Hugo Starck, Stadtarchiv Karlsruhe 1/POA 1/4279.

Hugo Starck

Arzt, * 27. April 1871 Eichstetten am Kaiserstuhl/Lkr. Breisgau-Hochschwarzwald, † 30. Mai 1956 Karlsruhe, ev., ∞ 1901 Hedwig Luise Bertha Scriba (1879-1952), 2 Söhne, 2 Töchter.

Alfred Wilhelm Hugo Starck, Sohn eines Notars, besuchte die Bürgerschule in Emmendingen und das Gymnasium in Freiburg und Heidelberg. Ab 1890 studierte er Medizin in Heidelberg und Berlin und schloss das Studium 1895 mit dem Staatsexamen und der Promotion ab. Anschließend wurde er Assistenzarzt bei Vincenz Czerny an der chirurgischen Klinik der Universitätsklinik Heidelberg. Nach einer Tätigkeit als Schiffsarzt 1896/97 kehrte Starck im April 1897 an seine Assistentenstelle zurück und habilitierte sich 1899. Im Oktober 1903 wurde er zum außerordentlichen Professor an der Universitätsklinik Heidelberg ernannt.

1905 wechselte Starck als Oberarzt der medizinischen Abteilung an das Städtische Krankenhaus Karlsruhe. Hier entwickelte er in der Folgezeit bahnbrechende neue Methoden in der Behandlung von Ösophaguserkrankungen (Speiseröhrenerkrankungen), die ihn zum führenden Spezialisten auf diesem Gebiet in Europa und international bekannt machten. So ließen sich Patienten aus den USA und Südafrika von ihm behandeln. Neben seiner ärztlichen Tätigkeit engagierte er sich bei der 1913 erfolgten Gründung der Deutschen Gesellschaft für Stoffwechsel- und Verdauungskrankheiten (heute Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten, DGVS). Außerdem beriet er die Großherzogin Luise bei ihren sozialpolitischen Aufgaben. 1915-1918 leistete Starck Kriegsdienst als Marine-Oberstabsarzt in einem bayerischen Lazarett.

1927 wurde Starck zum Stadtobermedizinalrat ernannt und nach dem Tod von Bernhard von Beck 1931 zum leitenden ärztlichen Direktor des Städtischen Krankenhauses Karlsruhe befördert. Im Mai 1933 trat Starck der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) bei und wurde 1934 Führer des Verbands der Krankenhausärzte Deutschlands. Seine für 1936 aus Altersgründen vorgesehene Pensionierung setzte das Karlsruher Ratsherrenkollegium auf Starcks eigenen Wunsch aus, sodass er bis Mai 1945 weiter praktizieren konnte. Im Januar 1943 wurde Starck wegen des überteuerten Kaufs der Mangelware Bienenhonig und des damit einhergehenden Verstoßes gegen die Preisstrafrechtsordnung per einstweiliger Verfügung aus der NSDAP ausgeschlossen und zu einer Geldstrafe von 5.000 Reichsmark verurteilt. Nach einem erfolgreichen Einspruch wurde Starcks Parteiausschluss zurückgenommen, die Geldstrafe bezahlte er allerdings.

Ende Mai 1945 wurde Starck von der französischen Militärregierung entlassen und seine Pension ausgesetzt. Im April 1947 stufte ihn die Spruchkammer Karlsruhe als Mitläufer ein, wodurch er wieder Anspruch auf sein Ruhegeld hatte. Zudem gestattete ihm die Militärregierung die Wiederaufnahme der Behandlung von Privatpatienten im Städtischen Krankenhaus.

René Gilbert 2016

Quellen

GLA 235/2574, 236/27356; StadtAK 1/POA 1/4279; Universitätsarchiv Heidelberg A-219/PA, Fakultätsakte III, 4a/159.

Werk

Der Zusammenhang von einfachen chronischen und tuberkulosen Halsdrüsenschwellungen mit cariösen Zähnen, Diss. Heidelberg 1896; Die Divertikel der Speiseröhre, Leipzig 1900; Lehrbuch der Ösophagoskopie, Würzburg 1905; Die Erneuerung des Städtischen Krankenhauses, Denkschrift 1938; Die Krankheiten der Speiseröhre – ein Lehrbuch für Studierende, den Praktischen Arzt und den Spezialisten Darmstadt 1952 (= Medizinische Praxis Bd. 36).

Literatur

Ludwig Stumpf: Biographiensammlung des Städtischen Klinikums Karlsruhe, Karlsruhe 1965, S. 23-26; Dagmar Drüll: Heidelberger Gelehrtenlexikon Bd. 2 1803-1932, Berlin/Heidelberg 1986, S. 259; Rebekka Menges: Das neue Städtische Krankenhaus an der Moltkestraße 1907-1930, in: Vom Spital zum Klinikum. Städtische Gesundheitsversorgung in Karlsruhe, hrsg. vom Stadtarchiv Karlsruhe durch Ernst Otto Bräunche und Volker Steck, S. 132-163 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 29); Manfred Koch: Zwischen Aufbruch und Zusammenbruch. Das Städtische Krankenhaus 1931-1945, in: ebd., S. 164-208, https://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/literatur/stadtarchiv/HF_sections/content/ZZmplfzezYt2EG/Vom%20Spital%20zum%20Klinikum.pdf (Zugriff am 27. Dezember 2020).