Traugott Bender 1969, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A18/159/1/04.

Traugott Bender

Politiker, Jurist, * 11. Mai 1927 Tübingen, † 5. Februar 1979 Karlsruhe, ev., ∞ 1953 Marianne Vidal, 4 Töchter, 1 Sohn.

Traugott Bender wuchs als eines von neun Kindern des späteren Landesbischofs der Evangelischen Landeskirche in Baden, Julius Bender, in Südbaden auf. Nach dem Kriegsdienst legte er 1946 in Lahr das Abitur ab und studierte zunächst Theologie, dann Rechtswissenschaften in Erlangen, Bamberg und Freiburg i. Br. Auf das erste juristische Staatsexamen 1950 folgte 1952 die Promotion zum Dr. jur. Sein Referendariat leistete Bender in Karlsruhe und legte 1955 das zweite Staatsexamen ab. Von 1956-1972 sowie von 1977-1979 arbeitete er als Rechtsanwalt in Karlsruhe. Politische Erfahrung erwarb der Jurist 1959-1972 als CDU-Mitglied des Karlsruher Gemeinderats, zuletzt als stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Kommunalpolitisch setzte er sich für verstärkte Investitionen in Schulgebäude sowie für den Ausbau der Grünanlagen an der Alb ein. Eine zweite Bundesgartenschau lehnte Bender mit seiner Fraktion wegen der daraus folgenden Finanzierungsunsicherheit anderer städtischer Projekte ab. Die städtischen Kleinkunstbühnen erfuhren durch seine Initiative eine stärkere Förderung. Zudem gründete der ehemals aktive Handballer 1967 den SSC Waldstadt, dessen Sportanlagen sich im westlichen Teil von Hagsfeld im Traugott-Bender-Sportpark befinden.

1964 wurde Bender in den Landtag von Baden-Württemberg gewählt, dem er bis zu seinem Tod angehörte. 1972 zum Justizminister berufen, brachte er die Humanisierung des Strafvollzugs wesentlich voran. Er führte die Resozialisierungsmaßnahmen schon während der Haftzeit sowie die räumliche Trennung zwischen jüngeren und älteren Untersuchungshäftlingen ein. Damit einher ging die Eröffnung der Jugendstrafvollzugsanstalt Adelsheim, in welcher die Häftlinge pädagogisch betreut werden und ein Entgelt für geleistete Arbeit erhalten. Der 1974 von ihm geschaffene Resozialisierungsfonds soll überschuldeten entlassenen Strafgefangenen einen Neubeginn in geordneten wirtschaftlichen Verhältnissen ermöglichen. Er trägt bis heute seinen Namen. Wegen der Selbstmorde der führenden Mitglieder der Rote-Armee-Fraktion im Hochsicherheitsgefängnis Stammheim in der Nacht zum 18. Oktober 1977 trat der Justizminister zwei Tage später von seinem Amt zurück. Ein Untersuchungsausschuss des Landtags kam später zu dem Ergebnis, dass keine schwerwiegenden Mängel hinsichtlich der Durchsuchung der Zellen vorlagen, und Bender somit keine Schuld an den Selbstmorden zuzuweisen sei. Bender starb unerwartet an den Folgen eines Hirnschlags.

René Gilbert 2014

Werk

Die kirchenpolitischen Bestimmungen des Bonner Grundgesetzes: ein Beitrag zum Staatskirchenrecht der Bundesrepublik, Diss. jur. Freiburg i. Br. 1952; Rechtspolitik in der heutigen Zeit – Grundfragen und Tendenzen. Vortrag gehalten auf dem 25. Bodensee-Juristentreffen am 1. Oktober 1977. Auszug abgedruckt in: Deutsche Richterzeitung 2, 1978. Kopie des Originalmanuskripts im Stadtarchiv Freiburg (StAF); Über christliche Verantwortung gegenüber dem Staat. Niederschrift der letzten, frei gehaltenen Rede Traugott Benders, gehalten am 27. Januar 1979 im Konvent Nordbaden der Evangelischen Michaels-Bruderschaft in Karlsruhe-Durlach. Kopie im StAF.

Literatur

Fred Sepaintner: Bender, Traugott, in: Badische Biographien NF Bd. II, hrsg. von Bernd Ottnad, Stuttgart 1987, S. 32-38.