Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oIII 41.

Julius Bender

Theologe, Bischof der Evangelischen Landeskirche Baden, * 30. August 1893 Michelfeld/Rhein-Neckar-Kreis, † 19. Januar 1966 Karlsruhe, ev., ∞ 1920 Luise Kiefer, 10 Kinder (darunter Traugott und Hans Bender).

Das Gymnasium besuchte Bender wegen der häufigen Versetzungen des Vaters, eines Bahnbeamten, in Mannheim und Baden-Baden. Nach dem Abitur studierte er ab 1912 Theologie in Tübingen und Kiel. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 meldete er sich als Kriegsfreiwilliger, war zunächst bei der Kavallerie, wurde dann Jagdflieger und 1917 zum Leutnant befördert. 1919 setzte Bender sein Theologiestudium fort, legte 1919 und 1920 die beiden Examina ab und wurde 1920 in Heidelberg ordiniert. Das Vikariat verbachte er in Hagsfeld bei Karlsruhe, St. Georgen und Schopfheim. 1922 wurde er Pastorationsgeistlicher in Messkirch. 1928 nahm er das Angebot zur Leitung des Diakonissenhauses in Nonnenweier an, wurde dafür von der Kirchenleitung freigestellt und gleichzeitig zum Pfarrer ernannt. Der Beginn des Zweiten Weltkriegs führte zu seiner Einberufung als Hauptmann (seit 1943 Major) der Luftwaffe, mit Einsatzorten in Österreich, Jugoslawien und Frankreich. Ende 1944 hatten die Bemühungen des Diakonissenhauses um seine Freistellung Erfolg.

Kirchenpolitisch war Bender seit 1923 in der Kirchlich-Positiven Vereinigung aktiv, die überwiegend konservativ und antiliberal eingestellt war und gegen die historisch-kritische Bibelexegese Stellung bezog. Politisch engagierte er sich 1929-1933 in der protestantisch-konservativen Partei Christlich-Sozialer Volksdienst, wandte sich aber gegen dessen Hinwendung zum Nationalsozialismus. Gegen die Bewegung der nationalsozialistischen Deutschen Christen bezog er schon 1933 öffentlich Stellung, wie er auch den Antisemitismus ablehnte. Dieser Haltung blieb Bender als Mitglied des Landesbruderrats der Bekennenden Kirche Badens treu und publizierte weiter in den von der Karlsruher Gestapo zensierten Kirchlich-Positiven Blättern.

Nach Kriegsende wurde Bender in den Erweiterten Evangelischen Oberkirchenrat in Karlsruhe berufen und im Februar 1946 auf Vorschlag der Landessynode zum Landesbischof gewählt. In diesem Amt wirkte er entscheidend am (Wieder-)Aufbau der badischen Landeskirche nach der NS-Zeit mit. Seine Theologie bezeichnete Bender selbst als einzig aus der Bibel resultierende „Theologie des Glaubens“. Die Aufgabe eines Pfarrers sah er darin, unabhängig vom geschichtlichen und kulturellen Wandel Zeugnis von Gott abzulegen. Sein theologisches Ideal war die „dienende Kirche“ dezentral verwaltet sowie frei von staatlichem Einfluss und politischer Tätigkeit. Zu seinen Anliegen als Bischof zählte die Innere wie die Weltmission und - resultierend aus seiner militärischen Vergangenheit - nach der deutschen Wiederbewaffnung 1956 die Militärseelsorge. 1964 trat Bender krankheitshalber als Landesbischof zurück.

1947 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Universität Heidelberg verliehen, 1952 bekam er das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern und 1965 die Ehrenbürgerwürde der Stadt Karlsruhe. In Hagsfeld ist seit 1968 die Julius-Bender-Straße nach ihm benannt.

Manfred Koch 2015

Literatur

Otto Hof (Hrsg.): Dienende Kirche. Festschrift für Landesbischof . Julius Bender zu seinem 70. Geburtstag, Karlsruhe 1963 (darin eine Bibliographie der Veröffentlichungen von Julius Bender); Fred Sepaintner: Bender, Ferdinand Julius, in: Badische Biographien, NF Bd. III, hrsg. von Bernd Ottnad, Stuttgart 1990, S. 35–38.