk blau 1932; Bildnis des Führers, Bronze 1936; Fahnenträger, Muschelkalk blau 1936; Kultusminister Otto Wacker, Bronze 1940; Maler-Grafiker Willi Egler, Kunststein 1934.

Literatur

Fritz Wilkendorf: Otto Schließler, der Bildnisplastiker, in: Ekkhart – Jahrbuch für das Badner Land, Freiburg 1957, S. 15-26; Ursula Merkel: Bildhauer an der Kunstakademie Karlsruhe von 1947 bis 1987, in: Die Malerei ist tot – es lebe die Malerei. 150 Jahre Kunstakademie Karlsruhe – Die Professoren von 1947 bis 1987, hrsg. von Erika Rödiger-Diruf, Karlsruhe 2004, S. 83-98, hier S. 84 f.; Eckhardt Schmidt: Otto und Martin Schliessler, in: Die Insel im Wald – 300 Jahre Heidelberger Kohlhof, hrsg. von Georg Stein, Heidelberg 2006, S. 113-115.