Ascher Löw, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS III 956.

Ascher Löw (Ascher Löw-Wallerstein)

Rabbiner, Mitglied des Oberrats der Israeliten Badens, * 1754 Minsk, † 3. Juli 1837 Karlsruhe, jüd., ∞ 1. Gütel Wolf, 2. Sara Worms.

Ascher Löw wuchs als Sohn des Rabbiners Löw ben Ascher (1695-1785) auf, dessen Urteile und Lehrtätigkeit in der gesamten jüdischen Welt Widerhall fanden und der Standardwerke rabbinischer Literatur schuf. Der Vater wirkte in Weißrussland, Glogau, Frankfurt a. M. und ab 1765 in Metz/Frankreich als Oberrabbiner. Löw selbst wurde nach seinen Talmud-Studien bei Rabbiner Meir in Metz und in der Talmudschule seines Vaters 1783 als Rabbiner in die würzburgische Ritterschaft im bayerisch-fränkischen Niederwerrn als Nachfolger seines Schwiegervaters berufen, des dortigen in Wallerstein gebürtigen Hoffaktors und Unterrabbiners Samuel Wolf. 1789 ging er als Landesrabbiner nach Wallerstein (Donau-Ries) in das gleichnamige Fürstentum, wo er bis 1809 wirkte und sich als streng-orthodoxer Talmudgelehrter und Pilpulist (Beherrscher der besonderen Form der rabbinischen Disputation) einen Namen über die Landesgrenzen hinweg erwarb. Aufklärerischen Bestrebungen im Judentum widersetzte er sich weitestgehend energisch.

Die Mediatisierung infolge der napoleonischen Neuordnung der deutschen Territorien veränderte Löws Wirkungskreis und ließ ihn nach externen und internen Auseinandersetzungen nach einem neuen Wirkungskreis suchen. 1808 erhielt er drei Angebote: als Oberrabbiner in Metz, als Mitglied des Zentralkonsistoriums in Paris und als badischer Oberlandesrabbiner in Karlsruhe. Auf napoleonische Order nahm er die Stelle in Karlsruhe als Nachfolger von Tia Weil bzw. dessen Sohn Nathan Weil als Rabbinatsverweser wahr und gehörte dem 1809 neu geschaffenen Oberrat der Israeliten Badens an. Zugleich wurde er gemäß der dabei geschaffenen Gliederung Rabbiner für die Jüdische Gemeinde Karlsruhe und für die mittelrheinische Provinzsynagoge (jüdische Gemeinden zwischen Karlsruhe, Pforzheim und Offenburg). Er führte in Karlsruhe die vermutlich zweite Talmudschule nach der seines Vorgängers, die etwa 200 Eleven gehabt haben soll. Unter seinen zahlreichen Schülern waren unter anderen Elias und Benjamin Willstätter, Jakob Ettlinger und sein eigener Sohn Abraham Ascher. Im fortgeschrittenen Alter konnte er krankheitsbedingt und erblindet sein Amt nicht mehr voll wahrnehmen. Ab 1827 wurde ihm deshalb der Rabbinatskandidat und frühere Schüler Elias Willstätter beigegeben. Sein Grab befindet sich auf dem jüdischen Friedhof an der Kriegsstraße.

Jürgen Schuhladen-Krämer 2014

Quelle

GLA 357/333; StAK 8/StS 34/5 (Grabsteininschriften des Jüdischen Friedhofs Karlsruhe in der Kriegsstraße, dabei auch Grab Nr. 147 Ascher Löw); Allgemeine Zeitung des Judentums, 2. und 7. September 1837.

Werk

Rede, gehalten am 31. Dezember 1818 bey dem Trauergottesdienste für Seine Königl. Hoheit den Höchstseligen Großherzog Karl in der Synagoge zu Karlsruhe von Großherzogl. Oberrathe u. Oberlandrabbiner A. Löw, Karlsruhe 1819.

Literatur

Carsten Wilke/Michael Brocke (Hrsg.): Biographisches Handbuch der Rabbiner, Teil 1. Die Rabbiner der Emanzipationszeit in den deutschen, böhmischen und großpolnischen Ländern 1781−1871, bearb. von Carsten Wilke, Bd. 2. München 2004; Rolf Hofmann: Das Landrabbinat in Wallerstein. Bedeutende rabbinische Persönlichkeiten des 18. und 19. Jahrhunderts, in: www.alemannia-judaica.de; Jonathan Helfland: The aborted candidacy of Rabbi Asher Ginsburg: A failed attempt at modernization, in: Jewish History 15, 2001, S. 41-57.