Hans Graef

Bildhauer, Lyriker, * 28. März 1909 Freiburg i. Br., † 22. Juni 1963 Freiburg i. Br., ev., ∞ 1948 Berta Händle, kinderlos.

Nach dem Abitur machte der Kaufmannssohn zunächst eine Banklehre, bevor er im Frühjahr 1929 das Studium der Wirtschaftswissenschaften in München aufnahm. Der Besuch eines Bildhauerateliers in der bayerischen Landeshauptstadt hinterließ bei Graef einen so nachhaltigen Eindruck, dass er beschloss, Bildhauer zu werden. Im Herbst 1930 trat er in die Badische Landeskunstschule in Karlsruhe ein und wurde nach einiger Zeit Meisterschüler von Christoph Voll. Nach Studienabschluss 1934 ließ er sich als freischaffender Künstler in Stuttgart nieder. 1937 kehrte er nach Karlsruhe zurück und richtete sich im Hinterhaus der Roonstraße 3 ein Atelier ein. Bis zu seiner Einberufung zum Kriegsdienst 1939 entstanden fast nur kunstgewerbliche Arbeiten.

Als Graef 1946 aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft nach Karlsruhe zurückkehrte, wurde es ihm endlich möglich, sich als Bildhauer frei zu entfalten und bis zu seinem Tod eine Reihe monumentaler Arbeiten für öffentliche Plätze, Eingänge, Anlagen und Friedhöfe zu schaffen. Dazu gehören das Wegkreuz (1952, Buntsandstein) zum Gedenken an die Toten des Zweiten Weltkriegs auf dem Friedhof in Daxlanden; der Seelöwen-Brunnen (1953, Bronze), der heute im Innenhof der Agentur für Arbeit steht; das als Flachrelief konzipierte Ehrenmal für die im Ersten und Zweiten Weltkrieg gefallenen Schüler und Lehrer des Bismarck-Gymnasiums im Foyer der Schule (1956, Kalkstein); die Lernenden Mädchen (Bronze, 1956) am Eingang der ehemaligen Wirtschaftsoberschule am Ettlinger Tor (seit 2003 im Außenbereich der Friedrich-List-Schule); die Brunnenfigur der Großen Liegenden (Bronze, 1957) für die Mitte der 1950er-Jahre südlich von Alt-Rüppurr entstandene Wohnsiedlung der GAGFAH sowie die Zwei Frauen (Bronze, 1963) im ersten Obergeschoss des Amtsgerichts Karlsruhe.

Wie bei seinem Lehrer Voll stand auch bei Graef die menschliche Figur im Zentrum seines künstlerischen Schaffens. Nach den Erlebnissen im Krieg und in der anschließenden Gefangenschaft wollte er aber mit ihr, wie auch mit seinem 1947 veröffentlichten Gedichtband "Und bedenke auch dieses", ein klares Zeichen für den Frieden und die Völkerverständigung setzen. Indem er den Ausdruck seiner Figuren auf das Wesentliche reduzierte und ihre Oberflächen glatt und homogen gestaltete, strahlen sie eine Atmosphäre der Ruhe aus, die die Vorbeigehenden im hektischen Alltag zum Innehalten ermahnen soll.

Von der Stadt Karlsruhe erhielt der Bildhauer, der ausgedehnte Studienreisen nach Frankreich, Holland, Belgien, Österreich, Griechenland, in die Schweiz, Türkei und in die Ostblockstaaten unternahm, 1954 den Anerkennungspreis für Bildhauerei und 1957 für die Große Liegende den Kulturpreis für Bildhauerei und Plastik.

Katja Förster 2020

Literatur

Roswitha Baurmann-Riegger: Graef, Hans, Bildhauer und Lyriker, in: Badische Biographien NF, Bd. II, hrsg. von Bernd Ottnad, Stuttgart 1987, S. 105-107; Ursula Merkel: Bildhauer Hans Graef wäre jetzt 100 Jahre alt, in: Stadtzeitung, Amtsblatt der Stadt Karlsruhe vom 27. März 2009, https://web1.karlsruhe.de/Aktuell/Stadtzeitung09/sz1312.htm (Zugriff am 24. Juni 2020).