Karl Caesar, um 1925, KIT-Archiv Karlsruhe 10001, 2419.

Karl Caesar

Architekt, Professor, * 24. Dezember 1874 Münster (Gde. Selters/ Lkr. Limburg-Weilburg), † 10. Mai 1942 Berlin, ev., ∞ 1904 Emilie Caesar (1880-1958), 1 Tochter, 1 Sohn.

Karl Wilhelm Caesar, Sohn eines Pfarrers, besuchte ab 1885 das Real- und Humanistische Gymnasium Wiesbaden und legte 1894 an der Königlichen Landesschule Pforta (Sachsen-Anhalt) das Abitur ab. Anschließend studierte er bis 1898 Architektur an den Technischen Hochschulen (TH) Berlin-Charlottenburg und München. Nach der ersten Staatsprüfung für das Hochbaufach und dem Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger erhielt Caesar 1900 eine Anstellung in der Kirchenbauabteilung des Preußischen Ministeriums für öffentliche Arbeiten. Nach der 1903 mit Auszeichnung (Staatspreis) bestandenen zweiten Staatsprüfung unternahm Caesar eine dreimonatige Studienreise nach Nordfrankreich und wurde zum Regierungsbaumeister ernannt sowie Assistent von Hugo Hartung. Als Architekt erhielt er Aufträge für Privatbauten. 1907-1909 war Caesar mit dem Entwurf und der Bauleitung des preußischen Zentralgefängnisses in Freiendiez an der Lahn beschäftigt. Im Februar 1908 erfolgte seine Beförderung zum Kreisbauinspektor, 1908 seine Berufung als etatmäßiger Professor für Ländliche Baukunst und Landwirtschaftliche Baukunde an der TH Berlin-Charlottenburg.

1915 nahm Caesar im Rang eines Oberleutnants als technischer Offizier am Ersten Weltkrieg teil, wobei er hauptsächlich im Baltikum und in Ostgalizien eingesetzt wurde. Von dort regelte Caesar seinen Wechsel an die TH Karlsruhe. Hier übernahm er 1916 den Lehrstuhl für Neuzeitliches Bauen von Friedrich Ostendorf, der im März 1915 an der Westfront gefallen war. Zugleich wurde er bautechnischer Referent im badischen Kultusministerium. Zu seinen Schülern gehörten unter anderen Otto Haupt und Hermann Reinhard Alker. 1921 baute Caesar für die Freiburger Firma Gebrüder Himmelsbach das Säge- und Imprägnierwerk Richtberg im südbadischen Auggen. Diese mit Werkleiterhaus, Wohnhäusern, Ställen, Waschküchen sowie einem Kantinen- und Bürogebäude ausgestattete Werkssiedlung stellte ein Musterbeispiel für ein umfassendes städtebauliches Baukonzept dar. Caesars einziger größerer Staatsbau war die Errichtung der orthopädischen Klinik in Heidelberg, die 1922 fertig gestellt und 1928-1930 von ihm und dem ebenfalls in Karlsruhe lehrenden Gisbert Teuffel von Birkensee erweitert wurde.

Im Studienjahr 1924/25 amtierte Caesar als Rektor der TH Karlsruhe. 1921-1923, 1929-1932 sowie 1933-1935 war er Vorstand der Architekturabteilung der TH. Zum 1. Oktober 1935 nahm Caesar, der am 1. Mai 1933 in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) eingetreten war, einen Ruf an seine ehemalige Wirkungsstätte, die TH Berlin-Charlottenburg, an. Dort amtierte er in den Studienjahren 1939/40 und 1940/41 als Dekan der Fakultät für Bauwesen.

Ausgezeichnet wurde Caesar mit dem Eisernen Kreuz Zweiter Klasse (1915), dem Ritterkreuz des Ordens vom Zähringer Löwen (1916), der Ehrendoktorwürde der medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg (1922), dem Treuedienst-Ehrenzeichen in Gold für Beamte (1938) sowie dem Titel eines Ehrensenators der TH Berlin-Charlottenburg (1941).

René Gilbert 2016

Quellen

KIT-Archiv 22006/30, 22006/47, 22006/53; GLA 235/1860, 235/4096, 235/30472, 235/30474, 456 E 1743.

Werk

Wesen und Wert der Gotik – Festrede bei der Feier des Rektoratswechsels an der Technischen Hochschule Fridericiana in Karlsruhe am 13. Dezember 1924, Köln 1925; Deutsche Baukunst – Rede gehalten bei der Reichsgründungsfeier der Technischen Hochschule Fridericiana zu Karlsruhe am 18. Januar 1934, Bühl 1935 (= Karlsruher akademische Reden Nr. 14).

Literatur

Otto Renkhoff: Nassauische Biographien – Kurzbiographien aus 13 Jahrhunderten, 2., vollst. überarb. u. erw. Aufl., Wiesbaden 1992, S. 99 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau Bd. 39); Joachim Kleinmanns: Caesar, Karl, in: Badische Biographien NF Bd. VI, hrsg. von Fred Ludwig Sepaintner, Stuttgart 2011, S. 56-58.