Hermann Volz um 1900, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS III 1643.

Hermann Volz

Bildhauer, * 31. März 1847 Karlsruhe, † 11. November 1941 Karlsruhe, ev., ∞ 1. 1876 Luise Rettig, 2. 1881 Elisabeth Ruh, 1 Kind.

Als Sohn eines Arztes begann Volz vor 1869 ein Architektur-Studium am Polytechnikum in Karlsruhe. Nach Heimkehr aus dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 wandte er sich der Bildhauerei zu, wurde 1871 in Karlsruhe Schüler von Carl Johann Steinhäuser an der Großherzoglichen Kunstschule und besuchte 1873 die Anatomieklasse des Malers Hans Canon in Stuttgart. Ab 1872 unternahm Volz mehrfach Reisen nach Italien, um sich auch an Bildwerken der Antike, der Renaissance und des Barocks zu schulen. 1874/75 besuchte er erneut die Karlsruher Kunstschule, 1878/79 wurde er zunächst Lehrer, dann Professor an der Kunstgewerbeschule Karlsruhe und schließlich von 1880 bis zum Ruhestand 1919 Professor für Bildhauerei an der Kunstschule.

Bis zum Ersten Weltkrieg schuf Volz vor allem Großplastiken für zahlreiche Denkmäler in einer detaillierten, bewegten, fast expressiven Formensprache mit klarer Gliederung der architektonischen und plastischen Teile. Die Hinzufügung allegorischer Gestalten zu einer Person oder Gruppe entsprach dem Geschmack der Zeit. Um 1900 ist eine Veränderung im Werk sichtbar. Seine stilistische Entwicklung führte von einer frühen idealisierten Auffassung zunächst zu einem zeitgemäßeren Realismus in Form und Inhalt und im Spätwerk zu einer wieder am klassizistischen Ideal gebildeten stilisierten Größe der Figur. Er widmete sich jetzt zunehmend dem Porträt (Relief, Büste, Ganzfigur) und betonte häufig die seelische Verfassung der Person, zum Beispiel das überlebensgroße Denkmal des Chemikers Robert Bunsen in Heidelberg.

Die Vielzahl seiner Denk- und Grabmäler, Brunnen und Porträts machten Volz zu einem der bekanntesten badischen Bildhauer des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Zu seinen Werken in Karlsruhe zählen unter anderem das Kriegerdenkmal am Ettlinger-Tor-Platz (1872-1877, heute im Alten Friedhof), der Brunnen am Lidellplatz (1872-1876), das Scheffel-Denkmal (1888-1892), das Prinz-Wilhelm-Denkmal (1900-1901) an der Hans-Thoma-Straße sowie die Hans Thoma-Büste (1904) in der Kunsthalle.

Volz erhielt zahlreiche Orden und Auszeichnungen, darunter die Ehrendoktorwürde der Universität Heidelberg.

Carmen Bechtold 2012

Literatur

Meinhold Lurz: Hermann Volz, in: Badische Biographien NF, Bd. III, hrsg. von Bernd Otnad, Stuttgart 1990, S. 277 f.; Beatrice Vierneisel: Hermann Volz, in: Gerlinde Brandenburger/Manfred Großkinsky/Gerhard Kabierske/Ursula Merkel/Beatrice Vierneisel: Denkmäler, Brunnen und Freiplastiken in Karlsruhe 1715 -1945, Karlsruhe 1987, S. 695 f. (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 7).