Seeligmann Reiss (auch Pinchas Reiss)

Religionslehrer, Rabbiner, * 1764 (wahrscheinlich) oder 1767 im Elsass, † 1. Dezember 1831 Karlsruhe, jüd., ∞ Frumet Wöhler.

Der Werdegang von Seeligmann Reiss ist unbekannt. Er kam um 1790 bei der Suche nach einer Rabbinatsstelle nach Karlsruhe, wo er unter Tia Weil als Religionslehrer wirkte und für den Lebensunterhalt daneben als Milch- und später "Spezereyen"-Händler arbeitete. Nach dem Tod Tia Weils 1805 versah er die Oberlandes-Rabbinertätigkeit als Verweser bis zur Einführung des Nachfolgers Ascher Löw 1809. Dieser behielt ihn als Vertreter. 1819 strebte Reiss die Stiftsrabbinerstelle der Elias Wormserschen Lehrhaus-Stiftung in Karlsruhe an, unterlag aber knapp gegen Jakob Ettlinger. Rabbiner Löw setzte ihn dennoch ein, nach Beschwerde Ettlingers musste Reiss die Stelle 1820 wieder aufgeben.

Sein Grab befindet sich auf dem Jüdischen Friedhof an der Kriegsstraße.

Jürgen Schuhladen-Krämer 2014

Quelle

GLA 233/17060 (Auseinandersetzung um Stiftsrabbinatsstelle).

Literatur

Carsten Wilke/Michael Brocke (Hrsg.): Biographisches Handbuch der Rabbiner, Teil 1: Die Rabbiner der Emanzipationszeit in den deutschen, böhmischen und großpolnischen Ländern 1781−1871, 2 Bde., bearb. von Carsten Wilke, München 2004.