Georg Scholz, Foto aus: Hans Knab/Volker Hooß: Die Grötzinger Malerkolonie und ihre Nachfolger, hrsg. v. der Ortsverwaltung Karlsruhe-Grötzingen, 1991, S. 30.

Walter Hans Georg Curt Scholz

Maler, Graphiker, Professor, * 10. Oktober 1890 Wolfenbüttel, † 27. November 1945 Waldkirch/Lkr. Emmendingen, ev., 1935 kath., ∞ 1914 Elise Hildinger, 1 Kind.

Nach dem Selbstmord des Vaters 1896 wuchs Scholz seit 1898 als Pflegesohn des Physikers Julius Elster in Wolfenbüttel auf. 1908-1914 Studium an der Kunstakademie in Karlsruhe unter anderen bei Hans Thoma, Ludwig Dill, als Meisterschüler bei Wilhelm Trübner sowie ein Semester bei Lovis Corinth in Berlin. Nach der Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg ließ Scholz sich in Grötzingen nieder und lebte von künstlerischen Gelegenheitsarbeiten. 1923 wurde er Assistent und 1925 und Professor an der Badischen Landeskunstschule in Karlsruhe. Nach der NS-Machtübernahme folgte im Sommer 1933 die Entlassung aus dem Lehramt, 1935 der Umzug nach Waldkirch, 1937 die Beschlagnahmung seiner Bilder als "Entartete Kunst". Wie schon in den frühen 1920er-Jahren verdiente er den Lebensunterhalt mit Auftrags- und Ausstattungsarbeiten wie zum Beispiel dokumentarische Kriegsbilder für das Armeemuseum in Rastatt. Nach Kriegsende bestimmte die französische Kommandantur Scholz fünf Wochen vor seinem unerwarteten Tod als kommissarischen Bürgermeister in Waldkirch.

Prägend für Scholz' künstlerische Arbeit wurde zunächst der Erste Weltkrieg. Seine Eindrücke als Infanterist in Russland und Frankreich dokumentierte er als sachlicher Beobachter in einem Skizzen-Tagebuch. Nach 1918 radikalisierte sich Scholz politisch und künstlerisch: Eintritt in die neugegründete Kommunistische Partei Deutschlands (KPD); Mitgliedschaft in der linken "Berliner Novembergruppe" (bis 1922); Gründung der Künstlergruppe "Rih" in Karlsruhe mit ehemaligen Kommilitonen. Seine bis 1923 entstandenen Bilder werden dem sozialkritischen Verismus zugerechnet, den die ihm persönlich bekannten Otto Dix und Georg Grosz pflegten. Spätestens seit der 1925 von Gustav F. Hartlaub organisierten Ausstellung "Neue Sachlichkeit" in Mannheim, Scholz war mit sieben Bildern vertreten, galt er als Vertreter dieser Stilrichtung. 1927 war Scholz Gründungsmitglied der Badischen Sezession und widmete sich Ende der 1920er-Jahre vor allem der Aktmalerei.

Carola von Roth 2012

Literatur

Felicia H. Sternfeld: Georg Scholz (1890–1945), Monographie und Werkverzeichnis, Frankfurt a. M. 2004 (Europäische Hochschulschriften, Reihe 28, Bd. 405); Georg Scholz 1890–1945, Malerei, Zeichnung, Druckgraphik, hrsg. von Hans-Dieter Mück, Stuttgart 1991; Michael Koch: Scholz, Georg, Maler und Graphiker, in: Badische Biographien NF, Bd. II, hrsg. von Bernd Ottnad, Stuttgart 1987, S. 248–249.